Bevor ich alles per E-Mail schicke, gibt's die Links einfach hier..
Ein Blick auf die Ladies gefällig? Möglich macht's der traditionelle Galaabend der Spieler am Mittwoch Abend.
Vorher wurde am Dienstag und Mittwoch eifrig trainiert, potentielle Pärchen getestet und... fleißig Autogramme geschrieben.
Ausgetragen wird der Ryder Cup im Medinah Country Club im Nordwesten Chicagos. Dort ließen sich am Montag beim Celebrity Scramble auch eine Menge Stars blicken.
Und hier gibts 13 Geschichten über das europäische Team.
Alle Links bisher stammen von www.golf.de, da lohnt sich in den nächsten Tagen auf jeden Fall immer mal ein Blick drauf.
Der Linksgolfer liefert zwei schöne Artikel über das Merchandising beim Ryder Cup und über ein paar heftige Griffe ins Klo, was das Outfit der Teams angeht.
Eine Menge zu lesen gibt es auch im Golf-Bereich von Welt Online, unter anderem über DIE europäische Ryder-Cup-Legende Severiano Ballesteros und wie das europäische Team beim ersten Ryder Cup ohne Seve ihm zu Ehren gewinnen möchte. Außerdem gibts ein Interview mit Bernhard Langer
Alles weitere findet ihr auf der Golf-Startseite der Welt.
spox.com bestätigt leider den Trend, dass man den Golf-Bereich mit Ausnahme der Par-10 in den letzten Monaten sehr zurückgefahren hat. Immerhin gibts ein Interview mit Martin Kaymer, wo er unter anderem erzählt, wie Seve Ballesteros das Team 2010 telefonisch auf die Mission Sieg eingeschworen hat. Mal sehen, ob der grandiose Florian Regelmann zum Ryder Cup einen Live-Ticker anbietet. Zum Ryder Cup 2010 lief der parallel und es war mehr als grandios.
Das soll an Lesematerial erstmal genügen, ab morgen Nachmittag muss ja dann hauptsächlich auf den Platz geschaut werden.
27.09.2012
25.09.2012
Vorschau auf den Ryder Cup 2012
Ein neuer Beitrag hier?! Da muss doch ein großes Golf-Event anstehen! ;-)
11,4 Millionen Dollar hat Brandt
Snedeker am vergangenen Wochenende gewonnen – der FedEx-Cup machts möglich.
Auch Rory und Tiger, die die Saisonwertung der PGA-Tour auf Platz 2 und 3
beendeten, müssen dank drei bzw. zwei Millionen Dollar Bonus-Preisgeld ebenso
wenig am Hungertuch nagen, wie ihre 27 Mitstreiter, die im East Lake Golf Club
zu Atlanta das Finale der amerikanischen Golfsaison bestritten haben. Der
Golfboom, der nach der Landung von Tiger Woods auf den Golfplätzen unseres
Planeten Mitte der 90er Jahre einsetzte, ist nirgendwo deutlicher erkennbar als
an den Zahlen, die auf die Preisgeldschecks der Spieler eingetragen werden.
Insofern unterscheidet sich Golf nicht von anderen Sportarten wie Fußball,
Basketball, Football oder Eishockey, wo die Gehaltsentwicklung in den letzten
zwei Jahrzehnten astronomische, kaum noch nachvollziehbare Ausmaße angenommen
hat. Ist es da nicht umso schöner zu wissen, dass die ganze Kohle am kommenden
Wochenende aber mal überhaupt keine Rolle spielt. Zumindest im Golfsport. Denn
vor den Toren Chicagos treffen sich 24 Superstars um um nichts anderes als Ruhm
und Ehre für ihren Heimatkontinent zu kämpfen: it’s Ryder Cup!
Preisgelder, Bonuszahlungen,
Geldranglisten, Order of Merit – alles vollkommen Wurscht! Keinen müden Dollar
erhalten die Spieler am Wochenende – und dennoch freuen sich die hartgesottenen
Profis wie kleine Kinder auf den legendärsten Wettbewerb des Golfsports. Beispiel
gefällig? Bubba Watson meinte vor seiner ersten Ryder-Cup-Teilnahme 2010: «Beim
Ryder Cup gegen Europa zu spielen ist für mich so wichtig wie mein Vaters
Kriegseinsatz in Vietnam». Und so werden 24 Einzelsportler in einer Sportart,
bei der die Nationalität sonst kaum eine Rolle spielt, für ein langes
Wochenende zu Teamplayern, beim legendären Kampf zwischen der alten und der
neuen Welt. Seit 1927 wird der Ryder Cup veranstaltet. Bis in die 70er Jahre
war es der Kampf zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich. Weil die
Briten in 19 Auflagen aber nur dreimal siegten, durften ab 1973 die Iren das
britische Team unterstützen. Doch auch mit den Jungs von der grünen Insel wurde
es nicht besser, es setzte drei weitere Niederlagen. Weil Langeweile drohte
(und nichts ist für die Vermarktung tödlicher als selbige) wurde aus dem Team
„Great Britain & Ireland“ das Team „Europa“. Zwei Spanier, der legendäre
und leider viel zu früh verstorbene Seve Ballesteros sowie Antonio Garrido,
nahmen 1979 als erste Kontinentaleuropäer am Ryder Cup. Zwar gewannen die Amis
wieder, doch die Erweiterung des Teams auf den gesamten Kontinent trug
wesentlich zur wachsenden Popularität des Ryder Cups bei. Spieler wie
Ballesteros, Bernhard Langer, José María Olazábal, Costantino Rocca oder die
besten Skandinavier konnten durch die Erweiterung überhaupt erst teilnehmen und
somit das Interesse für den Wettbewerb in ihren Heimatländern wecken. Zudem
wurde das vereinte europäische Team so stark, dass es für die erfolgsverwöhnten
Amerikaner zu einer ernsthaften Bedrohung wurde. Dreimal schafften es die
US-Boys noch, die Europäer im Schach zu halten, doch 1985 wendete sich das Blatt.
Nachdem die Amerikaner den Cup 26 Jahre verteidigt hatten, blieb der Pokal
erstmals wieder in Europa. Und seit jenem Wochenende im September sind die
Europäer das dominierende Team. Von den 13 seitdem ausgetrageneen Matches
gewannen die Europäer acht, hinzu kommt ein Unentschieden 1989, mit dem „wir“
den Cup verteidigten. Nur viermal waren die US-Amerikaner seitdem siegreich.
Noch besser hört es sich an, wenn man die jüngste Bilanz liest. Sechs der
letzten acht bzw. vier der letzten fünf Auflagen gewann Europa. Darunter fallen
auch die beiden 18 ½ zu 9 ½ Rekordsiege in den Jahren 2004 und 2006, als wir
mit den amerikanischen Golfstars den Boden aufwischten.
Eine Besonderheit beim Ryder Cup
ist die Atmosphäre. Während es auf den Golfplätzen weltweit ja eher gediegen
zugeht, herrscht beim Ryder Cup Stadionatmosphäre. Die Fans verkleiden und
bemalen sich, Fahnen werden geschwenkt, Liedgut zum Besten gegeben. Nicht nur
deshalb trifft der aus dem Fußball bekannte Satz „Der Pokal hat seine eigenen
Gesetze“ auch beim Ryder Cup voll zu. Anders ist die Schwäche der Amerikaner in
den letzten Jahren kaum zu erklären. Der Blick auf die jeweiligen
Weltranglistenpositionen zum Zeitpunkt des Turniers stempelt nämlich Amis
eigentlich vor jedem Ryder Cup zum „Favoriten auf dem Papier“, übrigens auch in
diesem Jahr. Doch mit schöner Regelmäßigkeit befällt die US-Stars beim
Ryder-Cup ein seltsamer Fluch. Oder wie ist es zu erklären, dass der größte
Golfer der Gegenwart, Tiger Woods, als einer der größten Ryder-Cup-Looser gilt?
Woods war zwischen 1997 und 2010 sechsmal Mitglied des US-Teams, fünfmal
schlichen Woods&Co. als Verlierer vom Platz, unter anderem bei den beiden
oben angesprochenen epischen Niederlagen 2004 und 2006. Und als die Amis 2008
letztmals den Ryder Cup gewannen, war Woods verletzungsbedingt nicht dabei. Für
einen Spieler wie Tiger, der die Golfwelt jahrelang beherrschte ist eine Bilanz
von 13 Siegen und 14 Niederlagen bei 2 Unentschieden einfach nur erschütternd.
Noch schlimmer ist die Statistik von Phil Mickelson. Der US-Publikumsliebling,
vierfacher Major-Sieger mit insgesamt 40 PGA-Tour-Siegen, konnte von seinen 34
Ryder-Cup-Matches schlappe elf gewinnen. Ist es aus europäischer Sicht nicht
irgendwie beruhigend, dass beide auch in diesem Jahr im US-Team stehen? Und
trotzdem schätze ich die Amerikaner (im Gegensatz zu 2010, wo ich die Europäer
leicht favorisiert hatte) einen Tick stärker ein als unser Team.
Der oben angesprochene Vergleich
der Weltranglistenpositionen fällt eindeutig zu Gunsten der US-Boys aus. Zwar
stellen die Europäer mit McIlroy den Weltranglistenersten und mit dem
englischen Trio Donald, Westwood, Rose die Nummern drei, vier und fünf im OWGR,
die Amerikaner sind aber in der Breite wesentlich stärker. Mit Ausnahme von Jim
Furyk befinden sich die Amis ausnahmslos unter den besten 17 der Welt. Der
elftbeste Amerikaner (Zach Johnson) liegt also einen Platz vor dem fünftbesten
Europäer (Graeme McDowell). Die Hälfte des europäischen Teams ist schlechter
platziert als der schwächste Amerikaner (Jim Furyk – 23.) Doch, wie oben schon
erwähnt, die Weltrangliste spricht meist für die Amerikaner, die auch davon
profitieren, dass sie ausnahmslos auf der für das OWGR wertvolleren PGA Tour
spielen.
Neben der Weltrangliste muss auch
die aktuelle Form beachtet werden, denn im OWGR spiegeln sich ja die Ergebnisse
der vergangenen zwei Jahre wieder. Und wer Anfang 2011 irgendein Turnier
gewonnen hat, interessiert ab Freitag in Medinah keine Sau. Die Form ist ein
Indikator, weswegen ich mir um unser Team ein paar Sorgen mache. Martin Kaymer
hat ein furchtbares Jahr hinter sich, profitierte bei seiner automatischen
Qualifikation fürs Team von den starken Ergebnisse am Ende des vergangenen
Jahres. 2012 reihte sich Enttäuschung an Enttäuschung, die Umstellung seines
Schwungs kostete ihn das Jahr. Seine letzten Turniere vor dem Ryder Cup in den
Niederlanden und Italien machen zwar etwas Hoffnung auf Besserung, dennoch ist
Kaymer nüchtern betrachtet ein Schwachpunkt im Team. Aber wie war das mit dem
Pokal und den Gesetzen. Sollen die Amis Kaymer ruhig mal unterschätzen. Zurück
zur Form. Auch Lee Westwood spielte ein ziemlich schwankendes Jahr, seine
Performance reichte von einem dritten Platz beim Masters bis zum verpassten Cut
bei der PGA Championship. Drei starken Play-Off-Turnieren im FedExCup folgte
ein katastrophales Wochenende bei der Tour-Championship, die er auf dem letzten
Platz abschloss. Bei den Amerikanern war Phil Mickelson so etwas wie ein
Sorgenkind, bis er in den FedExCup-Play-Offs plötzlich wieder auftauchte.
Abschließend noch ein Wort zur
Erfahrung. Die spricht eher für die Europäer, die mit dem Belgier Nicolas
Colsaerts nur einen Frischling im Team haben. Im Gegensatz dazu haben die
Amerikaner vier Rookies im Team. Insgesamt kommen die europäischen Spieler auf
26 Ryder-Cup-Teilnahmnen und 18 Ryder-Cup-Siege, die Amerikaner auf 28
Teilnahmen (wovon aber 21 auf Woods, Mickelson und Furyk entfallen) bei nur 6
(!) Siegen.
Einige Namen sind ja nun schon
gefallen, schauen wir uns die Teams und Spieler im Einzelnen an. Die beiden
Kapitäne, die selbst übrigens nicht spielen, Davis Love III bei den Amerikanern
und der Spanier José Maria Olazábal bei den Europäern, nominieren zwölf
Spieler. Wobei das Wort „nominieren“ eigentlich etwas falsch ist, weil sich acht
(USA) bzw. zehn (Europa) Spieler über die Ryder-Cup-Punkteliste direkt für das
jeweilige Team qualifizieren, ohne das der Kapitän hier etwas ändern kann. Love
III und Olazábal haben dann aber noch vier bzw. zwei sogenannte Captains Picks,
sie füllen also ihre Teams unabhängig von Ranglisten auf zwölf Spieler auf. Die
Kapitäne müssen also anhand von verschiedenen Kriterien (Erfahrung, aktuelle
Form, Fähigkeiten einzelner Spieler) Wild Cards an einzelne Spieler verteilen,
die aus diversen Gründen (z. B. Verletzungen) über die Punkterangliste nicht
qualifiziert sind.
Blicken wir zunächst auf die
Amerikaner:
Tiger Woods (6 Teilnahmen: 1997,
1999*, 2002, 2004, 2006, 2010)
Der Tiger spielte ein starkes
Jahr, meldete sich mit drei Siegen eindrucksvoll zurück, der Name Elin
Nordegren spielt bei Golfübertragungen keine Rolle mehr. Aber, ganz der Alte
ist er (noch) nicht, die Putts fallen nicht mehr so automatisch wie früher, die
Dominanz ist dahin. Dazu kommt seine oben angesprochene Ryder-Cup-Phobie. Und…
Woods ist alles andere als ein Team-Player.
Bubba Watson (1 Teilnahme: 2010)
Bubba hatte ein sensationelles
Frühjahr, das er mit dem Masters-Sieg krönte. Zuletzt eine starke
Tour-Championship (T 5) und ein paar Platzierungen im Dunstkreis der Top Ten. Sicherlich
einer der Publikumslieblinge in Medinah. Für Longhitter Watson lässt Love III
das Rough kurz mähen. Feuer frei, Bubba!
Jason Dufner (Rookie)
In den vergangenen Jahren wäre
Dufner’s Nominierung eine Freude fürs europäische Team gewesen, denn der 35-jährige
hatte den Ruf eines nervenschwachen Langweilers. 2012 holte er aber seine
ersten beiden Siege und bewies, dass er da sein kann, wenn es drauf ankommt. In
der zweiten Jahreshälfte wieder eher diskret, aus meiner Sicht eine
Schwachstelle im US-Team, die hitzige Atmosphäre dürfte sein Ding nicht sein.
Keegan Bradley (Rookie)
Der Mann des Jahres 2011, als er
als Rookie auf der PGA-Tour bei der PGA-Championship gleich ein Major gewann.
Hatte 2012 einen starken Jahresbeginn und einen sensationellen August, als ihm
Furyk den Sieg bei der Bridgestone schenkte und er Dritter bei der PGA
Championship wurde. In den Play-Offs aber mit mehr Schatten als Licht.
Webb Simpson (Rookie)
Legte nach seinem US Open-Triumph
eine Babypause ein, als er zum zweiten Mal Vater wurde. Wurde in Atlanta am
Sonntag aber Fünfter, Simspon scheint auf dem Punkt in Topform zu sein. Einer
der hoffnungsvollsten US-Golfer seiner Generation.
Zach Johnson (2 Teilnahmen: 2006
2010)
Zwei Siege, zwei zweite Plätze,
ein starkes Jahr für Johnson, der auch schon zweimal am Ryder Cup teilnahm,
aber ausgerechnet beim Sieg 2008 fehlte. Dennoch einer der wenigen im US-Team,
der keine negative persönliche Ryder Cup-Bilanz hat (3 Siege, 3 Niederlagen, 1
Unentschieden).
Matt Kuchar (1 Teilnahme: 2010)
Kuchar ist Mr. Zuverlässig.
Regelmäßig vorne mit dabei, Ausreißer nach unten leistet er sich selten, dazu
feierte er bei der Players Championship einen sehr bedeutenden Sieg.
Phil Mickelson (8 Teilnahmen:
1995 1997 1999* 2002 2004 2006 2008* 2010)
Der erfahrenste Ryder Cup-Spieler
der Amerikaner. Hat aber eine noch schwächere Bilanz als Woods. Begann 2012 gut
(Sieg in Pebble Beach), brach dann völlig zusammen, in den Play-Offs wieder
stärker. Gilt als Intimfeind von Tiger Woods. Legendär, als der damalige
US-Kapitän die beiden 2004 zusammen spielen ließ und sie während der Runde kein
Wort miteinander wechselten.
Dustin Johnson ** (1 Teilnahme:
2010)
Der Longhitter ist unfaßbar gut
in Form, beendete alle vier Play-Off-Turniere unter den Top Ten. Fehlte im
Frühjahr mehrere Wochen verletzungsbedingt, sonst wäre er automatisch dabei
gewesen. Vernichtete Kaymer 2010 im Einzel mit 6 & 4.
Jim Furyk ** (7 Teilnahmen: 1997
1999* 2002 2004 2006 2008* 2010)
Der 42-jähige könnte so etwas wie
die spielende rechte Hand von Kapitän Love III sein. Einziger US-Spieler ohne
Sieg 2012, aber unheimlich wichtig als erfahrene Führungsfigur für die vielen
Rookies.
Steve Stricker ** (2 Teilnahmen:
2008* 2010)
Der Senior des Teams (45 Jahre)
gilt als potentieller Partner für den zickigen Woods in den Vierern. Bei ihm
könnte man leicht denken, dass er ein altes Ryder-Cup-Schlachtross ist, wird
aber erst zum dritten Mal abschlagen. Gewann 2012 das allererste Turnier auf
Hawaii, danach eher ein durchwachsenes Jahr.
Brandt Snedeker ** (Rookie)
Überlegt grad, wofür er die 11,4
Millionen Dollar ausgibt, die er am Sonntag gewonnen hat. Ist in Bombenform,
auf den Grüns momentan der beste Spieler der Welt. Könnte mit Longhitter Bubba
ein sich sensationell ergänzendes Duo bilden. Wenn man ihn aktuell spielen
sind, kann man nicht glauben, dass er erstmals dabei ist.
Und nun zu den Gästen aus Europa:
Rory McIlroy, Nordirland (1
Teilnahme: 2010*)
Der aktuell beste Golfer des
Planeten. Einem starken Frühjahr (Sieg Arnold Palmer Invitationl, vier weitere
Top-5-Ergebnisse folgte ein Loch mit verpassten Cuts bei der Players, in
Wentworth und den US Open sowie einem 60. Platz bei der Open. Kam aber mit zwei
Play-Off-Siegen und dem Triumph bei der PGA-Championship in einem sensationellen
Spätsommer stärker denn je zurück.
Justin Rose, England (1
Teilnahme: 2008)
Neben Lawrie und Rookie Colsaerts
der einzige Europäer, der den Ryder Cup noch nicht gewonnen hat. Spielte mit
seinem Sieg bei der Cadillac, als Zweiter des FedEx-Cups und zwei Top-Tens bei
Majors ein gutes Jahr, holte 2008 mit Poulter zwei Punkte.
Graeme McDowell, Nordirland (2
Teilnahmen: 2008 2010*)
Gewann 2010 in Wales das
siegbringende Einzel für Europa. In diesem Jahr bei allen Majors mindestens
12., blieb 2012 aber ohne Sieg. Logischer Partner für seinen Landsmann McIlroy
in den Vierern.
Francesco Molinari, Italien (1
Teilnahme: 2010*)
War 2010 noch gemeinsam mit
seinem Bruder Edoardo in Wales dabei. Gewann in Spanien, wurde zweiter in
Schottland. Eines der Aushängeschilder der European Tour, sehr konstanter
Spieler ohne große Ausreißer nach oben und unten.
Paul Lawrie, Schottland (1
Teilnahme: 1999)
Unser ältester Spieler war erst
einmal beim Ryder Cup dabei. Starke persönliche Bilanz (3-1-1), den Cup holten
1999 aber die Amis. Ist gut in Form, gewann Ende August in Gleneagles, hatte
ein starkes Frühjahr.
Luke Donald, England (3
Teilnahmen: 2004* 2006* 2010*)
Der einzige der 24 Spieler, der ein echtes Heimspiel hat. Denn der Engländer wohnt seit 15 Jahren in Chicago, ist mit einer Einheimischen verheiratet und könnte während des Turniers theoretisch im eigenen Bett übernachten. Zudem die eingebaute Sieggarentie für
Europa, bei der Niederlage 2008 fehlte er. Gewann acht seiner elf Ryder-Cup-Matches,
vermöbelte 2010 gemeinsam mit Landsmann Poulter Woods und Stricker. Gewann im
Frühjahr zwei wichtige Turniere (Wentworth, Transitions). Europa braucht Donald
in Ryder-Cup-Gala-Form, seine Schlussrunde am Sonntag in Atlanta macht Mut.
Lee Westwood, England (7
Teilnahmen: 1997*, 1999, 2002*, 2004*, 2006*, 2008, 2010*)
Der mit Abstand erfahrenste
Europäer, könnte eine ähnliche Rolle wie Furyk bei dem Amis einnehmen. Ist zwar
immer noch Weltranglistenvierter, je länger das Jahr dauerte, umso schlechter
wurde Westwood. Kehrte daraufhin mit dem eisernen Besen durch sein sportliches
Umfeld, spielte gute Play-Offs (2., 5., 13.), um aber in Atlanta letztes
Wochenende wieder vollkommen einzubrechen.
Peter Hanson, Schweden (1
Teilnahme: 2010*)
Viele Schweden tummeln sich in
der Spitze der PGA-Tour (Karlsson, Pettersson, Stenson), doch beim Ryder Cup ist nur Hanson dabei.
Hatte ein starkes Frühjahr und unterstrich seine gute Form mit dem Sieg in
Hilversum vor drei Wochen. Der solide, aber unauffällige Hanson ist sicher
einer der Gründe, warum die Amis uns immer wieder unterschätzen.
Sergio Garcia, Spanien (5
Teilnahmen: 1999 2002* 2004* 2006* 2008)
Der Spanier fehlte 2010 beim
Triumph in Wales, verfügt aber trotz seiner erst 32 Jahre über immense
Ryder-Cup-Erfahrung. War 1999 im Alter von 19 (!) Jahren im Team, hat eine
unglaublich positive Bilanz (14-6-4) und ist, obwohl fast nur auf der PGA-Tour
spielend, neben Poulter sicher der heißeste Europäer.
Martin Kaymer, Deutschland (1
Teilnahme: 2010*)
Steht von allen Europäern sicher
am meisten unter Druck, hatte ein ganz schwaches Jahr 2012, die Punkte aus 2011
retteten ihm die automatische Qualifikation, hätte von Olazábal in keinem Fall
eine Wild Card bekommen. Konnte beim Ryder Cup 2010, als er bärenstark in Form
war (PGA Championship, KLM Open, Alfred Dunhill), nicht restlos überzeugen,
erlitt eine derbe Einzelniederlage und ließ sich in den Vierern von seinen
Partnern mitziehen.
Ian Poulter **, England (3
Teilnahmen: 2004* 2008 2010*)
Niemand wird am Wochenende heißer
sein als Poulter. Er liebt den Ryder Cup, er liebt es, für Europa abzuschlagen,
er wird es lieben, dass in Medinah alle gegen ihn (und die Europäer) sind. Dass er eine der beiden Wild Cards bekommt, war
deshalb so sicher wie das Amen in der Kirche, die durchwachsenen Ergebnisse von
2012 waren und sind Nebensache.
Nicolas Colsaerts **, Belgien
(Rookie)
Der erste Belgier, der am
Ryder-Cup teilnammt, ist der einzige Rookie der Europäer. Ist aber schon über
ein Jahrzehnt Profi, bewies mit seinem Sieg bei der Volvo Match Play
Championship, dass er auch im Lochwettspiel stark ist. Dennoch, denkt man an
Colsaerts, denkt man an endlos lange Abschläge, der 29-jährige ist DER
Longhitter in Europa.
Gespielt wird im Medinah Country
Club vor den Toren Chicagos. Der Ryder Cup gastiert zum ersten Mal im
Bundesstaat Illinois. In dem 1924 eröffneten Privatclub wurden fünf Major
Championships ausgetragen, zuletzt die PGA Championship 2006. Der „Course 3“,
auf dem der Ryder Cup ausgetragen wird, ist ein 7.657 Yards (7.002 Meter)
langer Par-72-Kurs.
Soweit meine Ryder-Cup-Vorschau.
Ich selbst freue mich sehr auf den Grundkurs am Wochenende in Mühlberg, es ist
sicherlich nicht der erste (bzw. zweite) Schritt ins europäische
Ryder-Cup-Team, aber wenn ich zwei Jahre, an den Ryder Cup in Wales,
zurückdenke, ist es doch bemerkenswert, dass mein Interesse am Golf so weit
gewachsen ist, dass ich mittlerweile selbst auf dem Platz stehe. Auf ein
schönes Ryder Cup-Wochenende inclusive Grundkurs mit Christian (und Christian?).
* = Sieg
** = Captain's Pick
08.08.2012
London? South Carolina!
Nach meinem frühkindlichen Trauma
während der Eröffnungsfeier der Winterspiele 1988 in Calgary, habe ich seit
1992 mit der für mich gewohnten und für Außenstehende schwer nachvollziehbaren
Intensität sämtliche Olympische Spiele verfolgt. Doch ausgerechnet jetzt, wo
ich in London 2012 mein olympischen Dutzend vollmache, schwächel ich etwas.
Wenn am Sonntag das olympische Feuer in der britischen Hauptstadt erlischt,
werde ich wohl, was olympische TV-Stunden angeht, einen neuen Minusrekord
aufstellen. Oder anders gesagt: ich bin auch nicht besser als die deutschen
Schwimmer oder Schützen.
Und meine angestrebte mediale
Aufholjagd wird am kommenden Wochenende zusätzlich erschwert: denn bei der PGA
Championship trifft sich in South Carolina die gesamte Golf-Weltelite zum
vierten und letzten Major-Turnier des Jahres. Grandios!
Ermittelt wird der PGA-Champion
2012 auf dem Ocean Course des Kiawah Island Golf Resort. Das Resort wurde 1974
eröffnet, der Ocean Course im Jahre 1991. Der von Pete Dye designete Kurs wurde
extra für den Ryder Cup 1991 angelegt und ist heute einer der schönsten
Golfplätze der Welt. Vor kurzem lief eine Reportage über Golfplätze in South
Carolina und ich war von der Schönheit der Plätze dort im allgemeinen und von
Kiawah Island im speziellen schwer beeindruckt. Der Platz ist kein typisch amerikanischer
Parkland-Course, sondern erinnert eher an einen europäischen Links-Kurs. Er
liegt direkt an der Atlantik-Küste, der Wind kann ungehindert über die
Spielbahnen fegen und die Bälle aus den Fairways hinaus ins Rough oder das
Sumpfgras wehen. Der Platz, auf dem die PGA Championship zum allerersten Mal
ausgetragen wird, dürfte also für spektakuläre und traumhaft schöne Bilder
sorgen. Gleichzeitig eröffnet er mit seinem Links-Charakter für die europäischen
Spieler gute Möglichkeiten.
Und gerade die Europäer hätten es
bitter nötig. Nicht nur das die US-Amerikaner 77 der 92 seit 1916 ausgetragenen
Turniere gewannen, von den 15 nicht-amerikanischen Siegern kamen nur vier aus
Europa. Bemerkenswert: die ersten beiden PGA-Titel sicherte sich der Engländer
Jim Barnes 1916 und 1919 (1917 und 1918 fand das Turnier wegen des 1.
Weltkriegs nicht statt), erst 1920 begannen die Amerikaner ihre unglaubliche
Erfolgsgeschichte. Nach Barnes dauerte es dann schlappe 89 (!) Jahre bis mit
dem Iren Padraig Harrington 2008 der nächste Europäer die PGA Championship
gewann. Und 2010 folgte mit Martin Kaymer der erste deutsche (und
kontinentaleuropäische) Turniersieger. Und der Sieg 2010 kann trotz Kaymers
Formkrise durchaus als gutes Omen betrachtet werden: 2010 in Whistling Straits
gab es ebenfalls viel Sand, viel Wasser, viel Wind… sprich einen Links-Kurs,
der übrigens ebenfalls von Pete Dye entworfen wurde. Und seinen Caddie von
damals hat Kaymer vor kurzem ja auch wieder unter Vertrag genommen.
Rekordsieger des Turniers sind –
natürlich – zwei US-Amerikaner, die Golf-Legenden Walter Hagen und Jack
Nicklaus, die zwischen 1921 und 1927 bzw. 1963 und 1980 jeweils fünf Siege
einfahren konnten. Sollte Tiger Woods in South Carolina siegen, würde er mit
dann ebenfalls fünf PGA-Titeln zu den beiden aufschließen.
Wie eingangs schon beschrieben,
ist die gesamte Weltelite des Golfsports in Kiawah Island am Start, darunter
mit Martin Kaymer und Marcel Siem zwei Deutsche. Und auch Webb Simpson, der US
Open-Champion und derzeitige Weltranglisten-Fünfte mischt nach seiner
„Babypause“ bei der Open Championship wieder mit. Freuen wir uns also zwischen
Synchronschwimmen, Leichtathletik und Taekwondo auf fantastisches Golf auf
einem traumhaften Platz.
PS: Ein ganz persönliches Fazit
zu den eingangs erwähnten Spielen in London gibt’s nächste Woche.
Labels:
Golf
18.07.2012
Das ABC zur Open Championship
Morgen beginnt die Open Championship, das älteste Golfturnier der Welt. Es ist das dritte Major-Turnier das Jahres und DAS Wochenende für alle europäischen Golfanhänger. Ich habe mal ein ABC zur Open zusammengestellt, ohne dabei einen Anspruch auf Vollständigkeit zu haben. Viel Spaß!
Arnaud Massy
1907 trug sich mit dem Franzosen erstmals
ein Nicht-Brite in die Siegerliste der Open Championship ein. Er beendete die
47-jährige Serie der Spieler aus England, Schottland und von den Kanalinseln.
Bis zum Sieg des unvergessenen Spaniers Seve Ballesteros 1979 blieb er für sage
und schreibe 72 Jahre auch der einzige Kontinentaleuropäer, der die Open
gewinnen konnte. Übrigens: nach Ballesteros (der sich 1984 und 1988 zwei
weitere Open-Titel sicherte) gewann auch nie wieder ein anderer Kontinentaleuropäer.
Also, auf geht’s ihr Kaymers, Siems, Molinaris…
Britisches Pfund
…gibt es (mittlerweile) reichlich
zu verdienen bei der Open Championship. Wie im letzten Jahr erhält der Sieger
900.000 £, umgerechnet etwa 1,15 Millionen Euro. Insgesamt sind die Open 2012
mit 5 Millionen Pfund (6,37 Millionen Euro) dotiert. Das Preisgeld hat in den
letzten Jahren mächtig angezogen, noch 1991 bekam der Sieger, der Australier
Ian Baker-Finch, „nur“ 90.000 £, also gerade mal ein Zehntel von dem was es
dieses Jahr zu verdienen gibt. Blickt man noch weiter zurück, muss man über die
Preisgelder fast schmunzeln. Bei den ersten vier Ausgaben gab es überhaupt
nichts zu verdienen, 1864 strich Old Tom Morris für seinen Sieg dann sagenhafte
6 (in Worten: sechs) Pfund ein. 1876 wurde der Betrag auf 10 Pfund erhöht, ab
1927 gab es mit 100 Pfund erstmals einen dreistelligen Betrag, 1955 erhielt der
Champion 1.000 Pfund und erst 1977 in Turnberry wurde es fünfstellig (10.000
Pfund). Über das erste sechsstellige Preisgeld freute sich Greg Norman 1993
(100.000 Pfund).
Claret Jug
Seit 1873 erhält der Sieger der
Open Championship „The Golf Champion Trophy“, umgangssprachlich „Claret Jug“
genannt. Der vor 1873 an den Sieger überreichte Championship Belt war nach
seinem dritten Sieg in Folge in den Besitz von Young Tom Morris übergegangen.
Deutsche Teilnehmer
Zwei Deutsche haben sich für die
Open Championship 2012 qualifiziert (siehe auch „Q“). Martin Kaymer und Marcel
Siem. Während Kaymer’s Teilnahme nie in Frage stand, konnte sich Marcel Siem
erst letzte Woche über Kriterium 11, als Sieger der Open de France
qualifizieren. Kaymer schaffte es gleich über drei Kategorien (Top 50 der Welt,
Top 30 im Race to Dubai, PGA-Championship-Gewinner 2010) ins Open-Feld.
Für Kaymer ist es der fünfte
Auftritt bei der Open, er hat bisher immer den Cut geschafft, 2010, einen Monat
vor seinem Sieg bei der PGA-Championship, schaffte er als geteilter Siebter
sein bisher bestes Open-Ergebnis, letztes Jahre wurde er geteilter Zwölfter.
Marcel Siem geht zum zweiten Mal
bei der Open an den Abschlag. 2010, als er erstmals überhaupt an einem
Major-Turnier teilnahm, belegte er einen respektablen 27. Platz.
Einen deutschen Sieger hat es bei
der Open Championship noch nie gegeben (siehe auch „A“ – Kontinentaleuropäer),
Bernhard Langer war viermal sehr nahe dran, 1981 und 1984 wurde er Zweiter,
1985 und 1986 jeweils Dritter.
Erster Majorsieg
Im April 1986 gewann Jack
Nicklaus beim Masters in Augusta seinen 18. Major-Titel. Absoluter Rekord. Im
Juni 2008 gewann Tiger Woods die US Open – sein 14. Major-Titel. Doch auch die
beiden erfolgreichsten Spieler bei den vier Major-Turnieren hatten einmal ihr „erstes
Mal“: Nicklaus 1962 bei den US Open, Tiger Woods 1997 beim Masters. Schaut man
sich die Siegerliste der Majors an, fällt auf, dass die letzten neun Gewinner
der Major-Turniere alle ihr „erstes Mal“ gefeiert haben. Angefangen hat die
Serie beim Nordiren Graeme McDowell (US Open 2010) und endete (vorläufig) bei
Webb Simpson (US Open 2012). Seit über zwei Jahren hat also kein Spieler mehr
ein Major gewonnen, der schon einen (oder mehrere) Major-Titel sein eigen
nennt. Geht diese Serie weiter, gucken Top-Stars wie Tiger Woods, Rory McIlroy
oder Phil Mickelson aber auch Martin Kaymer in die Röhre. Immerhin macht die
Serie andererseits Superstars wie Lee Westwood oder Luke Donald Hoffnung, die
seit Jahren in der absoluten Golf-Weltspitze mitspielen, aber auch genauso
lange ihrem ersten Major-Titel hinterherlaufen.
Übrigens: seit es vier
Major-Turniere gibt (1934) gab es eine solch lange Serie mit „First Champions“
noch nie.
Favoriten
Favoriten zu benennen ist schwer,
sehr schwer. Im Gegensatz zum Tennis, wo man zur Zeit fast sicher davon
ausgehen kann, dass Federer, Nadal oder Djokovic die Grand-Slam-Titel unter sich
aus machen, gibt es für die anstehenden Open mehrere Dutzend Spieler, denen man
realistische Siegchancen einräumen muss. Das Leistungsdichte im Golf ist so
unglaublich hoch, dass selbst Spieler die weit jenseits der Top 50 liegen nicht
außer Acht gelassen werden dürfen.
Bei den Amerikanern muss man
zudem immer überlegen, wie sie mit den europäischen Bedingungen, insbesondere
dem Klima, zu Recht kommen. Viele der US-Profis reisen auf der PGA-Tour fast
die ganze Saison der Sonne und den Temperaturen um die 30 Grad nach. Auf der
Insel müssen Woods & Co. froh sein, wenn am Wochenende die 20-Grad-Marke
geknackt wird.
Die üblichen Verdächtigen sind
natürlich wieder im Favoritenkreis vertreten, vielleicht schaffen es Westwood
und Donald ja zu Hause, ihren Major-Fluch zu besiegen. Ich glaube zum Masters
hatte ich ein paar Worte zur englischen Major-Durststrecke geschrieben. Rory
McIlroy spielt zur Zeit eher diskret, auch Martin Kaymer ist nicht sonderlich
in Form. Aber schon oft mussten wir bei Major-Turnieren erleben, dass
Vorleistungen nicht sonderlich zählen. Ich hoffe, dass die Claret Jug in Europa
bleibt. Die Amerikaner haben die drei letzten Majors gewonnen (Keegan Bradley,
Bubba Watson, Webb Simpson), der Open-Titel ist der letzte, der sich noch in
europäischer Hand befindet (siehe „T“).
Bei den US-Boys spielt Tiger
Woods eine ziemlich starke Saison, er hat schon drei Titel eingefahren, aber
ausgerechnet bei den beiden bisherigen Majors 2012 ziemlich mies gespielt. In
einem Interview adelte Tiger die Open als sein Lieblings-Major, er liebt die
vielen Faktoren (Wind, Wetter, Links-Platz), die den Ausgang so unvorhersehbar
machen. Und wenn Tiger schon nicht weiß, wer gewinnt, wie soll ich das dann
tun.
Golfplätze
Die Open Championship wird zur
Zeit auf neun verschiedenen Kursen ausgetragen, fünf befinden sich in
Schottland und vier in England. Auf fünf weiteren Kursen wurde die Open in der
Vergangenheit ausgetragen, mittlerweile befinden sich diese aus
unterschiedlichen Gründen aber nicht mehr in der Rotation. Zu diesen fünf
Kursen zählt auch der Royal Portrush Golf Club in Nordirland. Auf ihm fand 1951
die einzige Open Championship außerhalb von England oder Schottland statt. Vor
wenigen Wochen wurden auf dem Platz die Irish Open ausgetragen.
Padraig Harrington
Harrington ist der einzige Ire,
der die Open bisher gewinnen konnte. In den Jahren 2007 und 2008 feierte er
einen Doppelsieg. Besonders bemerkenswert an seinem ersten Erfolg 2007 war und
ist, dass er damit eine acht Jahre andauernde Durststrecke europäischer Golfer
bei Major-Turnieren beendete. Der letzte Golfer vom alten Kontinent, der vor
Harrington ein Major gewonnen hatte, war der Schotte Paul Lawrie 1999,
ebenfalls bei der Open. In den acht Jahren zwischen Lawrie und Harrington waren
die Major-Titel in die USA, nach Kanada, Südafrika, Australien und auf die
Fidschi-Inseln gegangen.
John Ball
30 Jahre dauerte es, bis 1890
John Ball, seines Zeichens Engländer, als erster Nicht-Schotte die Open
Championship gewinnen konnte. Zuvor waren die Bravehearts 29mal in Folge
ungeschlagen geblieben.
Willie ParK
Senior
Okay, beim „K“ hab ich ein
bißchen schummeln müssen, aber einerseits wollte ich den ersten Sieger der Open
unbedingt noch unterbringen und zum anderen habe ich nichts anderes gefunden,
was man unter diesem schönen Buchstaben vorstellen kann.
Also, Willie Sr. gewann die
allerersten Open 1860 zwei Schläge vor Old Tom Morris (siehe „M“). 1863, 1866
und 1875 sicherte sich der Schotte drei weitere Open-Titel und gehört mit
insgesamt vier Siegen zu den Top Ten der ewigen Open-Rangliste. Sein Bruder
Mungo gewann übrigens die Open 1874, sein Sohn Willie Jr. die Ausgaben 1887 und
1889. Alles Fakten, die die Aufnahme von Willie Park Sr. in mein Open-Alphabet
doch mehr als rechtfertigen, oder?
Links
Links sind eine besondere Art von
Golfplätzen, die sich auf sogenanntem Linksland, der Dünenlandschaft, die das
Meer mit dem fruchtbaren Ackerland verbindet, befindet. Die Open Championship
werden traditionell auf einem Links-Platz (siehe „G“) ausgetragen.
Auf Links-Plätzen findet man so
gut wie keine Bäume, sondern meist nur kargen Bewuchs, maximal Sträucher. Nässe
kann Links-Plätzen nur wenig anhaben, die kargen Sandböden drainieren das
Wasser sehr gut, so dass auch bei schlechtem Wetter, wo sich auf normalen
Plätzen mit Lehmböden oft Matsch bildet, gut gespielt werden kann.
Charakteristisch für Links-Plätze ist ihre Naturbelassenheit,
Unregelmäßigkeiten und Wellen werden im Gelände meist belassen, das Zielgebiet
ist zwischen den Dünen oft schwer bis gar nicht einsehbar.
Wesentlich beeinflusst wird das
Spiel auf Links-Plätzen von starken und wechselnden Winden, die durch den
harten Sandboden schnellen Fairways, die Bälle schnell verspringen lassen und
gefährliche Sandbunker, die auf Linksplätzen als sog. Topfbunker oft sehr tief
sind.
Morris
Kein anderer Name spielt eine
größere Rolle in der Open Geschichte als Morris – es ist DER Name des Turniers.
Die Gründe liegen auf der Hand: Old Tom Morris designte den Prestwick Golf Club
(siehe „P“), er gewann viermal das Turnier und ist seit 1867, als er im Alter
von 46 Jahren und 99 Tagen die Open gewann, der älteste Sieger aller Zeiten.
Nur ein Jahr später, 1868, gewann sein Sohn Young Tom Morris im Alter von 17
Jahren und 181 Tagen als bis heute jüngster Champion aller Zeiten das Turnier.
Er ließ 1869, 1870 und 1872 drei weitere Titel folgen und ist bis heute der
einzige Golfer, der die Open viermal in Folge gewinnen konnte (1871 fanden
keine Open statt). Young Tom hätte seine Serie vermutlich noch fortgesetzt, wäre
er nicht am Heiligabend 1875 im Alter von nur 24 Jahren verstorben. Nur wenige
Wochen zuvor waren seine Frau und ihr neugeborenes Baby gestorben, ein Verlust
den Young Tom nicht verkraften konnte.
Name
Viele Golfturniere wechseln aus
finanziellen Gründen ihre Namen. Ein Titelsponsor zahlt einen satten Betrag und
verlangt als Gegenleistung, das Turnier nach ihm bzw. der entsprechenden Firma
zu benennen. Das hat teilweise kuriose Folgen. Beispiele gefällig? So finden
die „Zurich Classics“ mitnichten in der Schweizer Finanzmetropole statt sondern
in New Orleans, werden aber vom gleichnamigen Versicherungskonzern gesponsert.
Den Rekord für den längsten Namen auf der PGA-Tour hält die Justin
Timberlake Shriners Hospitals for Children Open, früher einfach
bekannt als Las Vegas Invitational.
Bei der Open Championship ist es
viel einfacher. Eigentlich. Denn in Amerika ist das Turnier unter den Namen
„British Open“ wesentlich bekannter. Selbst in den Einblendungen der
TV-Rechte-Inhaber wird das Turnier mit dem eigentlich falschen Namen
bezeichnet. Ausgerechnet die Amerikaner, bei denen manche Turniere also wie
oben festgestellt mehr als alberne Bezeichnungen haben, hängen der Open ihre
Herkunft an.
Als das Turnier im 19.
Jahrhundert gegründet wurde, war der geographische Zusatz nicht nötig, denn
außerhalb Großbritanniens waren Golfturniere dieser Größe weitgehend unbekannt,
so dass die Briten für sich in Anspruch nahmen, DIE Open Championship
auszutragen. Das „Open“ bezieht sich übrigens nicht auf die Öffnung des
Turniers für nicht britische Spieler, sondern darauf dass die Open offen für
Profis und Amateure sind.
Old Course
Auf dem Old Course im
schottischen St. Andrews fand 1873 zum ersten Mal eine Open Championship nicht
im Prestwick Golf Club (siehe „P“) statt. Das sogenannte „Home of Golf“, wo
vermutlich bereits im 15. Jahrhundert Golf gespielt wurde, ist mit mittlerweile
28 Austragungen der Rekordausrichter der Open, seit 1990 finden die Open alle
fünf Jahre auf dem wohl berühmtesten Platz der Welt an der schottischen
Nordseeküste statt, das nächste Mal also im Jahr 2015.
Prestwick Golf Club
Der Klub befindet sich südlich
von Glasgow und war der Austragungsort der ersten Open Championship im Jahre
1860. Insgesamt fand das Turnier dort 24-mal statt, zuletzt 1925. Heute ist der
Kurs nicht mehr in der Rotation der Austragungsorte. Für die heute üblichen
großen Zuschauermassen ist er auf Grund seines engen Layouts nicht mehr
geeignet, einige Löcher liegen sogar jenseits einer Bahnstrecke.
Qualifikation
Es gibt mehr als dreißig
verschiedene Kriterien, um sich für die Open zu qualifizieren. Ehemalige Open-Sieger,
alle Major-Sieger der letzten fünf Jahre, jeweils die Top 30 der letztjährigen
PGA- und European Tour, die Top 50 der Weltrangliste – aber auch amtierende
Senioren- und Amateurchampions, Gewinner der Geldranglisten kleinerer Touren sowie
nationale wie internationale Qualifikanten.
Knapp 160 Golfer sind alljährlich
für die Open qualifiziert, ein erlesenes Feld und viele der Topstars der
nordamerikanischen PGA-Tour kommen nur einmal im Jahr nach Europa: für die
Open. Ansonsten meiden sie den alten Kontinent, das Wetter in den Staaten ist
besser, das Preisgeld ist höher, Heimat und Familien sind näher. Wenn also
Europa nicht gerade Gastgeber für den Ryder Cup, ist die Open oft die einzige
Möglichkeit des Jahres, Tiger Woods & Co. mal „um die Ecke“ spielen zu
sehen.
Royal Lytham & St Annes Golf Club
Seit 1926 einer der Kurse auf dem
die Open Championship ausgetragen wird. In diesem Jahr zum elften Mal Gastgeber
des Turniers. Die letzten beiden Ausgaben 1996 und 2001 gewannen jeweils
Amerikaner. Der Kurs liegt im Nordwesten Englands südlich von Blackpool in der
Grafschaft Lancashire. Es ist ein sogenannter „True Links Course“, liegt allerdings
nicht direkt an der Küste der Irischen See, sondern ist durch einige Häuser,
Straßen und eine Bahnlinie von dieser getrennt. Dennoch spielt der von der See
wehende Wind eine Rolle auf dem Platz.
Für die Open 2012 ist der
Par-70-Platz mit 7.086 Yards (6.479 Meter) vermessen. Neben den elf Open
Championships fanden auch schon viermal die Women’s British Open in
Lytham&St Annes statt, zuletzt 2009.
Schottland
Bis 1920, also während der ersten
60 Jahre, stellte Schottland 39 mal den Sieger, in den folgenden 91 Jahren
kamen nur noch zwei weitere Titel dazu: 1985 sorgte Sandy Lyle für den
vielumjubelten ersten schottischen Open Sieg nach 65 Jahren, 1999 gewann Paul
Lawrie. Insgesamt gewannen 22 schottische Golfer 41 mal die Open. Seit Stewart
Cink’s Erfolg 2009 müssen sich die Schotten den Status als Rekordsieger sogar
mit den US-Amerikanern teilen.
Und noch etwas fällt auf: unter
den 19 Spielern, die die Open mindestens dreimal gewinnen konnten, befinden
sich sechs Schotten. Doch gleich fünf von ihnen haben ihre Turniersiege im 19.
Jahrhundert eingefahren, nur James Braid gewann seine fünf Titel zwischen 1901
und 1910, also im 20. Jahrhundert.
Etwas dürfen die Schotten aber
für sich beanspruchen: sie sind das Herz der Open Championship, die Erfinder und,
vorausgesetzt es bleibt bei der derzeitigen Rotation der Turniere, werden sie
wohl für immer die Rekordausrichter des Turniers bleiben.
Titelverteidiger
Es gab und gibt Niemanden in der
Welt des (Golf-)Sports der dem 43-Jährigen Darren Clarke seinen Triumph bei der
Open Championship 2011 nicht gegönnt hat. Clarke ist seit 20 Jahren im
Profizirkus unterwegs, feierte fast zwei Dutzend Turniersiege, darunter zwei
bei der World Golf Championship, belegte mehrere Top-10-Plätze bei den
Major-Turnieren und nahm 54mal Anlauf, um einen Major-Titel zu gewinnen. Bis es
dann im letzten Jahr klappte… Und alle freuten sich für den sympathischen
Nordiren, dessen Ehefrau Heather 2006 mit 39 Jahren an Brustkrebs gestorben
war. Die Szenen, als Clarke mit dem europäischen Team nur wenige Wochen später
in Dublin den Ryder Cup gewann (wobei er zum Sieg drei Punkte beisteuerte), und
er anschließend sowohl in den Armen seiner europäischen Teamkollegen wie auch
in denen seiner amerikanischen Rivalen lag, werden unvergessen bleiben.
Unverschlüsselt
Unverschlüsselt gibt es von der
Open Championship im deutschen Fernsehen leider gar nichts zu sehen. Sollten
Kaymer oder Siem das Turnier nicht gewinnen, wird es bei den großen Sendern
wohl nicht eine einzige Erwähnung finden. Für den Schlusstag gibt’s aber wie
immer den Spox-Live-Ticker, der ist absolut grandios und fast so gut wie die
über 40 Stunden Live-Übertragung bei sky. Neben dem Ticker bietet Spox auch
sonst eine sehr gute Berichterstattung über die Open, die schreiben zu meinem
Buchstaben „F“ sicherlich ne ganze Menge mehr… ;-) Und die Spox-Par-10 sind der
einzige Grund, sich zu wünschen, dass die Open schon vorbei sind. Zu empfehlen
ist auch das offizielle Portal des DGV oder der Linksgolfer, ein sehr netter Golf-Blog. Abschließend noch der Hinweis auf die offizielle Seite des Turniers, wo man auch das 164 Seiten starke offizielle Magazine online lesen oder als pdf downloaden kann.
Harry Vardon
Der Spieler von der Kanalinsel Jersey
ist mit seinen sechs Siegen (1896, 1898, 1899, 1903, 1911, 1914) der
Rekordsieger der Open. Vier Spieler gewannen das Turnier je fünfmal, zuletzt
gelang dem Amerikaner Tom Watson 1983 der Sprung in diesen exklusiven Klub
(siehe „W“).
Tom Watson
Tom Watson ist mit fünf Titeln
(1975, 1977, 1980, 1982 und 1983) der erfolgreichste US-Amerikaner der
Open-Geschichte. Im Jahre 2009 hätte Watson um ein Haar eines der größten
Kapitel der Golf-Geschichte geschrieben, als er im zarten Alter von 60 Jahren erst
im Stechen gegen seinen Landsmann Stewart Cink seinen sechsten Open-Titel
verpasste. Er hätte nicht nur zu Rekordsieger Harry Vardon aufgeschlossen, er
hätte auch den Altersrekord von Old Tom Morris (siehe „M“) um über 14 Jahre
gebrochen. Und Achtung, Watson, im letzten Jahr 22., schlägt auch 2012 wieder
ab. Der erfolgreichste, noch regelmäßig auf PGA und/oder European Tour aktive
Golfer, ist übrigens Tiger Woods mit drei Siegen (2000, 2005, 2006).
FedEX-Cup
Gut für mich, dass der
US-Paketriese seit 2007 Namensgeber der Jahreswertung der PGA Tour ist. Sonst
sind Buchstaben wie das „X“ in solchen ABC-Spielchen immer schwierige
Geschichten. Sollte der Sieger der Open ein Mitglied der PGA-Tour sein, würde
er für den Sieg 600 Punkte in der FedEx-Cup-Wertung einstreichen. Das sind 100
mehr als bei einem regulären PGA-Turnier und immerhin noch 50 mehr, als der
Sieger eines WGC-Turniers erhält. Wer also noch Punkte im FedEx-Cup benötigt,
sollte dieses Wochenende besonders gut spielen. Das gilt übrigens auch für die
Mitglieder der European Tour. Denn das Preisgeld (siehe „B“) gehört in Europa
zu den höchsten des Jahres, streicht man die rund 1,1 Millionen ein, ist ein
satter Sprung im Race to Dubai möglich.
BabY
Webb Simpson wird demnächst Papa.
Schön für ihn, schlecht für die Open Championship. Denn der Amerikaner, laut
Weltrangliste der momentan fünftbeste Golfer dieses Planeten, der sich erst im
Juni bei den US Open seinen ersten Major-Titel gesichert hatte, möchte seine
hochschwangere Frau nicht alleine lassen und hat deshalb auf die Reise über den
großen Teich verzichtet. Aus ähnlichen Gründen hat auch der Australier Jason
Day, Nr. 21 der Weltrangliste abgesagt. Sein Baby ist allerdings schon auf der
Welt.
Zimbabwe
Im Gegensatz zu Deutschland hat
es auch das Reich des Diktators Robert Mugabe schon in die Siegerliste der Open
Championship geschafft. Nick Price, der ins seiner Karriere insgesamt drei
Major-Titel gewonnen hat, triumphierte 1994 in Turnberry bei der Open. Price,
der in Südafrika als Sohn britischer Eltern geboren wurde, wuchs zu
Kolonialzeiten in Rhodesien, wie Zimbabwe vor der Unabhänigkeit von
Großbritannien hieß, auf und wurde nach seinem Schulabschluss in Zimbabwe nur
noch selten gesehen.
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Golf
12.07.2012
Der heiße Juli auf der European Tour
Heute in einer Woche blickt die gesamte Golfwelt nach Europa… selbst in
Amerika ruht dann der Zirkus, untrügliches Zeichen dafür, dass „The Open
Championship“ ausgespielt werden. Das älteste Golfturnier der Welt, der
erste Sieger wurde bereits im Jahre 1860 – also vor 152 (!) Jahren -
ermittelt, ist das einzige Major-Turnier welches außerhalb der USA
ausgetragen wird. Die Open, die eigentlich nur in Nordamerika
(fälschlicherweise) als „British Open“ bezeichnet werden, werden im
jährlichen Wechsel auf verschiedenen Links-Plätzen in England und
Schottland ausgetragen. Derzeit befinden sich neun Plätze in der
Rotation, 2011 und 2012 finden zum ersten Mal in der langen Geschichte
des Turniers zwei Open hintereinander in England statt, in diesem Jahr
im Royal Lytham & St. Annes Golf Club südlich von Blackpool in der
Grafschaft Lancashire. Titelverteidiger ist der Nordire Darren Clarke.
Ich hoffe, in der kommenden Woche noch etwas ausführlicher auf ein paar
Geschichten und Anekdoten zur Open Championship eingehen zu können.
Die Open sind der Höhepunkt der European Tour, die Wochen vor der Open im Juli sind mit der Open de France und den Scottish Open, zwei der besten regulären Turniere in Europa die heißesten Wochen im Golfkalender auf dem alten Kontinent. Und auch ein Deutscher mischt in diesem Jahr kräftig mit. Doch es ist nicht Martin Kaymer, der zwar einige passable Top-20-Ergebnisse bei den großen Turnieren des Jahres abgeliefert hat, aber eigentlich schon seit Saisonbeginn seiner Form hinterhergolft. Erschwerend kommt hinzu, dass Kaymers Formkurve seit den US Open im Juni noch weiter nach unten zeigt. Beim (alles andere als überragend besetzten) Heimturnier in Köln verpasste Kaymer den Cut, in Frankreich wurde er 70. und damit Letzter der für das Wochenende qualifizierten Spieler. Weil Kaymer, der in der Weltrangliste folgerichtig auf Platz 14 durchgereicht wurde, langsam aber stetig auch in der europäischen Ryder-Cup-Rangliste abrutscht (z. Zt. ist er aber noch sicher qualifiziert), hat er sogar kurzfristig für die Scottish Open gemeldet.
Im Mittelpunkt des deutschen Interesses dürfte im hohen Norden Schottlands aber Marcel Siem stehen. Siem ist der oben angesprochene, dieses Jahr kräftig auf der European Tour mitmischende Deutsche. Höhepunkt seiner starken ersten Jahreshälfte war sein Erfolg letztes Wochenende bei der Open de France. Siem, der wie Kaymer aus dem Rheinland stammt, musste über acht Jahre auf seinen zweiten European-Tour-Titel warten. Durch den Erfolg in Paris, wo 2018 der Ryder Cup ausgetragen wird, qualifizierte er sich nicht nur für die Open Championship, vielmehr schoss er in der Weltrangliste von 120 auf 58. Ein sehr bedeutender Schritt, denn nun ist Siem automatisch für alle Turniere der World Golf Championship sowie für die PGA Championship, das vierte Major-Turnier des Jahres im August, qualifiziert. Bei diesen hochdotierten Turnieren kann er weitere Punkte sammeln und in der Weltrangliste weiter klettern. Der Sprung unter die Top 50 würde schon reichen, um automatisch für alle vier Majors qualifiziert zu sein, also auch für das Masters in Augusta.
Einen ähnlich bedeutenden Status auf der European Tour wie die von Siem gewonnene Open de France haben auch die Scottish Open, welche heute Morgen begonnen haben. Neben vielen europäischen Top-Golfern haben auch einige Stars gemeldet, die sonst ausschließlich in Nordamerika spielen. An der Spitze der „Gäste“ steht sicherlich Phil Mickelson der außer zur Open Championship Europa sonst scheut wie der Teufel das Weihwasser. Weil sich aber auch Phil, ähnlich wie Kaymer in einer kleinen Formkrise befindet, will er vor der Open versuchen, sich durch ein starkes Ergebnis Selbstvertrauen zu holen. Zudem kann er sich in Schottland auch an die europäischen Besonderheiten gewöhnen. Insbesondere der hiesige Sommer ist für die von der Sonne verwöhnten amerikanischen Topstars alljährlich eine heftige Umstellung. Es ist einfach ein Unterschied bei 30 Grad und Sonne in den Staaten zu golfen oder auf der Insel bei Wind, Regen und 15 Grad am Abschlag zu stehen. Viele andere US-Stars verzichten trotzdem auf ein Vorbereitungsturnier in Europa, Tiger Woods & Co. bereiten sich traditionell in Irland trainierend auf europäisches Links-Golf vor.
Eine Woche vor der Open Championship lohnt also ein Blick nach Castle Stuart bei Inverness nicht nur wegen der traumhaften Landschaft zwischen Highlands, Schlössern und Moray Firth, einem Meeresarm der Nordsee. Neben Kaymer, Siem und Mickelson spielen neben vielen weiteren europäischen Elite-Golfern auch der Weltranglistenerste Luke Donald oder der Masters-Zweite Louis Oosthuizen in der traumhaften Landschaft zwischen den Highlands und der Nordseeküste.
Die Open sind der Höhepunkt der European Tour, die Wochen vor der Open im Juli sind mit der Open de France und den Scottish Open, zwei der besten regulären Turniere in Europa die heißesten Wochen im Golfkalender auf dem alten Kontinent. Und auch ein Deutscher mischt in diesem Jahr kräftig mit. Doch es ist nicht Martin Kaymer, der zwar einige passable Top-20-Ergebnisse bei den großen Turnieren des Jahres abgeliefert hat, aber eigentlich schon seit Saisonbeginn seiner Form hinterhergolft. Erschwerend kommt hinzu, dass Kaymers Formkurve seit den US Open im Juni noch weiter nach unten zeigt. Beim (alles andere als überragend besetzten) Heimturnier in Köln verpasste Kaymer den Cut, in Frankreich wurde er 70. und damit Letzter der für das Wochenende qualifizierten Spieler. Weil Kaymer, der in der Weltrangliste folgerichtig auf Platz 14 durchgereicht wurde, langsam aber stetig auch in der europäischen Ryder-Cup-Rangliste abrutscht (z. Zt. ist er aber noch sicher qualifiziert), hat er sogar kurzfristig für die Scottish Open gemeldet.
Im Mittelpunkt des deutschen Interesses dürfte im hohen Norden Schottlands aber Marcel Siem stehen. Siem ist der oben angesprochene, dieses Jahr kräftig auf der European Tour mitmischende Deutsche. Höhepunkt seiner starken ersten Jahreshälfte war sein Erfolg letztes Wochenende bei der Open de France. Siem, der wie Kaymer aus dem Rheinland stammt, musste über acht Jahre auf seinen zweiten European-Tour-Titel warten. Durch den Erfolg in Paris, wo 2018 der Ryder Cup ausgetragen wird, qualifizierte er sich nicht nur für die Open Championship, vielmehr schoss er in der Weltrangliste von 120 auf 58. Ein sehr bedeutender Schritt, denn nun ist Siem automatisch für alle Turniere der World Golf Championship sowie für die PGA Championship, das vierte Major-Turnier des Jahres im August, qualifiziert. Bei diesen hochdotierten Turnieren kann er weitere Punkte sammeln und in der Weltrangliste weiter klettern. Der Sprung unter die Top 50 würde schon reichen, um automatisch für alle vier Majors qualifiziert zu sein, also auch für das Masters in Augusta.
Einen ähnlich bedeutenden Status auf der European Tour wie die von Siem gewonnene Open de France haben auch die Scottish Open, welche heute Morgen begonnen haben. Neben vielen europäischen Top-Golfern haben auch einige Stars gemeldet, die sonst ausschließlich in Nordamerika spielen. An der Spitze der „Gäste“ steht sicherlich Phil Mickelson der außer zur Open Championship Europa sonst scheut wie der Teufel das Weihwasser. Weil sich aber auch Phil, ähnlich wie Kaymer in einer kleinen Formkrise befindet, will er vor der Open versuchen, sich durch ein starkes Ergebnis Selbstvertrauen zu holen. Zudem kann er sich in Schottland auch an die europäischen Besonderheiten gewöhnen. Insbesondere der hiesige Sommer ist für die von der Sonne verwöhnten amerikanischen Topstars alljährlich eine heftige Umstellung. Es ist einfach ein Unterschied bei 30 Grad und Sonne in den Staaten zu golfen oder auf der Insel bei Wind, Regen und 15 Grad am Abschlag zu stehen. Viele andere US-Stars verzichten trotzdem auf ein Vorbereitungsturnier in Europa, Tiger Woods & Co. bereiten sich traditionell in Irland trainierend auf europäisches Links-Golf vor.
Eine Woche vor der Open Championship lohnt also ein Blick nach Castle Stuart bei Inverness nicht nur wegen der traumhaften Landschaft zwischen Highlands, Schlössern und Moray Firth, einem Meeresarm der Nordsee. Neben Kaymer, Siem und Mickelson spielen neben vielen weiteren europäischen Elite-Golfern auch der Weltranglistenerste Luke Donald oder der Masters-Zweite Louis Oosthuizen in der traumhaften Landschaft zwischen den Highlands und der Nordseeküste.
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Golf
18.06.2012
EM-Tagebuch 2012 - 6
Montag Nachmittag ist’s geworden,
mein letztes „Auswärtsspiel“ am Fuß des Hainich liegt hinter mir. Grad hab ich nochmal
den ob des wochenlangen Regenwetters megalangen Rasen auf Wimbledon-Länge gestutzt,
morgen schau ich ein letztes Mal ins Büro bevor es dann endlich nach Portugal
geht. Und, was ich vorher nicht zu träumen gewagt hätte, sowohl unsere
Mannschaft wie auch die Portugiesen sind noch im Wettbewerb, wenn wir uns
morgen auf unseren, mautfreien, Weg an den Douro machen. Damit startet unser
EM-Camp im Süden gleich mit einem Doppel-Knaller, wenn am Donnerstag Portugal
und am Freitag die DFB-Elf spielen. Die Griechen wetzen schon die Messer, die
sind schärfer als Gyros, es den fußballspielenden Vertretern aus dem Land, dass
den ausgabefreudigen Hellenen die Daumenschrauben angezogen hat, mal so richtig
zu besorgen.
Die besondere Situation in der
Gruppe B, in der die Holländer den Punktelieferanten spielten, spitzte sich
gestern abend für etwa zehn Minuten zu, als CR7 die Portugiesen im
Parallelspiel 2:1 in Führung gebracht hatte und es bei uns „nur“ 1:1 stand. Ein
Tor der Dänen und wir wären weg gewesen. Doch dann kam Bender! Der für den
gesperrten Jerome Boateng rechts verteidigende Leverkusener erlöste die
deutsche Mannschaft und die Public-Viewing-Gesellschaft bei Markus in Treffurt.
In dessen Wohnzimmer, dass besser gefüllt war, als manches EM-Stadion, fielen
einige Steine von den Herzen, als Bender eine zwar hochüberlegene aber zu
verspielte, nicht konsequent den Abschluss suchende deutsche Mannschaft endgültig
ins Viertelfinale schoss. So war es, trotz eines Wahlergebnisses in der
Nachbarschaft, ein rundrum schöner Abend im Werratal und im Gegensatz zur
Hummel in Stadtilm, wo „wir“ ja zweimal gegen Spanien verloren haben, können
wir auch in Zukunft zu Markus und seiner Familie fahren, wenn es darum geht
wichtige Spiele zu gewinnen.
Der Abend in Treffurt war der
Endpunkt eines Wochenendes „on Tour“. Am Freitag hatte das biblische Gewitter
in Donezk Sören nach Kranichfeld „gespült“, am Samstag hatten wir in Stadtilm
die überraschende Entwicklung in Gruppe A verfolgt, als Favorit Russland und
Gastgeber Polen in den Urlaub geschickt worden waren. Die Gastgeberrolle
erweist sich bei Europameisterschaften selten als Glücksfall. Schon vor vier
Jahren waren Schweizer und Österreicher in der Vorrunde gescheitert, 2004
verlor Portugal sensationell das Finale gegen Griechenland, 2000 folgen die
Belgier in er Vorrunde raus die Holländer verballerten im Halbfinale fünf
Elfmeter gegen Italien, zwei im Spiel und drei im Elfmeterschießen. Der DFB
sollte sich gut überlegen, ob er sich für die Euro 2020 bewirbt, falls die
Türken im Falle einer erfolgreichen Bewerbung Istanbuls für Olympia 2020 ihre
Kandidatur zurückziehen.
Parallel zur EM gewann Webb
Simpson gestern bei den US Open seinen ersten Major Titel. Der Platz in San
Francisco war superschwer, Simpson gewann mit einem Schlag über Par, Martin
Kaymer spielte sich auf einen ordentlichen 14. Platz, zwei schwächere Phasen
Mitte der ersten Runde und gestern zu Beginn, als er drei Bogies in Folge auf
der Scorekarte notieren musste, verhinderten ein noch besseres Ergebnis. Nach
dem wir gestern aus Treffurt zurück waren habe ich mal für zehn Minuten auf dem
Olympic Course vorbeigeschaut, mich angesichts unserer anstehenden Autotour aber
doch schweren Herzens für das Bett entschieden.
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Euro 2012
14.06.2012
EM-Tagebuch 2012 – 5
Ein grandioses Sportwochenende zwischen Donezk und San
Francisco, Treffurt und Kranichfeld
Es ist Donnerstag geworden. Noch drei Tage arbeiten, dann
geht’s auf in die K.O.-Runde. Auf nach Portugal. Im Gegensatz zu deutschen
Mannschaft sind die Zipfelmützen für die heißeste Phase der Euro schon
qualifiziert. Aber nach dem 2:1 gegen Oranje gestern Abend sollte die
Qualifikation doch nun wirklich gelingen. Ein mickriges Pünktchen gegen
Dänemark reicht für den Gruppensieg, selbst bei einer Niederlage können wir
unter gewissen Umständen ins Viertelfinale kommen. Wenn die Portugiesen nicht
Holland schlagen, brauchen wir nicht einmal antreten, dann ist alles fix. Ich
hoffe natürlich, dass Oliver Kahn mit seiner Prognose von gestern Abend recht
behält. Der Ex-Torwart-Titan, der von der furchtbar schlechten und
inkompetenten Katrin Müller-Hohenstein tagtäglich am ZDF-Strand gequält wird (dazu HIER etwas aus der Welt, die TZ hatte es die Tage noch etwas schärfer forumliert), sieht
Portugal neben uns ins Viertelfinale einziehen. Mensch Olli, wäre das eine
feine Sache. Und nochwas… mach doch auf der Strandpromenade nen Spaziergang nach
Swinemünde und lass Dich von nem polnischen Taxi günstig ins ARD-Quartier nach
Danzig fahren. Dort mit Opdenhövel, Beckmann und Scholl ein sicherlich
grandioses TV-Quartett bilden und dieser ZDF-Stumpfsinn für Fußballanalphabeten
hätte endlich ein Ende.
Heute Abend müssen die beiden Favoriten in Gruppe C die
Karten auf den Tisch legen. Italien spielt gegen Tabellenführer Kroatien, meine
Iren sind anschließend gegen Spanien klarer Außenseiter. Die beiden Großen
haben im direkten Duell gezeigt, dass sie in der Lage sind auf höchstem Niveau
zu spielen. Weder war bei Spanien eine Sattheit ob der ganzen gewonnen Titel
der letzten Jahre zu sehen noch bei den Italienern eine Verunsicherung wegen
der Wettgeschichten zu erkennen. Den Trubel um Cassano wegen dessen
schwulenfeindlicher Äußerungen muss man angesichts der Stressresistenz der
Italiener fast als gutes Omen für sie auslegen. Fraglich ist nur, ob Cassano
überhaupt spielt, denn das Tor gegen Spanien erzielte der eingewechselte
Antonio di Natale. Und auch Andrej Shevchenko hat ja schon eindrucksvoll
gezeigt, wozu alte Männer fähig sind… Ich erwarte heute abend zwei
Favoritensiege. Wenn schon die Kroatien den Iren drei Tore einschenken können,
sind die Spanier dazu allemal in der Lage. Vielleicht sollte del Bosque heute
aber mal einen Stürmer aufstellen, sonst spielen sich die Spanier wieder um den
Verstand ohne zum Abschluss zu kommen. Und die Italiener sehe ich gegen
Kroatien auch im Vorteil, die Abwehr der Rotkarierten wurde im ersten Spiel
kaum gefordert und schon dort waren Oberstolperer Schildenfeld & Co. auf
die irische Unfähigkeit angewiesen.
Leider etwas im Schatten der Europameisterschaft stehen die
US Open, das zweite Golf-Major des Jahres. spox.com liefert eine kleine Vorschau zum zweitältesten Major, dass dieses Jahr unweit der Golden Gate
Bridge in San Francisco ausgetragen wird. Neben Martin Kaymer, der über
verschiedene Kriterien problemlos qualifiziert war, konnte sich mit Alex Cejka
ein weiterer Deutscher durch die Qualifikation ins Starterfeld spielen. Marcel
Siem scheiterte leider knapp in selbiger. Nach dem EM-Spielen werde ich heute
und am Sonntag via Sky einen Blick in die Bay Area werfen, die Schlussrunde am
Sonntag dauert auf Grund der extremen Zeitverschiebung zur US-Westküste bis
Montag früh vier Uhr, so lange sollte das Zipfelmützen-EM-Studio bei Markus
nicht on Tour sein. ;-)
Und weil unser anonymer Leser Andreas M. ja immer das grüne Jackett gewinnen möchte: hier ein Link in die FAZ, wo beschrieben wird, warum die US Open das demokratischste Golfturnier der Welt sind und warum unsere Teilnahme dort theoretisch (!) möglich ist.
Und weil unser anonymer Leser Andreas M. ja immer das grüne Jackett gewinnen möchte: hier ein Link in die FAZ, wo beschrieben wird, warum die US Open das demokratischste Golfturnier der Welt sind und warum unsere Teilnahme dort theoretisch (!) möglich ist.
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Euro 2012
11.06.2012
EM-Tagebuch 2012 - 4
Europameisterschaft macht richtig Spaß. Im
Zipfelmützen-EM-Studio gaben sich die Gäste die Klinke in die Hand, das Wetter
spielte am Auftakt-Wochenende mit, die 40-Euro-Sat-Schüssel leistete
hochwertigste Arbeit, Holland hat schön gespielt und verloren und Deutschland
startete glanzlos, aber (und nur darauf kommt es ja an) erfolgreich ins
Turnier. Erst die Iren bereiteten mir im letzten Spiel des Wochenends mit ihrer
Niederlage gegen Kroatien etwas Kummer, allerdings hatte da der Schiri aus
Holland ne dicke Aktie dran.
Dennoch bleibe ich dabei, es ist ungewohnt, nicht zwischen
Casa da Eira und Pool zu pendeln und während der Vorrunde eines großen Turniers
das ein oder andere Super Böckchen zu schlürfen. Aber dafür gibt’s ja dann die
Endrunde am Douro. Und wenn wir uns nicht ganz blöd anstellen, sollten die
DFB-Kicker ja dann auch noch im Rennen sein. Der Grundstein ist gelegt, gegen
die orangen EM-Touristen aus dem Chancenverwertungs-Entwicklungsland Holland
sollte ja mal mindestens nen Punkt drin sein. Da kann sich Mario Gomez auch mal
ne Stunde wund liegen (für mich schon jetzt der Spruch der EM – Mehmet Scholl:
GEFÄLLT MIR!) oder wir testen mal unsere B-Elf… Okay, genug große Fresse
gehabt, nicht nur Jogi Löw, sondern auch unser Tippspiel-Europameister von
2004, Markus, sah die holländische Niederlage gegen Dänemark für unseren Kick
gegen die Wohnwagenrowdies kritisch. Ob van Persie und Huntelaar erneut so
kläglich vor dem Tor versagen, ist kaum vorstellbar. Bleibt als deutscher Trumpf
neben der niederländischen Wackel-Abwehr noch Ego-Robben. Wenn der gute Arjen weiterhin
aus allen (un)möglichen Lagen aufs gegnerische Tor bzw. den dahinter gelegenen
Parkplatz rohrt, wird ihm Bondscoach van Maarwijk möglicherweise nicht nur das
Elfmeterschießen verbieten, sondern seinem Rechtsaußen Torschüsse generell untersagen.
Gleich steht erstmal der alte Klassiker England vs. Frankreich
auf dem Programm. Sehr geil fand ich den Spruch von Platini, dass Frankreich
bereits eine erfolgreiche EM gespielt hätte, wenn sie aus dem Bus aussteigen
würden. Grandios! Bei Gegner England stellt sich die Frage, ob die vor lauter
verletzten, gesperrten oder ausgebooteten Spielern überhaupt noch ein paar
Kicker finden, die ausm Bus raus kommen.
Einen schönen Fußballabend wünsche ich und nochmals vielen
Dank an Claudia, Christian, Ilona, Rüdiger, Lore, Jürgen, Dieter, Gaby, Chrischi,
Cassandra, Christopher, Marco, Anika, Janett und Andreas für Euren Besuch im
Zipfelmützen-EM-Studio, welches für die kommenden Tage an den Rennsteig
umgezogen ist, bevor es am kommenden Sonntag zum Deutschland-Dänemark-Spiel „on
Tour“ nach Treffurt geht. Und anschließend schlagen wir unsere Zelte bis zum
EM-Titel am Douro auf. Hoffentlich drehen die Portugiesen noch ein wenig auf
und folgen uns ins Viertelfinale… ;-)
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Euro 2012
09.06.2012
EM-Tagebuch 2012 - 3
Seit gestern läuft die Euro, seit gestern ist das Zipfelmützen-EM-Studio auf Sendung. Die 40-Euro-Camping-Sat-Anlage leistet volle Arbeit, die ersten Spiele waren launig, das Wetter ist perfekt, es läuft fast zu gut. Hoffentlich endet die Serie nicht heute abend in Lemberg... Mein Herz schlägt ja immer für Portugal, aber Freunde, heute abend ruht die Freundschaft mal für 90 Minuten. ;-) Aber auch wenn alles perfekt ist, ist es dennoch komisch, ein großes Turnier mal nicht am Douro zu verfolgen, sondern hier am Erfurter Kreuz. Die Wasserball-Meisterschaften fehlen ziemlich. Aber das holen wir in zehn Tagen nach... ;-)
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Euro 2012
02.06.2012
EM-Tagebuch 2012 - 2
Letzte Woche habe ich mit einer Tradition gebrochen. Mit
einer Tradition, die mich 2010 immerhin zum Tippspiel-Weltmeistertitel geführt
hat. Ich habe nämlich immer bis zum letzten Tag gewartet, bevor ich mich im
Tippspiel endgültig entschieden hatte, wen ich wohin platziere, welches Spiel
ich wie tippe. Diesmal war alles anders, als erster hatte ich den Tippschein
ausgefüllt. Doch damit könnte ich schön auf die Schnauze fallen, denn einen Tag
nachdem ich die Italiener auf den EM-Thron getippt hatte, wurde Domenico
Criscito suspendiert, Stefano Mauri verhaftet und und und. Gestern gabs ne
saftige 0:3-Klatsche gegen Italien, Startorwart Buffon soll nun auch noch
verhört werden und Nationaltrainer Cesare Prandelli sprach in einer PK sogar davon,
dass er kein Problem hätte, wenn Italien bei der EURO nicht antritt, wenn dies
dem italienischen Fußball dienen sollte. „Mein Europameister“ in alle
Einzelteile zerlegt, die Mannschaft, die ich sogar vor Spanien als
Gruppensieger sehe (weswegen die Spanier dann schon im Viertelfinale an
Frankreich scheitern), saft-, kraft- und ideenlos eine Woche vor dem Turnier. Schönen
Gruß!
Aber wie so vieles im Leben hat alles auch sein Gutes. Von
den Auflösungserscheinungen bei der Squadra Azzura könnte ausgerechnet ein
Italiener profitieren. Giovanni Trapattoni! Der Nationaltrainer Irlands und
seine bzw. meine Boys in Green, nüchtern betrachtet, unter normalen Umständen
gegen Italien fast chancenlos, schielen dank der Wettmafia aufs Viertelfinale. Grandios!
:-) Wie geht die Gruppe C nun also aus? Welt- und Europameister Spanien scheint
schon wieder in absoluter Top-Form. Ohne alle Barca- und Bilbao-Stars wurde
Südkorea 4:1 weggefidelt, die Asiaten hatten nicht den Hauch einer Chance. Auch
ohne den verletzten David Villa scheint die spanische Offensive um
Bilbao-Bomber Llorente und den wiedererstarkten Fernando Torres unheimlich
stark, das Kombinationsspiel lief gegen die Asiaten gewohnt flüssig, die Abwehr
wurde kaum gefordert. Deswegen kann man nur schwer sagen, wie sich das Fehlen
von Abwehrchef Carlos Puyol auswirken wird. Eine Waffe fehlt den Spaniern damit
immerhin: ein Puyol-Kopfball nach einer Standardsituation kann die ansonsten in
der Luft schwachen Spanier nicht wieder retten, wie 2010 im WM-Halbfinale gegen
Deutschland. Einige Experten (mit DFB-Brille) wollten zudem eine gewisse
Sattheit bei Spaniens Stars ausgemacht haben, ich frage mich aber, je näher das
Turnier rückt, warum sollten die Jungs satt sein? Sie haben die Chance
Geschichte zu schreiben, drei große Turniere hat noch keine Mannschaft in Folge
gewonnen, den EM-Titel hat noch nie jemand verteidigt.
Zu den Italienern habe ich ja schon einiges geschrieben.
Unter Prandelli gelang nach der desaströsen WM sehr schnell die Kehrtwende, die
Qualifikation wurde souverän gemeistert, in Testspielen wie gegen Deutschland
(1:1 in Dortmund) und Spanien (2:1-Sieg) präsentierte sich das Team „auf Kurs“,
die Turniermannschaft Italien wirkte defensiv stabil und offensiv zielstrebig.
Es sah nicht gut aus für die Konkurrenz. Bis der Wettskandal kam… und mich
unsicher macht, ob ich meine Prognose Gruppensieg und EM-Titel in den nächsten
Tagen nicht doch noch mal über den Haufen schmeisse. Dagegen sprechen die
Erfahrungen aus 2006. Damals erschütterte der Manipulationsskandal Italien, der
Calcio lag am Boden, Juve wurde in die zweite Liga verbannt… und Italien wurde
Weltmeister.
Je länger der aktuelle Skandal dauert, umso mehr profitieren
davon vielleicht meine Iren. Für die Boys in Green sind Spiele gegen Armenien
oder Kasachstan in der Qualifikation immer der größere Horror als die Aussicht
auf so eine Top-Gruppe wie jetzt bei der EURO. Denn gegen Mannschaft die sich
hinten reinstellen, haben es die kampfstarken, leidenschaftlichen Iren immer
schwer, sie finden kein spielerisches Rezept einen Beton anrührenden Gegner auszuspielen.
Gegen die Großen sieht das ganz anders aus. Und grad gegen die beiden
Gruppengegner gelang den Iren „zuletzt“ bei großen Turnieren bemerkenswertes. Im
Achtelfinale der WM 2002 zwangen sie die Spanier ins Elfmeterschießen, gegen
Italien blieben sie bei der WM 1994 (1:0-Sieg) und bei der EURO 88 (1:1) sogar
ungeschlagen. Okay, ist lange her, aber so oft sind die Iren ja nicht
qualifiziert. ;-) Und man klammert sich als Irland-Fan schließlich an jeden
Strohhalm. Schlüsselspiel für die Jungs von der Insel könnte gleich das
Auftaktmatch gegen Kroatien werden, wenn man eine Chance haben will, die Gruppe
zu überstehen, muss die Truppe von Slaven Bilic bezwungen werden. Irgendwie ein Tor reinkämpfen. Robbie Keane! Und hinten hält Shay Given, der sicherlich ein klarer Pluspunkt für die Iren in diesem Turnier ist, den Kasten sauber. Come
on, you Boys in Green!
Apropos Kroatien: die haben es nicht mal geschafft, ihr
schwache Qualifikationsgruppe zu gewinnen, sie verlieren Testspiele in Serie,
Nationalcoach Bilic dankt nach der EURO ab. Das Losglück bescherte ihnen für
die Relegation die noch schlechteren Türken, die mit einem Galaabend in
Istanbul bezwungen wurden. Kroatien macht vor dem Turnier nicht den Eindruck,
dass es viel reißen könnte. Für mich stehen die noch hinter den Iren.
Mein Tipp für die Gruppe C:
Spanien wird Gruppensieger vor… Italien oder Irland… und
Kroatien wird Letzter. Ich weiß es einfach nicht, mein Herz sieht natürlich die
Iren auf Platz zwei, aber da ist ja noch der Verstand. Den haben die Russen
aber gestern mit ihrem 3:0 über die Prandelli-Truppe ganz schön bearbeitet. Und
mit einem Tipp auf Irland könnte ich im Fall der Fälle natürlich fett punkten
im Tippspiel. Nein, ich entscheide mich für Italien. Also: SPANIEN – ITALIEN –
IRLAND – KROATIEN.
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Euro 2012
27.05.2012
EM-Tagebuch 2012 - 1
1956 kam meine Mutter auf die Welt. In Westdeutschland wird
die Wehrpflicht, in Belgien die Führerscheinpflicht eingeführt. In Kuba beginnt
mit dessen Landung an der Küste das Kapitel Fidel Castro, in Deutschland wird
Adolf Hitler von Amts wegen für tot erklärt. Und die Schweiz gewann ein
Fußballspiel gegen Deutschland. Es sollte das letzte bleiben bis zu jenem lauen
Frühlings-Nachmittag in Basel. Gestern. Am 26.05.2012. 56 Jahre nach 1956. Schweiz
5. Deutschland 3. Seit gestern ist nichts mehr so, wie es mal war. Der
Boulevard beschwört den Weltuntergang schon sechs Monate früher als der
Kalender der Maya, die letzte Woche noch als Vize-Deppen verschmähten (und
gestern fehlenden) Bayern-Kicker werden plötzlich als Heilsbringer gefeiert, während
den so lange gefeierten BVB-Doublehelden die Pest an den Hals gewünscht wird.
Wie verrückt die Fußball-Welt doch spielt, weil etwas passiert ist, was immer
passiert. Deutschland rumpelt sich durch ein zur Generalprobe ausgerufenes
Testspiel kurz vor einem großen Turnier und plötzlich fragen sich Millionen
Couch-Bundestrainer wie sich diese Gurkentruppe für eben jenes Turnier gegen
solche Fußball-Weltmächte wie Österreich und Kasachstan überhaupt qualifizieren
konnte. Vorm Sommermärchen verprügelten uns die Italiener 4:1 in Florenz, 2008
gab es ein heroisches 2:2 gegen Weißrussland, irgendwann vor der WM in
Südafrika verloren wir gegen Norwegen mit 0:1. Der Trainer der Skandinavier
sagte hinterher, er würde die Spieler, mit denen er heute Deutschland
geschlagen hat, nicht mal in Oslos Fußgängerzone erkennen. Was ich mit diesem
gar nicht so tiefen Griff in die fußballgeschichtliche Mottenkiste sagen will:
es ist alles so wie immer. Am 9. Juni zählts. Nicht Ende Mai. Heute berauschen
sich die Eidgenossen an ihren fünf Toren, in zwei Wochen gucken sie dann die EM
am Fernsehschirm. Schon unter Kaiser Franz oder Terrier Berti gabs grauenvolle
Testspiele, mich beunruhigte viel mehr so eine 3:0-Gala letzten Herbst gegen
Holland. Seit wann gewinnen wir unwichtige Testspiele? Noch dazu glanzvoll? Sind
wir jetzt wirklich wie die Holländer? Immer schön spielen. Aber nie was
gewinnen. Pokale, wichtige Spiele. Apropos Holländer: die ham gestern gegen
Bulgarien verloren, den 96. der Weltrangliste. Das Siegtor erzielte der
Torjäger vom FSV Frankfurt. Auch noch nicht in Form die Wohnwagenfahrer. Oder
machen die’s jetzt so wie wir? Unwichtige Spiele usw. Dann könnte es heiter
werden am 13.06. Aber lassen wir uns überraschen. Und bis dahin: locker bleiben! Und
das 3:5 abhaken. Ist doch wurscht. Der Pokal wird in vier Wochen vergeben.
Nicht gestern in Basel.
PS: Das war mein erster Beitrag fürs EM-Tagebuch 2012. Ich freue mich auf vier spannende Fußball-Wochen zwischen Rennsteig, Geratal und Douro und möchte diese mit ein paar Bemerkungen begleiten.
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