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18.10.2010

Roger kommt ins Heim

Unserem René scheints im Steigerwaldstadion zu gefallen. Nach dem Derbysieg gegen den FCC war er nun auch gegen Dresden anwesend. Und wieder schüttete es aus Eimern. Aber wieder gab es einen Heimsieg, der gegen die zuvor fünfmal ungeschlagenen Sachsen deutlicher ausfiel, als vor dem Kick erwartet. Die Skepsis ergab sich unter anderem aus der Tatsache, dass unsere im Laufe der Saison keinesfalls sattelfeste Abwehr (noch kein Spiel ohne Gegentor) zu drei Vierteln gesprengt war. Pohl (fünfte Gelbe), Hillebrand (Gelb-Rot) und Malura (Rot) waren nach dem Heidenheim-Spiel gesperrt. Der einzig übriggebliebene Jens Möckel bekam mit Thomas Ströhl (links), Rückkehrer Tom Bertram (IV) und Fabian Stenzel (rechts) gleich drei neue Abwehrkollegen an die Seite gestellt.

Und wie das immer so ist, mit der vermeintlichen Verlegenheitsabwehr standen wir hinten sicherer als mit dem Stammpersonal. Für die gesperrten Jungs dürfte eine Rückkehr in die Startelf schwerer sein, als zunächst gedacht. Da staunte auch unser Ehrengast Andreas, der „seine Dynamos“ sicherlich in besserer Form erwartet hatte. Da Andreas aber ein Freund des gesamten Ostfußballs ist und er ja über besonders innige freundschaftliche Beziehungen zu den Zipfelmützen verfügt, war er nicht ganz so traurig.

Abschließend noch ein Wort zu der im ersten Moment vielleicht merkwürdigen Überschrift. Roger hat sich seine Heimeinweisung redlich verdient, denn der RWE-Nachwuchsspieler loste in der Halbzeit das TFV-Pokal-Viertelfinale aus und zog seinen zukünftigen Arbeitgeber doch tatsächlich in ein Auswärtsspiel an die Ufer der Saale. Mein lieber kleiner Roger, diesen Fauxpas musst Du in ein paar Jahren wieder gut machen, wenn Du die FCC-Kasper in einem Derby (so es denn dann noch eins gibt und die Westsachsen dann nicht schon in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind) mit einem Doppelpack (mindestens!) abschießt.











Keine Choreo und 30 Minuten Schweigen - stiller Protest der Kurve gegen eine pauschale Bestrafung für den Böller im J...-Spiel













Bei diesem Spielstand würde ich, WÄRE ich denn heimlicher Dynamo-Fan, komisch gucken. ;-)





22.02.2010

Tagebuch Vancouver 2010 (# 8) und Dresden-RWE

enthält: Dritte Liga 2009/10, 24. Spieltag
DYNAMO DRESDEN - FC ROT-WEISS ERFURT 1:0 (0:0)

Tja, liebe Freunde, es ist Montagmorgen und irgendwie bin ich ein wenig gefrustet. Auch wenn es in den letzten Stunden eine ganze Menge Sport gab, kotzt es mich einfach an, dass das Eishockey-Gipfeltreffen zwischen Gastgeber Kanada und den Amis nicht live im deutschen TV zu sehen sein wird. Die ARD überträgt die Bob-Entscheidung, okay, da geht es um Gold für Andre Lange, aber der vierte Lauf dauert doch keine zweieinhalb Stunden. Da könnte man trotzdem noch zwei Drittel des Eishockey-Spiels zeigen, unterbrochen von der Live-Übertragung der letzten zehn Bobs. Aber so flexibel ist die ARD nicht, da wäre ja kein Platz mehr für das von Millionen Zuschauern herbeigesehnte Olympia-Telegramm oder das ewige Experten-Gelaber vor und nach den Wettbewerben. Und auch eine Übertragung bei Eins Festival war nicht möglich, weil dort ein gähnend langweiliges Curling-Vorrundenmatch live übertragen werden muss. Einfach lächerlich. Schon um neun Uhr war ich stinkig, weil statt Russland – Tschechien irgendein Film lief und Olympia ignoriert wurde. Wenn ich schon wochenlang vor den Spielen mit Live-Vollversorgung werbe, dann kann ich es mir nicht leisten, ausgerechnet am „Super Sunday“ so einen armseligen öffentlich-rechtlichen Auftritt hinzulegen. Eurosport will ich von der Kritik mal ausnehmen, die haben nach dem Biathlon-Massenstart immerhin das dritte Drittel von Russland – Tschechien live gezeigt. So stell ich mir das vor. Dass sie sich dann in der Nacht für Eiskunstlaufen entschieden haben, okay, dass ist wohl die Senderphilosophie, Eiskunstlauf läuft dort immer live.

Tja, der Ärger begleitete mich irgendwie über das ganze Wochenende. Vor unserer Auswärtsfahrt nach Dresden legte die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft am frühen Samstagmorgen einen ziemlichen dünnen Auftritt gegen Finnland hin (0:5) und machte dabei so ziemlich alles falsch. Aber okay, dass was wir beim Schweden-Spiel über dem Normalmaß leisteten, zeigten wir nun darunter. Und einen Punktgewinn gegen die beiden skandinavischen Teams durfte man nun realistisch betrachtet einfach nicht erwarten. Nun aber zum Fußball. Unmittelbar nach der Schlusssirene beim Eishockey trudelten auch schon Christian und Christian ein und sorgten gleich für gute Laune. Leckere Buletten bzw. Klopse bzw. Frikadellen hatten die beiden im Marschgepäck dabei, von unserem Chrischi am Freitagabend noch lecker gebrutzelt. Die Dinger schmeckten uns zwischen Leipzig und Dresden trotz der politisch leicht fehlorientierten Nachbarschaft im (ich sag mal ganz salopp) braunen Salonwagen. Bei der Wahl „unseres“ Doppelstockwaggons hatten wir ähnlich Pech wie dann später in Dresden bei der Wahl des Busses. Dort montierten einige überfröhliche einen Teil der Innen-Verkleidung ab und öffneten das Dachfenster mittels einer alternativen Vorgehensweise. Ich möchte diese überflüssigen Dinge nicht schön reden, im Gegenteil, ob aber die Aktion der Polizei, den gesamten Bus zwecks Aufnahme der Personalien einzeln aussteigen zu lassen, vorteilhaft war, wage ich zu bezweifeln. Es wäre ein leichtes gewesen, die „bösen Jungs“ in der Mitte des Busses zu ermitteln und den Rest einfach raus zu lassen.

Am Stadion bot sich dann ein Bild der Gegensätze. Die Schüssel an sich ist ein Traum, den ich mir mal abgesehen von den furchtbaren Sitzschalenfarben auch wunderbar in Erfurt vorstellen kann. Es ist beneidenswert, was dort mittels öffentlicher Hand finanziert wurde. Und das ohne solch solide Vereinsstrukturen und –finanzen wie in Erfurt. Einen Blick auf das Umfeld des Stadions darf man aber nicht riskieren. Angesichts der Tatsache, dass hier in einem Jahr die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft bzw. bereits in diesem Juli die U 20-Frauen-Weltmeisterschaft ausgetragen wird, ist der optische Zustand des Außenbereichs, den man irgendwo zwischen DDR und Moldawien einsortieren kann, absolut erschreckend. Ähnlich mies liefen die Einlasskontrollen. Für ca. 2000 mitgereiste Erfurter Fans waren nicht mehr als vier Eingänge geöffnet, weswegen die Prozedur entsprechend lang dauerte. Am längsten natürlich an der Schlange, an der wir anstanden.

Vor dem Spiel gab es auf beiden Seiten hübsche Choreographien, auch die der Gastgeber verdient ein ausdrückliches Lob, das sah sehr schick aus. Die erste Hälfte hatte unheimlich viel Feuer. Weniger wegen des begeisternden Spiels, viel mehr wegen der zahlreichen Fouls und Nickeligkeiten, die Mannschaften bearbeiteten sich mehr als das sie gegeneinander spielten. Die Abwehrreihen dominierten, auch unsere, wieder mit Martin Pohl spielende Verteidigungsreihe, hatte den Gegner gut im Griff. Als Schwachpunkte fielen Martin Hauswald, der einen rabenschwarzen Tag erwischte, mit seinen vielen Fehlpässen sowie Dennis Malura auf, der zwar defensiv ebenso sicher stand wie seine Nebenleute, das Offensivspiel mit unterirdisch schlechten Flanken und seinen zahlreichen, im Vorwärtsgang verlorenen Zweikämpfen, aber lähmte. Negativer Höhepunkt der ersten Halbzeit waren zwei, während einer Dynamo-Ecke aus dem RWE-Block fliegende Feuerzeuge sowie die Verletzung des Dresdner Mittelfeldspielers David Solga, der sich bei seinem Foul an Hauswald einen offenen Schien- und Wadenbeinbruch zuzog.

Auch in der zweiten Halbzeit änderte sich wenig. Die beiden Mannschaften gingen nun etwas pfleglicher miteinander um, der Schiedsrichter pfiff etwas heimlastiger, insgesamt dominierten aber weiterhin die Abwehrreihen. Chancen blieben Mangelware, Dynamo fand keine Mittel gegen die RWE-Abwehr und unsere Offensivabteilung verlor bei ihren wenigen Kontern immer wieder leichtfertig den Ball im Zweikampf. Einmal wurde es aber dennoch brandgefährlich im Sachsen-Strafraum, als Dynamo-Keeper Axel Keller ein Geschoss von Malura nicht festhalten konnte, der eingewechselte Lüttmann aber vom ihm im Fünf-Meter-Raum vor die Füße fallenden Ball so sehr überrascht war, dass er statt des leeren Tores nur die Latte traf. Meine Fresse, das konnte nicht wahr sein. Auch Dynamo hatte dann noch eine dicke Chance, die Orlishausen hervorragend parierte. Und als alles sich bereits auf ein Unentschieden eingestellt hatte, traf Gundersen mittels Sonntagsschuss in den Winkel. Eine Minute vor dem Ende. Scheiße aber auch. Möckel und Pohl hatten den Norweger nicht attackiert, Orlishausen stand eventuell etwas zu weit vor seinem Kasten. Wenig später pfiff der durchschnittliche Schiri Seidel aus dem Brandenburgischen ab und die Gastgeber feierten einen äußerst glücklichen Dreier. Einige Sachsen verloren dennoch die Nerven und beantworteten die beiden RWE-Böller mit zwei Leuchtraketen, die im unteren Bereich des RWE-Blocks einschlugen. Weshalb der Stadionsprecher anschließend die Erfurter Fans aufforderte, dass Abbrennen von Feuerwerkskörpern zu unterlassen, bleibt wohl sein Geheimnis.

Trotz der Niederlage wurde die Mannschaft von den Fans (zurecht) gefeiert, erfreulicherweise ließ sich auch der sonst in solchen Dingen eher zurückhaltende Sportchef Rainer Hörgl vor der prallgefüllten Gästekurve blicken. Prima! Die Abreise verlief problemlos und überraschend schnell. Schon gut 50 Minuten nach dem Spiel rollten wir, nun in etwas ruhigerer Gesellschaft sitzend, im Zug aus Dresden heraus. Dank einiger suboptimal Intelligenter und ihrem „Auftritt“ am Weimarer Bahnhof rollten wir mit zehn Minuten Verspätung kurz vor Acht wieder in Erfurt ein. Die nächste Olympia-Nacht wartete.

In dieser feierten wir Tobi Angerer und seine Silbermedaille, sonst verlief die Nacht eher unspektakulär. Im Super-G und Skispringen gab’s nix zu holen, das Eishockey-Match verschliefen meine beiden Christians. Der Auftritt gegen Weißrussland war eine Steigerung gegenüber dem Finnland-Spiel, immerhin gelang mit dem schnellen 1:0 das erste Tor. Leider ließen wir uns anschließend auskontern. Als kurz vor Schluss innerhalb von wenigen Sekunden das 2:3 und das 3:3 fielen, erreichte die Stimmung kurz nach acht Uhr morgens im Wohnzimmer noch mal den Siedepunkt, ehe die Weißrussen den Deutschen Eishockey-Cracks und die Müdigkeit uns das Licht ausknipste.

Gegen Mittag ging das mittlere olympische Wochenende schon weiter, nachdem mich alle verlassen hatten, gammelte ich am Nachmittag über meiner Steuererklärung und versuchte mir einen Einblick in das Elster-Programm zu verschaffen. Vor Beginn des Super Sundays, der aus oben beschriebenen Gründen weit weniger super als erhofft war, gab es in der Hummel noch lecker Burger & Wrap, irgendwie musste ich ja über die Eishockey-Nacht kommen. Da wusste ich aber noch nicht, dass der Canada Hockey Place für die deutschen TV-Anstalten so eine Art übertragungsfreie Zone werden wird. Kaum hatte ich davon Kenntnis erlangt, sorgten die Leistungen unserer Biathlon-Männer für weiteres Stirnrunzeln. Meine Güte, keine Einzelmedaille für die deutschen Skijäger. Als dies das letzte Mal passiert war (1998 in Nagano) gab es allerdings anschließend Staffel-Gold. Wir sollten uns also auf den Freitag freuen. Das Warten darauf versüßten mir die Ladies. Magdalena Neuner und Simone Hauswald gewannen Gold und Bronze im Massenstart, endlich gab es mal was zu feiern an diesem Wochenende. Jetzt guck ich grad noch Anni Friesinger beim Eislangsamlaufen zu, sie ist bereits jetzt, wo noch drei Paare kommen, aus den Medaillenrängen rausgefallen. Für die Anni wird es wohl Zeit, nach Holland auf den Bauernhof zu ziehen. Ids Postma, ihr Ehemann, würde sich sicher freuen. Parallel verfolge ich im Live-Ticker den dritten Lauf im Zweierbob. Andre Lange und Thomas Florschütz haben ihren Vorsprung verdoppelt, Gold und Silber scheinen sicher. Diese Tatsache und der ARD-Eishockey-Boykott lassen mich jetzt schlafen gehen. Die zweite Olympia-Woche wird noch anstrengend genug. Gute Nacht!

31.08.2009

3. Liga 2009/10 - Spielbericht

6. Spieltag - Samstag, 29.08.2009

FC ROT-WEISS ERFURT - SG DYNAMO DRESDEN 4:1 (2:0)

Der FC Rot-Weiß ist der Doppel-Derbysieger 2009. Und auch wenn es dem Dynamo-Kanal nicht gefallen dürfte, sind wir sozusagen der MDR-Meister. Erst Jena platt gemacht, nun die Sachsen beerdigt. Der RWE ist wieder da!!!

Für den gesperrten Malura begann Humbert, dafür rückte Stenzel auf die rechte Verteidigerposition. Wir legten los wie die Feuerwehr! Nach drei Minuten lag die Kugel im Dynamo-Netz, allerdings hatte Schiri Metzen ein Foul von Humbert erkannt. Richtige Entscheidung, wie sich später bei der Analyse der TV-Bilder herausstellte.

Dynamo fiel zu Beginn nur durch übertriebene Härte auf, der sehr sehr sehr großzügig pfeifende Schiri tat wenig bis nichts dagegen. Auf den Keks gingen mir insbesondere Wagefeld, der sich wohl auf einem Schlachtfest wähnte und Savran, ein widerlicher Schauspieler vor dem Herrn. Ansonsten existierte Dynamo praktisch nicht, wir hatten alles im Griff. Nur leider nutzten wir unsere Chancen zunächst nicht. Semmer, nachdem er den Sachsen-Torwart aussteigen lassen hatte und Kammlott (per Kopf) scheiterten aus aussichtsreichen Positionen. Erst als die Gäste etwas (aber wirklich nur etwas) besser ins Spiel kamen, schlugen wir unter gütiger Mithilfe der Gäste-Abwehr zu. Statt mit einem unverdienten 0:0 ging es mit einer komfortablen 2:0-Halbzeitführung in die Kabinen. Erst Semmer (40.) und eine Minute später Humbert nutzten die Freiräume, die sich ihnen boten. Ich kam kaum mit dem SMS schreiben hinterher. Als das 2:0 fiel, hatte ich noch nicht mal das 1:0 rausgefunkt.

Wie auch unsere Freunde von der Saale vor einer Woche wechselten die Dynamos in der Pause zweimal. Geholfen hat es nix. Im Gegenteil. Die SGD wurde noch schlechter. Obwohl das eigentlich schon gar nicht mehr ging. Nachdem wir uns zwischenzeitlich dem Niveau etwas angepasst hatten, schalteten die rot-weißen Jungs nach einer Stunde wieder einen Gang höher. Zuviel für Dynamo. Kammlott tunnelt Oppitz wie einen Anfänger und Rockenbach braucht nur noch einschieben. Jetzt ging es wie im Training. Ströhl überspurtet Cozza (Ferrari vs. Trabant), passt in die Mitte und Kammlott bringt die Kugel wie ein alter Hase im Netz unter. 4:0, das Ding war gelaufen. Mitte der zweiten Halbzeit feierte dann noch unser Neuzugang aus Ahlen, Manuel Bölstler, sein Debüt im RWE-Trikot. Er erledigte seine Aufgaben solide und erlebte kurz vor Ende noch der Ehrentreffer für die Gäste. Aber nicht mal den hatten sie sich verdient. Ich habe schon lange keinen so schlechten Gegner im SWS mehr gesehen!

Offiziell 9450 Zuschauer (es waren aber wohl eher an die 11 000) erlebten den ersten Erfurter Sieg über Dynamo seit 1999. Die unsägliche Durststrecke ist endlich beendet. Übrigens auch in Heidenheim morgen können wir Geschichte schreiben. Auch dort hat Erfurt lange nicht mehr gewonnen. Genauer gesagt: Noch nie! Wir haben halt noch nie gegen den 1. FCH gespielt... ;-)

04.09.2006

Regionalliga Nord 2006/07 - 6. Spieltag (03.09.2006)

FC ROT-WEISS ERFURT - DYNAMO DRESDEN 0:2 (0:1)

Ich gehöre sicherlich nicht zu denjenigen Fans, die nach einem schlechten Spiel sofort draufhauen und voreilig das Ende des Erfurter Fußballs vorhersagen. Doch was gestern Nachmittag beim Ost-Derby gegen Dynamo Dresden passiert ist, hat auch mir irgendwie die Sprache verschlagen. Fünf Spiele, vier Punkte. Zwei Heimspiele in Folge verloren. Fortschritte zum Vorjahr vermag ich nicht zu erkennen. Einfach frustrierend. Entsprechend hart sind vielleicht ein paar Formulierungen.

An solchen Sonntagen wie gestern sind die mehrstündigen Fahrten ins Hessenland immer besonders nervig. Statt bei einem Frustbierchen im Zipfelmützenkreis sich den Frust von der Seele zu diskutieren, knattere ich bei Dauerregen, grauem Himmel und tiefhängenden Wolken durch die gottverlassene Rhön Richtung Offenbach.

Vier Stunden vor der Rhön war die Laune bei Christian und mir, als wir das Stadion betraten, noch wesentlich besser. Die Grütze, die wir dann zu sehen bekamen, lässt sich eigentlich kaum in Worte fassen. Dennoch hier ein Versuch in Form einer Einzelkritik:

TOR: Dirk Orlishausen war der beste Erfurter auf dem Platz. An den beiden Gegentoren war er schuldlos, er wurde durch seine Vorderleute gnadenlos im Stich gelassen. Mit mehreren Paraden sorgte er dafür, dass wir lange auf ein Unentschieden hoffen durften.

INNENVERTEIDIGUNG: Eine Katastrophe. Schon in der Anfangsphase wurden Heller und Holst durch Doppelpässe schnell überspielt. Insbesondere die Leistungen und Fehler von Holst sind, wenn man an das vergangene Jahre denkt, nicht zu erklären. Der Junge ist völlig von der Rolle. Natürlich, auch wenn er den Ball vor dem 0:2 nicht vertendelt hätte, hätten wir wohl verloren. Dennoch, so ein Klops passiert vielleicht einmal in einer Saison (wir sind ja alle nur Menschen). Aber in zwei Heimspielen in Folge?

AUSSENVERTEIDIGUNG: Nicht regionalligatauglich. Was auf den Außenbahnen von Pätz (links) und Bertram (rechts) geboten wurde, war unterirdisch. Fehlpässe im Spielaufbau, mangelndes Zweikampfverhalten in der Defensive (Bertram vor dem 0:1) – einfach grottenschlecht. Natürlich sind beide Spieler keine gelernten Außenverteidiger, dennoch war das zu wenig. Neben dem Sturm DIE absolute Problemposition von RWE. Sollte der von Essen ausgeliehene Stoppelkamp im offensiven Mittelfeld einschlagen (und nur dann), könnte Schnetzler wie im Vorjahr die rechte Verteidigerposition übernehmen. Aber links? Kühne fällt noch lange aus.

MITTELFELD DEFENSIV: Die Standards von Görke waren zum Vergessen. Die Freistöße flogen in Richtung Weimar, aber keinesfalls aufs Tor. Die Ecken waren der absolute Witz. Jemandem der nicht dabei war, kann man gar nicht mit Worten erklären, mit welcher Präzision die viel zu flachen Ecken in den Strafraum flogen. Immer schön auf den ersten Dresdner Verteidiger, der diese dann (ich vermute mit zunehmender Spieldauer fast gelangweilt) herausköpfen konnte. Auch die langen Einwürfe flogen nach Schema F in den Strafraum. Gefahr? Null!

MITTELFELD AUSSEN: Von Brückner kam nichts, von Brunnemann nicht viel. Mit ein paar Solos deutete Brunnemann seine Gefahr an, konnte mit dem Ball am Fuß auch mal an ein paar Dynamos vorbeigehen, doch von der in der vergangenen Saison ausgestrahlten Torgefahr war nix zu sehen.

MITTFELFELD OFFENSIV: Ronny, Glückwunsch zu Deinem 300. Spiel! Und Danke, für die vielen tollen Tore in der Vergangenheit. Doch mit der Leistung von gestern (und den anderen Spielen in dieser Saison) hast Du in der Regionalliga nichts mehr verloren. Am allerwenigsten auf der (vakanten) Spielmacherposition. Nur ein starker Pass kam von Ronny auf Schnetze, der dann elfmeterreif (?) gefoult wurde. Ansonsten war es gruselig. „Höhepunkt“: Als Ronny nach Brunnemann-Zuspiel (also nach einem Pass eines Mitspielers) kurz vor Schluß getunnelt wurde. Ohne Worte…

STURM: Von Bunjaku nach seiner Verletzung Wunderdinge zu erwarten, wäre falsch gewesen. Entscheidend durchsetzen konnte er sich (noch) nicht, dennoch habe ich hier die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass dieser Mann die dringend notwendige Verstärkung im Sturm darstellt. Und Kumbela? Er war unser bester Feldspieler, brachte das Dynamo-Tor mehrfach ernsthaft in Gefahr. Leider aber versemmelte er mal wieder alle Chancen (Flugkopfball an die Latte, allein vor dem Tor Berbig angeschossen). Und letztlich wird ein Stürmer an Toren gemessen. Dennoch war seine Auswechslung nicht nachvollziehbar.

RESERVESPIELER: Cornelius und der angeschlagene Schnetzler sorgten für Belebung im Offensivspiel, leider kamen sie viel zu spät. Cornelius’ Problem aus meiner Sicht: er spielt nur als Joker gut, konnte, wenn er von Anfang an spielt (Mönchengladbach) keine Akzente setzen.

TRAINER: Kein Thema, die Aufgabe eines Trainers ist es auch, sich schützend vor seine Spieler zu stellen. Doch was Pavel nach dem Spiel so alles erzählt hat, nimmt mir jede Hoffnung, dass irgendwer im Verein den Ernst der Lage erkannt hat. Von einem unverdienten Dynamo-Sieg zu sprechen oder davon, dass RWE den Gast beherrscht hat, ist an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten. Außerdem muss sich der Trainer den Vorwurf gefallen lassen, viel zu spät und falsch ausgewechselt zu haben. Warum er für Cornelius Kumbela raus nahm, Pätz 81 Minuten und viele andere (Ronny, Bertram) 90 Miunten durchstolpern durften, bleibt auch sein Geheimnis.

DER VEREINSVORSTAND: Vieles läuft gut bzw. besser als in der Vergangenheit. Aber manchmal fasst man sich nur noch an den Kopf: Rombach und/oder Beutel hätten sich, bevor sie einen Ronny Trettmann zur Volksbelustigung verpflichten, vielleicht etwas besser mit der Herkunft dieses unterbelichteten Hilfsschülers, bei dessen Auftritt ich mich fragte, aus welcher Klapsmühle der wohl geflohen ist, befassen sollen. Ein Thüringer lacht noch lange nicht über einen Sachsen, schon gar nicht bei einem Derby zwischen zwei Teams aus diesen Bundesländern und erst recht nicht, wenn der Sachse mit seiner Herkunft so hausiert, wie dieser Trettmann. Wann (und warum) wurde die Todesstrafe bloß abgeschafft??? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Mehrzahl der Dynamo-Anhänger auf diesen Menschen stolz ist. Mancher mag die Kritik vielleicht ein bisschen kleinkariert finden, dennoch sind es genau solche Kleinigkeiten, die einfach dazugehören. Oder in diesem Fall eben nicht dazugehören.

DIE FANS: Wir waren nicht besser in Form als die Mannschaft. Ganz, ganz mau. Es kam nicht viel. Von Derbystimmung keine Spur. Die Capos stimmen zu 80 % einfallslos die üblichen Schmähgesänge gegen den Gegner an, alles 08/15 wie immer. Anstatt nur platt den Gegner zu beschimpfen, sollte vielleicht die eigene Mannschaft unterstützt werden. Gesänge, die von anderen Gruppen aus dem Block angestimmt wurden („Wir sind alle Erfurter Jungs“), wurden ignoriert, stattdessen schallte zum x-ten Mal das „Scheiß-Dynamo“ oder das nervige Dy-Dy-Dy-Lied durch das Stadion. Tiefpunkt des ganzen war das „Wir fahren Fahrrad ohne Dynamo“ – schwachsinnig und sinnlos.

FAZIT: Alles scheiße, bis in zwei Wochen zum Wuppertal-Spiel!