11.06.2014

US Open 2014 - Golfprofi? Caddie müsste man sein!

Im Schatten der beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft steigt an diesem Wochenende auch das zweite Golf-Major-Turnier des Jahres, die U.S. Open.

Das zweitälteste Major (erstmals ausgetragen 1895) erlebt seine 114. Auflage und findet zum dritten Mal nach 1999 und 2005 auf dem berühmten No. 2 Course im Pinehurst Resort in North Carolina statt. Den beiden bisherigen U.S. Open-Champions, die in Pinehurst gekürt wurden, brachte der Sieg kein Glück. Payne Stewart, dessen Markenzeicher die Knickerbocker waren, starb wenige Monate nach seinem Triumph 1999 bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz und der neuseeländische Mãori Michael Campbell, Sieger 2005, ist mittlerweile fast völlig von der Bildfläche verschwunden. Er hat seit 2008 keinen Cut mehr bei einem Major geschafft, ist mittlerweile in der Weltrangliste um Rang 600 platziert.

Wesentlich erfreulicher ist der Blick mit der deutschen Brille. Denn neben Martin Kaymer, der automatisch qualifiziert war, sicherten sich auch Marcel Siem, Max Kieffer und Alex Cejka bei Qualifikationsturnieren in Europa bzw. den Staaten einen Startplatz in Pinehurst. Damit werden zum ersten Mal in der Geschichte des Turniers vier Deutsche bei der U.S. Open abschlagen. Und wenn man sich die Formkurve anschaut, haben alle realistische Chancen auf den Cut. Deutschland stellt übrigens nach den Engländern gemeinsam mit Spanien und Schweden das numerisch zweitstärkste europäische Team.

Neben den traditionell vielen Qualifikanten sowie den auf Grund vergangener Erfolge automatisch qualifizierten Spielern sind bei der U.S. Open die Top 60 der Weltrangliste startberechtigt. Von diesen Top 60 fehlen drei Spieler, allen voran natürlich Tiger Woods, dessen Abwesenheit den US-TV-Quoten nicht zuträglich sein dürfte. Neben Woods haben auch der im Race to Dubai führende Thomas Björn (DEN) und der Südafrikaner Richard Sterne verletzungsbedingt abgesagt. Bei den Buchmachern führt der Nordire Rory McIlroy das Weltklassefeld an, die Quote steht bei 10/1. Wer einen Dollar auf Martin Kaymer setzt, erhält, einen Erfolg vorausgesetzt, immerhin 40 Dollar zurück.

Nette Anekdote am Rande: der reichste Teilnehmer in Pinehurst ist übrigens keiner der ja üppig bezahlten Golfer sondern ein Caddie. Auf dem Konto von Scott McNealy, der die Firma Sun Microsystems mitgegründet hatte, liegen einige Milliarden Dollar, dennoch lässt er es sich nicht nehmen und trägt die Tasche seines Sohnes Maverick, der sich durch die Qualifikation gekämpft hatte, selbst.

28.05.2014

Die großen Namen schlagen zurück... Scott, McIlroy, Zipfelmützen

Wenn ich bisher über Golf geschrieben habe, dann immer nur über das, was ich als Konsument vor der Flimmerkiste passiv verfolgt habe. Seit Montag bricht nun ein neues Zeitalter an: alle Zipfelmützen haben die Platzreife erhalten und werden ab sofort aktiv in das Welt-Golfgeschehen eingreifen. Sicherlich wird die Geschichte der Major-Turniere noch nicht sofort neu geschrieben werden müssen, aber insbesondere unsere Leistungen auf Loch 1 in Mühlberg zeigen, das wir es zu Recht ernst meinen mit dem langfristigen Angriff auf die Weltspitze.

Ganz oben in der Weltrangliste residiert seit vergangenem Montag mit Adam Scott ein neuer Name. Der schöne Australier (O-Ton Jason Dufner: „Er sieht so gut aus, ich konnte mich gar nicht konzentrieren“) ist der 17. Spieler, der seit der Einführung der Weltrangliste Mitte der 80er Jahre an deren Spitze thront. Und um jeglichen Diskussionen, Scott sei nur dank Tigers Verletzung die Nr. 1 geworden, jeden Wind aus den Segeln zu nehmen, gewann die frischgebackene Nr. 1 am Sonntag gleich mal das Crowne Plaza Invitational auf der PGA Tour. Im Stechen setzte er sich am dritten Extra-Loch gegen Jason Dufner durch, der (siehe oben) wohl zu beeindruckt vom Australier war. ;-) Deutsche Spieler waren in Texas nicht am Start. Sie schlugen stattdessen im legendären Wentworth Club bei DEM europäischen Turnier schlechthin ab: der BMW PGA Championship. Mit Ausnahme von Graeme McDowell, der bei seiner schwangeren Frau in Florida weilte, war die gesamte Elite der European Tour am Start. Zunächst drückte der Däne Thomas Björn, der ja im Race to Dubai schon vor Wentworth führte, dem Turnier seinen Stempel auf. Björn spielte am Donnerstag eine 62er-Runde und ging Sonntag mit fünf Schlägen Vorsprung auf Luke Donald in die Schlussrunde. Doch der Däne erwischte keinen guten Tag und nur eine 75. Die Gunst der Stunde nutzte Rory McIlroy, der auf der Back Nine sechs Birdies spielte und seinen ersten Turniersieg auf der Tour seit November 2012 feierte. McIlroy krönte damit sein bisher so starkes Jahr 2014 (10 Starts, 8 Top-Ten) ausgerechnet in der Woche, in der er die Trennung von seiner Verlobten Caroline Wozniacki bekanntgegeben hatte. Bester Deutscher wurde Marcel Siem, der als geteilter Siebter sein bestes Ergebnis seit April 2013 erzielte. Auch Martin Kaymer (T12) spielte ein solides Turnier, Max Kieffer verpasste den Cut. Doch Kiefers große Stunde sollte dann am Montag schlagen, denn beim europäischen Qualifikationsturnier für die U.S. Open, die Mitte Juni in Pinehurst ausgetragen werden, konnte er sich einen Startplatz ergattern. Es ist das erste Mal, dass Kieffer an einem Major-Turnier teilnehmen darf. Herzlichen Glückwunsch! Und weil auch Marcel Siem beim gleichen Quali-Turnier ein Ticket buchte, sind (hinzu kommt der automatisch qualifizierte Martin Kaymer) gleich drei Deutsche bei den U.S. Open dabei. Das ist ein toller Erfolg für den deutschen Golfsport. Kieffer’s Qualifikation ist umso höher einzuschätzen, da sich wesentlich größere Namen kein Startrecht für Pinehurst erarbeiten konnten. Dazu zählen u. a. der dreifache Major-Champion Padraig Harrington oder auch Italiens Jungstar Matteo Manassero, der vor Jahresfrist noch in Wentworth gewonnen hatte.

Nun muss ich noch einige Worte zu zwei großen, alten Europäern verlieren. Miguel Angel Jimenez habe ich ja angesichts seiner bockstarken Saison schon häufiger hier lobend erwähnt. Nun krönte er sein Jahr vor Wochenfrist in Girona, als er im 27. Anlauf endlich die Open de Espana gewinnen konnte. Jimenez ist der erste Spieler, der als über 50-Jähriger ein European Tour-Turnier gewinnen konnte. Er knackte übrigens seinen eigenen Rekord als ältester European Tour-Sieger, den er erst im letzten Dezember (49 Jahre und 11 Monate) in Hong Kong aufgestellt hatte. Eine andere europäische Golflegende ist Colin Montgomerie, der gefühlte sechzig Mal die europäische Order of Merit (den Vorgänger des heutigen Race to Dubai) sowie unzählige andere Turniere gewonnen hatte. Aber nie, wirklich niemals gewann er ein Major-Turnier. Mit Ausnahme des Masters wurde er bei allen Majors mindestens einmal, insgesamt fünfmal Zweiter. „Monty“ zählt zu den besten Spielern aller Zeiten ohne Major-Sieg. Doch so ganz stimmt das seit Sonntag nicht mehr. Denn in Benton Harbor, Michigan gewann er die Senior PGA Championship. Es ist zwar „nur“ ein Senioren-Major, aber das wird „Monty“ herzlich egal sein. Glückwunsch!

Neben unserer Platzreife sowie der U.S. Open Qualifikation von Kieffer und Siem hatte das deutsche Golf am vergangenen Wochenende noch mehr Grund zur Freude. Auf der Challenge Tour gewann Moritz Lampert die Kärnten Golf Open. In der Challenge Tour Rangliste arbeitete er sich durch den Erfolg auf Rang Sechs nach vorne und hat nun gute Möglichkeiten, sich für die kommende European Tour-Saison eine Karte zu sichern.

Am kommenden Wochenende steht das Memorial Tournament in Columbus auf dem Programm. Das Turnier im Heimatclub von Jack Nicklaus gehört zum Feinsten, was die PGA Tour zu bieten hat. In schöner Regelmäßigkeit versammelt sich nahezu die gesamte Weltelite in Ohio, soweit sie Mitglied der PGA Tour ist. Mit Adam Scott, Titelverteidiger Matt Kuchar, Bubba Watson, Rory McIlroy, Jason Day, Justin Rose und Jordan Spieth sind sieben der Top Ten der Welt am Start. Und wären Tiger Woods und Sergio Garcia (musste in Wentworth aufgeben) nicht verletzt sowie Henrik Stenson bei seinem Heimatturnier in Schweden am Start, wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die komplette Top 10 in Columbus zugegen. „Trösten“ können sich die Fans in Ohio mit Phil Mickelson, Jim Furyk, Dustin Johnson, Jason Dufner, Luke Donald und zahllosen weiteren Superstars, die hier alle aufzuzählen, den Rahmen sprengen würde. Deutsche Spieler sind nicht am Start, Martin Kaymer gönnt sich nach sieben Turnieren in den letzten acht Wochen vor der U.S. Open nun zwei Wochen Pause.

Die European Tour gastiert dieses Wochenende in Skandinavien. Und das Nordea Masters, welches 2014 und 2015 nicht im wunderschönen Bro Hoff Slott Golf Club sondern im PGA Sweden National in Malmö ausgetragen wird, hat mit Henrik Stenson sogar den Weltranglistenzweiten zu Gast. Mit Race-to-Dubai-Leader Thomas Björn, Victor Dubuisson, Miguel Angel Jimenez, Jonas Blixt, Stephen Gallacher und Francesco Molinari sind sechs weitere Top-50-Spieler am Start. Der Sieger erhält 36 Weltranglistenpunkte, das ist für die European Tour ein überdurchschnittlicher Wert. Auf die Punkte hofft mit Max Kieffer auch ein deutscher Profi, Marcel Siem hat seinen Start nach seiner Qualifikation für die U.S. Open umgehend abgesagt.

12.05.2014

Martin Kaymer – Players Champion 2014


Mehr Text ist eigentlich gar nicht nötig – die Überschrift sagt alles. :-) Dennoch bedarf der zweite PGA Tour-Sieg in Martins Karriere doch einiger Worte mehr. Denn nach einer langen Zeit der Erfolglosigkeit, der Enttäuschungen, verpassten Cuts und hinteren Plätze ist die ehemalige Nummer 1 wieder da. Und wie!

Es war schon dunkel in Ponte Vedra Beach als Martin um 20:15 Uhr Ortszeit den entscheidenden Putt zum Sieg beim wichtigsten Turnier nach den Majors lochte. Bis es so weit war, hatte die Golfnacht (02:15 MESZ) mich aber einiges an Nerven gekostet. Doch gehen wir chronologisch vor: Nach seiner 63er-Rekordrunde vom Donnerstag (Einstellung des Platzrekordes; erster Spieler, der die Front Nine im TPC Sawgrass unter 30 spielt) konnte Martin seine Führung am Freitag mit einer 69 gegenüber der Konkurrenz ausbauen. Mit einer Ausnahme: US-Jungstar Jordan Spieth kam bis auf einen Schlag an Martin ran. Und diesen Schlag verlor Martin am Samstag auf dem 18. Grün, als er einen schwierigen Par-Putt nicht lochen konnte. Beide gingen also gleich auf liegend in die Schlussrunde. Dort spielten sie parallel das (planmäßige) Birdie auf der Zwei. Spieth gelang auf der Vier ein weiterer Schlaggewinn und ging nun erstmals in Führung. Doch es sollte das letzte Mal sein, dass der Amerikaner an diesem Tag als „Leader“ ausgewiesen war. Denn während Kaymer weiter Par um Par spielte, leistete sich Spieth auf der Fünf, der Acht und der Zehn Bogeys und fiel wieder hinter seinen deutschen Konkurrenten zurück. Und weil Kaymer im Gegensatz zu Spieth die Par-5-Löcher Neun und Elf zu Birdies nutzte, geriet der US-Boy aussichtslos ins Hintertreffen. Vielmehr kristallierte sich dessen Landsmann Jim Furyk, der einige Löcher vor dem Schlussduo unterwegs war, dank seiner 66er-Schlussrunde als ernsthaftester Konkurrent des Rheinländers heraus. Weil Kaymer aber Loch für Loch sichere Pars spielte, betrug sein Vorsprung auf Furyk scheinbar beruhigende drei Schläge, als es auf die 15 ging. Doch nun griffen höhere Mächte in den Kampf um den Players-Sieg ein. Die Uhr zeigte in Deutschland kurz nach Mitternacht, als wegen einer nahenden Gewitterfront das Spiel unterbrochen werden musste. Martin wurde in seinem guten Lauf unterbrochen, ich sah meine ohnehin schon kurze Nachtruhe noch weiter zusammenschrumpfen. Zudem drohte die Fortsetzung am Montag, was für mich nichts anderes bedeutet hätte, als das ich den wahrscheinlichen Sieg Kaymers nicht hätte live sehen können. Zunächst lenkte ich mich mit dem Ende von Spiel 4 der NBA-Play-Offs zwischen Oklahoma City und den Clippers ab. Auch nett, weil Frank Buschmann, der wahnsinnigste und beste Basketball-Kommentator auf diesem Planeten ein letztes Mal auf spox.com kommentierte. Die Clippers gewannen, Buschmann rastete vollkommen aus (Ratatatatata!!!) und zumindest das Gewitter verzog sich aus Ponte Vedra Beach. Viertel Zwei gings weiter. Und was nun kam, machte einen fertig. Martin machte mich fertig. Die letzten vier Löcher begann er mit einem Doppel-Bogey auf der 15. Erster Schlag in den Wald, zweiter ins Rough, Pitch in den Bunker, Bunker-Schlag (sonst während des ganzen Turniers brilliant) unendlich weit weg von der Fahne, erster Putt knapp daneben = Doppel-Bogey und Furyk, das ganze gemütlich im Clubhaus verfolgend, war plötzlich nur noch einen Schlag zurück. Dann die 16, Par 5. Den ersten ordentlich, mit dem zweiten die Fahne attackiert. Länge okay, leider viel zu weit links. Der Ball lag aus Martin's Sicht wohl so ungünstig, das er nicht chippen  wollte (was er auf der anschließenden PK als großen Fehler bezeichnete), sondern aus recht hohem Gras bergauf einen Putt versuchte. Das ging kräftig in die Hose, viel zu kurz, zweiter Putt knapp daneben, den dritten eingelocht. Auf der 16 nur ein Par, statt den Vorsprung wieder auszubauen hatte er ihn mit Mühe und Not verteidigt. Kaymer hatte die Unterbrechung nicht gut getan. 1:45 Uhr. Abschlag 17. Das berühmte Insel-Grün. Kaymer hat Mega-Glück. Der Ball fliegt gerade so auf’s Grün, springt dazu so unglücklich ab, dass er über eine Welle richtig Geschwindigkeit bekommt. Der Ball rollt, wird schneller, rollt, rollt. Ich bin ehrlich. Ich sehe ihn im Wasser, Furyk mit dem 1,8-Millionen-Dollar-Scheck in der Hand und Kaymer den Wettergott mit seinen Eisen durch Florida jagen. Doch der Ball hält an. In der nur wenige Zentimeter breiten Roughkante des Inselgrüns bleibt der Ball hängen. Zentimeter vor dem Abgrund. Der Ball bleibt trocken, Kaymer kann chippen. Aber wie chippt er denn?? Viel zu kurz, der Ball bleibt oben auf der Welle hängen. Kaymer hat das Momentum komplett verloren. Immer wieder der Blick zu Furyk ins Clubhaus, der sich jetzt gedanklich auf ein Stechen am Montag einstellt. Denn es war mittlerweile so dunkel geworden, dass entschieden wurde, ein eventuelles Stechen auf Montag zu verschieben. Aber Kaymer behielt den Durchblick. Denn plötzlich war es wieder da. Das berühmte Momentum. Er lochte diesen irren Putt vom Hügel nach unten rechts tatsächlich. Sechs Meter? Acht? Zehn? Keine Ahnung (mittlerweile weiß ich, dass es 28 Fuß, knapp acht Meter waren)! Als alles verloren schien, war Martin wieder da. Und Furyk, der bereits vor Wochenfrist in Charlotte Zweiter geworden war, nickte im Sessel anerkennend. Mit einem Schlag Vorsprung ging Martin auf die 18. Es war richtig duster jetzt. Abschlag gerade aufs Fairway. Top! Der Zweite etwas zu kurz, bleibt vor dem Grün liegen. Der Putt gut, riskant, direkt das Loch angegegriffen, rollt knapp vorbei. Ein Meter. Machbar. Dann der Putt zum Sieg. Drin! 02:15 Uhr. Geschafft! Das Comeback gelungen! Endlich wieder einfach Golf gespielt anstatt über den Schwung nachzudenken. Es folgte ein kurzes, aber emotionales Siegerinterview! Weil seine Mutter Rina vor sechs Jahren an Krebs gestorben war, war Kaymer den Tränen nahe, als ihn der US-Kollege auf den Muttertag ansprach. In Erinnerung an seine Mutter zierte eine Sonnenblume, deren Lieblingsblume, das Bag des Rheinländers.

Dank des Sieges verbessert sich Martin in der Weltrangliste vom 61. auf den 28. Platz sowie im FedExCup um 96 Plätze auf Rang 18. Die Punktzahl sollte reichen, um in den Fed-Ex-Cup-Play-Offs sicher bis zur BMW Championship zu kommen, die Tour Championship in Atlanta darf man nun als realistisches Ziel betrachten. Zudem hat er seine PGA-Tour-Karte bis 2019 abgesichert, bis zum gleichen Jahr erhält er Einladungen zum Masters nach Augusta. Und nicht vergessen darf man den Ryder Cup Ende September. In der World Points List liegt er nun ganz heiß im Rennen, knapp vor Ian Poulter auf einem der fünf automatischen Startplätze.

Der Aufwärtstrend bei Martin hatte sich schon in den Vorwochen zart angekündigt. Den schwachen Vorstellungen zu Jahresbeginn (Missed Cuts in Houston und bei der Honda sowie ein 58. Platz in Doral) folgten die Plätze 31 (Masters), 23 (RBC Heritage) und 18 am vergangenen Wochenende bei der Wells Fargo. Dort spielte er bis zum Beginn der Schlussrunde sogar um den Sieg mit, brach dann aber am Sonntag ziemlich. Den Titel bei der Wells Fargo sicherte sich J. B. Holmes. Auch so eine Wahnsinns-Geschichte! Der Amerikaner musste sich Ende 2011 wegen der Chiari-Malformation einer Gehirn-Operation unterziehen. Weil er allergisch auf die eingesetzte Titanplatte reagierte, folgte einen Monat später eine weitere Operation. Nun feierte der Spieler, der einst schneller als kein anderer Spieler vor ihm seine erste Million Dollar Preisgeld auf der PGA Tour verdient hatte und Mitglied des letzten siegreichen US-Ryder-Cup-Teams 2008 war, ein grandioses Comeback auf der großen Tour-Bühne.

Am kommenden Wochenende kehrt die PGA Tour nach Texas zurück, wo in Irving, einem Vorort von Dallas die HP Byron Nelson Championship ausgetragen wird. Players Champion Martin Kaymer ist ebenso am Start wie Keegan Bradley, Jason Dufner, Dustin Johnson, Louis Oosthuizen, Patrick „Nr. 5“ Reed, Charl Schwartzel, Jordan Spieth, Jimmy Walker oder der momentan vollkommen außer Form spielende Brandt Snedeker. Titelverteidiger ist Sang-Moon Bae aus Südkorea, Martin Kaymer gelang 2013 als geteilter Fünfter sein bestes PGA-Tour-Resultat des Jahres.

Ein tragischer Zwischenfall ereignete sich am Wochenende bei der wegen Nebels auf zwei Runden vekürzten Madeira Islands Open auf der portugiesischen Blumeninsel. Beim Sieg des Engländers Daniel Brooks (erster Tour-Sieg) war der Caddy des Schotten Alastair Forsyth, Ian MacGregor auf der 9. Spielbahn zusammengebrochen und 52-jährig an Herzversagen gestorben. Was die Verantwortlichen der European Tour geritten hat, das Turnier nicht abzubrechen sondern die zweite Runde durchzuprügeln, bleibt deren trauriges Geheimnis. Leidiglich Paul Lawrie zog zurück, alle anderen Spieler, sogar Forsyth, spielten nach einer Schweigeminute und kurzer Beratschlagung weiter. Der Linksgolfer schrieb passenderweise von einer Schande, auch viele Spieler äußerten via Twitter ihren Unmut über die Entscheidung der Turnierverantwortlichen.

In dieser Woche gastiert die European Tour zur Open de España im katalanischen Girona. Neben allen spanischen Spitzenspielern (Sergio Garcia, Miguel Angel Jimenez, Gonzalo Fernandez Castano usw.) sind mit Matteo Manassero oder Victor Dubuisson weitere European Tour-Größen ebenso am Start wie die deutschen Professionals Marcel Siem und Max Kieffer. Vielleicht nehmen sie sich an Martin Kaymer ein Beispiel!

28.04.2014

Stadionatlas Björn

Schon seit längerer Zeit pflege ich eine sog. Stadionliste, in der ich alle Stadionbesuche einschließlich der kleinen Anekdoten drumherum katalogisiere. Mit google maps habe ich die Daten nun in eine Karte eingepflegt, die fast zwei Jahrzehnte Fußballgeschichte geographisch visualisiert. Vieles habe ich schon gesehen, vieles möchte ich noch sehen. In diesem Sinne wird die Karte fortlaufend aktualisiert. Sollten meine Begleiter Lücken entdecken, bin ich für jeden Hinweis dankbar! Einige kleinere Stadien bzw. Sportplätze in Thüringen fehlen noch, das wird zeitnah nachgereicht.

Das erste Mal...



Hinter uns liegt ein Golf-Wochenende der Premieren. Sowohl auf der PGA Tour als auch auf der European Tour feierten Spieler ihren jeweils ersten Turniersieg.

Bei der Volvo China Open gewann der Franzose Alexander Levy. Den Grundstein für seinen Sieg hatte der 23-Jährige am Freitag gelegt als ihm acht Birdies sowie ein Eagle gelangen und er damit eine 62 auf die Grüns des Genzon Golf Clubs zauberte. Ian Poulter und Henrik Stenson, die von den Organisatoren zum zwanzigsten Geburtstag des Turniers verpflichtet wurden, teilten sich Platz 5, lediglich US-Star Jason Dufner als geteilter 54. rechtfertigte die ihm gezahlte üppige Antrittsprämie nur eingeschränkt. Max Kieffer wurde nach vier soliden Runden Golf geteilter 32., Marcel Siem, der geteilter 46. wurde, warf eine bessere Platzierung am Samstag weg, als er seine Runde mit Doppel-Bogey / Bogey beendete. Pech hatte Siem auch am Sonntag, als ihm zwar ein Hole-in-One gelang, leider aber auf der Acht. Den Preis für das Ass, natürlich ein schwedisches Automobil, gab es nämlich am 12. Loch. Und das sicherte sich der Engländer Danny Willett am Sonntag, als er vom Abschlag das Bällchen direkt versenkte. Auf der European Tour endet am kommenden Wochenende die kleine Ostasien-Tour in Singapur, wo erstmals The Championship at Laguna National ausgetragen wird. Das Turnier fand bisher immer als The Ballantines Championship in Südkorea statt. Nach dem Rückzug des Hauptsponsors fanden die Koreaner keinen Ersatz, weswegen die European Tour das Turnier nach Singapur verlegte. Dort griffen die Verantwortlichen zu, war doch letztes Jahr erstmals seit Jahren der obligatorische Tourstop im Stadtstaat, die Singapore Open, ausgefallen.

Und auch auf der PGA Tour gab es eine Premiere. Dort feierte der Südkoreaner Seung-Yul Noh seinen ersten Toursieg bei der Zurich Classic of New Orleans, die in diesem Jahr ein für PGA Tour-Verhältnisse eher durchschnittliches Teilnehmerfeld (OWGR: 36) aufwies. Von Durchschnitt kann am kommenden Wochenende dann keine Rede mehr sein, denn bei der Wells Fargo Championship in Charlotte sind neben Martin Kaymer auch Rory McIlroy, Phil Mickelson, Zach Johnson, Lee Westwood, Jamie Donaldson, Ernie Els, Hunter Mahan oder der im FedExCup weiterhin Führende Jimmy Walker am Start.

Auf der web.com-Tour feierte der Amerikaner Andy Putnam mit sieben Schlägen Vorsprung souverän seinen ersten Profisieg. Alex Cejka wurde geteilter 70. und fiel in der Saisonwertung der web.com-Tour hinter Putnam auf den dritten Platz zurück. Bereits letzte Woche hatte er seine Führung an den Mexikaner Carlos Ortiz verloren. Sein Platz unter den Top 25, der ihm eine Eintrittskarte zur PGA Tour 2015 garantiert, ist aber nicht in Gefahr.

Und natürlich gab es auch bei den Damen auf der LPGA Tour eine Premiere. Bei der Swingig Skirts LPGA Classic, die erstmals überhaupt ausgetragen wurde, feierte das neuseeländische Wunderkind Lydia Ko nicht nur ihren 17. Geburtstag sondern auch ihren ersten Sieg als Proette. Bei ihren beiden vorherigen LPGA-Tour-Erfolgen war sie nämlich noch Amateurin gewesen. Die beiden deutschen Spielerinnen, Caroline Masson und Sandra Gal, lieferten als 18. bzw. 30. solide Ergebnisse ab. In der Saisonwertung der LPGA Tour führt Stacy Lewis (USA) knapp vor Karrie Webb (AUS), Gal ist 27., Masson ist 32. Am kommenden Wochenende gastiert die LPGA Tour zum North Texas Shootout im Lone Star State.

Zum Abschluss noch etwas animalisches, das zeigt, wie gefährlich Golf doch sein kann: Nachdem sich Pablo Larrazabal letzte Woche bei der Maybank Malaysian Open vor einem aggressiven Hornissen-Schwarm nur mit einem Sprung ins Wasser retten konnte, ließ sich US-Profi John Peterson an diesem Wochenende in New Orleans auch von einem Alligator nicht davon abhalten, den Ball so zu spielen wie er lag.

22.04.2014

Matt feiert seine Auferstehung - pünktlich zu Ostern



Bubba Watsons zweiter Sieg in Augusta nach 2012 war zwar weit weniger spektakulär (und damit für den TV-Golfer auch nicht so nervenaufreibend), dennoch habe ich mir nach dem Masters mal eine Woche Pause gegönnt. Tiger Woods Abwesenheit sorgte für einen Einbruch der Einschaltquoten um schlappe 37 % und am Freitag drängte sich der Eindruck auf, dass auch einige Top-Stars Motivationsprobleme haben, wenn der große Meister nicht am Start ist. Phil Mickelson, Luke Donald, Sergio Garcia, Ernie Els, Webb Simpson, Charl Schwartzel, Graeme McDowell, Zach Johnson, Dustin Johnson, Matteo Manassero, Keegan Bradley, Jason Dufner war nämlich nicht die Reihenfolge hinter Watson sondern die Liste der Namen, die den Cut in Augusta nicht schafften. Ebenso bemerkenswert (allerdings im positiven Sinne) wie diese Ausfallliste war die Leistung von Bernhard Langer, der im zarten Alter von 56 mal eben geteilter Achter wurde. Auch Martin Kaymer durfte, angesichts der Formschwäche in den Vorwochen (oder sollte ich besser Monaten schreiben) mit seinem geteilten 31. Platz zufrieden sein, konnte er somit doch ein neues persönliches Top-Ergebnis für Augusta notieren. Apropos Top-Ergebnis: das fuhr natürlich auch Matt Kuchar ein. Ihr wisst schon, der der in den Wochen vor dem Masters in Houston und San Antonio jeweils am Sonntag mit schwachen Runden zwei Siege weggeschmissen hatte. Und auch in Augusta legte Kuuuuuch einen dünnen Sonntag hin, spielte zwei über und wurde am Ende Fünfter.

Seit Ostersonntag haben Kuchars Leiden aber endlich ein Ende. Er gewann das RBC Heritage in Hilton Head Island, South Carolina. Allerdings quälte er sich und seine Fans wieder. Denn auf der 17 notierte er, nach einem fürchterlichen Drei-Putt, ein Bogey und war plötzlich wieder gleichauf mit Luke Donald. Doch dann kam die 18 und Kuchar lochte aus dem Bunker ein – spektakuläres Ende seiner unfassbaren Sonntags-Pleitenserie, die man, nach dem Bogey an der 17, sich schon fortsetzen sah. Martin Kaymer spielte erneut ein solides Turnier und wurde geteilter 23. Im FedExCup hat Jimmy Walker seine Führung auch im April verteidigt, allerdings liegt er nur noch rund 200 Punkte vor Bubba Watson. Dritter ist Matt Kuchar, der sich dank seiner zahlreichen Top-Ergebnisse in den letzten Wochen weit nach vorne gearbeitet hat.

Watson hin – Kuchar her. Die coolste Sau unter der Sonne bleibt Miguel Angel Jimenez. Der Lebemann aus Südspanien, der außer zu den Majors und WGC-Turnieren Amerika und die PGA-Tour meidet wie der Teufel das Weihwasser, wurde in Augusta bemerkenswerter Vierter. Und weil er gerade 50 Jahre geworden ist, verlängerte er seinen US-Aufenthalt entgegen seiner üblichen Gepflogenheiten um eine Woche und schlug erstmals auf der Champions Tour ab, für die er nun spielberechtigt ist. Und was passierte? Na klar, Jimenez gewann seinen Premierenauftritt bei der Greater Gwinnett Championship. Cool, Baby! Zweiter wurde Bernhard Langer, der erneut eine Top-Leistung auf der Champions Tour zeigte und im Charles Schwab Cup souverän führt. Konkurrenz von Jimenez braucht Langer dort zumindest 2014 nicht fürchten: Weil „El Mecanico“ sich ins europäische Ryder Cup-Team spielen will, wird er sich wieder auf den Weg nach Europa begeben, um seinen kleinen Rückstand in der Ryder-Cup-Rangliste aufzuholen.

Und weil wir schon beim Thema sind, werfen wir doch gleich mal einen Blick auf den Stand im Rennen um die europäischen Ryder Cup-Tickets. Auf drei Wegen können sich die Spieler qualifizieren:

1.

vier Spieler, die auf der European Tour seit Herbst 2013 die meisten Punkte gesammelt haben (1 € Preisgeld = 1 Punkt)

2.

fünf Spieler, die weltweit seit Herbst 2013 die meisten Punkte gesammelt haben und nicht schon über die European Points List qualifiziert sind (diese Kategorie wurde eingeführt, weil mit der Zeit immer mehr europäische Top-Spieler ihren Schwerpunkt auf die PGA Tour verlagert haben, dennoch zählen die auf der European Tour gewonnenen Weltranglistenpunkte hier auch, allerdings gibt es auf der PGA Tour in der Regel mehr Weltranglistenpunkte zu verdienen, da die Turniere fast immer besser besetzt sind)

3.

drei Spieler, die der Kapitän Paul McGinley als sogenannte Captains Picks selbst nominieren darf



Die Tabelle zeigt, dass Jiménez in der Worlds Points List ganz dicht dran ist, sich einen automatischen Startplatz zu erkämpfen. Allerdings dürfte Paul McGinley auf die Kombination aus seiner aktuellen Form in Verbindung mit seiner Erfahrung kaum verzichten können, weswegen Jiménez heißer Anwärter auf eine der drei Wild Cards wäre. Sehr weit entfernt von einem neuerlichen Ryder Cup-Auftritt ist momentan Martin Kaymer. Um die Zahlen mal etwas plastischer wirken zu lassen, kann man grob sagen, dass ihm zur Zeit in der European Points List ein Major-Sieg bzw. in der World Points List ein Turniersieg bei einem gut besetzten, regulären Turnier fehlt, um rein rechnerisch in Schlagdistanz zu einem Platz im Team zu gelangen. Zum Schluss noch eine kleine persönliche Spielerei: neben den neun oben blau eingefärbten, automatisch qualifizierten Spielern gehen meine drei Wild Cards zur Zeit an Miguel Angel Jiménez, Graeme McDowell und Jonas Blixt.

Die European Tour hat sich nach dem Masters für drei Wochen nach Asien verabschiedet. Bei der Maybank Malaysian Open, die traditionell wieder unter einigen Wetterkapriolen litt, siegte Lee Westwood mit schlappen sieben Schlägen Vorsprung vor Wiesberger, Oosthuizen und Colsaerts. Max Kieffer wurde 33., Marcel Siem 47. Gemeinsam reisen die beiden nun nach Shenzhen zur Volvo China Open weiter, wo mit Henrik Stenson, Ian Poulter und Francesco Molinari hochkarätige Konkurrenz wartet. Und zum zwanzigjährigen Turnierjubiläum gönnen sich die Turnierveranstalter auch noch einen der großen US-Stars. Der amtierende PGA-Champion Jason Dufner wurde herzlich eingeladen und der beiliegende Scheck sorgte dafür, dass der kultverdächtige Duffs die weite Reise nach Asien antritt.

Damit fehlt Dufner bei der Zurich Classic of New Orleans ebenso wie Martin Kaymer, der sich diese Woche eine Pause gönnt. Dafür stehen in Louisiana unter anderem Keegan Bradley, Ernie Els, Rickie Fowler, Patrick Reed und Justin Rose am Abschlag.

10.04.2014

Auf der Suche nach dem Thronfolger

Während die Meisterschaft in Deutschland schon entschieden ist bleibt es in England spannend. Der amtierende Meister Manchester United rangiert momentan nur auf Platz sieben und hat somit schon keine Chance mehr den Titel zu verteidigen. Den umgekehrten Weg ging Liverpool. Nachdem die Reds die letzte Saison auf Rang 7 abschlossen haben, genießen sie momentan den Platz an der Sonne. 2 Punkte dahinter hat Mourinho mit Chelsea angeblich schon alle Meisterschaftshoffnungen begraben, diese Aussage ist aber eher ein Produkt psychologischer Spielchen zu sein, denn noch ist für Chelsea nichts verloren. Mourinho und seine Jungs müssen aber darauf hoffen das Liverpool und Manchester City noch Punkte lassen. City steht zwar, mit 2 Punkten weniger als Chelsea und 4 Punkten Abstand zu Liverpool, nur auf Platz 3 - hat aber noch zwei vermeintlich leichte Nachholspiele zu absolvieren. Sollten Pellegrinis Citizens  beide Spiele gewinnen hätten sie zwei Punkte Vorsprung auf Liverpool. Als letzter der Big Five hat sich Arsenal, spätestens seit dem 0:3 in Everton am letzten Wochenende, aus dem Titelrennen bereits verabschiedet.

Es bleiben also Liverpool, Chelsea und Manchster City als Konkurrenten um die Thronfolge in der Premier League. Die besten Chancen auf den Titel haben Liverpool und Manchester. Wer von den beiden es schafft ohne Punktverlust durch die letzten Spiele zu kommen darf sich Meister nennen. Einer von beiden wird noch Punkte liegen lassen, da beiden schon diesen Sonntag um 14:37 (wer denkt sich eigentlich solche Anstoßzeiten aus?) gegeneinander antreten. 

Sollte Manchester in Liverpool gewinnen wird ihnen wohl niemand mehr die Meisterschaft nehmen können. Im Restprogramm sehe ich dann nur noch Everton in der Lage Manchester Punkte abzunehmen.

Sollte Liverpool am Sonntag gewinnen rückt die erste Meisterschaft seit 1990 einen großen Schritt näher, da man aber auch noch Chelsea zu Gast hat ist auch dann noch nichts in trockenen Tüchern.

Chelsea hat außer der Partie in Liverpool das leichteste Restprogramm, aber auch die schlechteste Ausgangslage. Außerdem muss man sich noch in der Champions League beweisen.

Meine prognostizierten Chancen für den Titelgewinn sind:
Manchester City 60%
Liverpool 30%
Chelsea 10%

Sollte Liverpool am Sonntag gewinnen sehe ich leichte Vorteile gegenüber Manchester City, in Zahlen etwa 55% zu 45% für Liverpool.

Sollte Manchester gewinnen stehen die Chancen eher 90% zu 10% für Manchester.

Es wird also spannend am kommenden Spieltag und die Weichen für die Meisterschaft werden gestellt.

07.04.2014

Masters-Vorschau 2014


Endlich ist wieder Masters-Wochenende. Die gesamte Golf-Welt blickt nach Augusta, einem verschlafenen Nest im Süden der USA, von dem, würden sich nicht alljährlich Anfang April knapp 100 Männer um eine grüne Jacke duellieren, vermutlich niemand außerhalb des Bundesstaats Georgia Notiz nehmen würde. Das Masters mag das jüngste der vier Majors sein, aber die Magie, die von Augusta ausgeht und der Ruhm, der ein Sieg jedem Spieler bringt, übertreffen die U.S. Open, The Open Championship und die PGA Championship. Vielleicht liegt es daran, dass es das einzige Major ist, was mit einem Ort für immer verbunden ist. Während die anderen drei Majors ihren Austragungsort jährlich wechseln, findet das Masters immer im Augusta National Golf Club statt. Für die Eigenarten und Verrücktheiten des Turniers und des Clubs verweise ich gerne auf meinen Vorbericht zum Masters 2012, wo einige Besonderheiten erläutert sind.


Nimmt man es ganz genau, ist das Masters ein reines Einladungsturnier. Über die Jahre wurden aber Kriterien festgeschrieben, auf Grund derer Spieler automatisch eine Einladung erhalten. In diesem Jahr gibt es 18 Wege, sich für das Masters zu qualifizieren. Wie das genau funktioniert, hatte ich im Vorbericht zum letztjährigen Masters beschrieben. Die Einladungskriterien haben sich im großen und ganzen nicht geändert. Insgesamt haben sich 110 Spieler für das Masters-Turnier 2014 qualifiziert. Auf Grund des lebenslangen Spielrechts für jeden Masterssieger, sind aber einige der ehemaligen Sieger mittlerweile etwas zu alt, um noch aktiv am Turnier teilnehmen zu können. So dürften mit Doug Ford (ältester noch lebender Masters-Sieger) und Jack Burke jr. auch die jetzt 91-jährigen Masters-Champions von 1957 bzw. 1956 theoretisch am Turnier teilnehmen. Neben den beiden genannten verzichten auch zehn weitere, also insgesamt zwölf Ex-Champions freiwillig auf ihr Spielrecht. Hinzu kommt Tiger Woods, der das Turnier nach einer Rückenoperation absagen musste und somit erstmals nach 19 Jahren das Turnier verpassen wird. So werden 97 Spieler das Turnier bestreiten, darunter mit Bernhard Langer und Martin Kaymer wie im Vorjahr zwei Deutsche. 24 Spieler werden erstmals in Augusta abschlagen, fünf Spieler bestreiten sogar ihr allererstes Major-Turnier. Neben vier der sechs Amateure trifft dies mit dem amerikanischen Profi Patrick Reed auch auf den Weltranglisten-23. zu, dessen kometenhafter Aufstieg erst nach der PGA-Championship, dem letzten Major 2013, begann. Zu den 44 Amerikanern kommen 53 Spieler aus 20 verschiedenen Nationen aus dem Ausland. Mit sieben Spielern stellt England gefolgt von Australien und Südafrika (je sechs Spieler) die größte Gruppe der Internationals.

Für weitere Informationen verweise ich sehr gerne auf den Linksgolfer, dessen privat erstelltes Programm alles andere in den Schatten stellt, sowie die offizielle Masters-Seite. Umfangreiches Material gibt es auch bei den großen amerikanischen Sportnetworks, insbesondere bei CBS (die mal gleich das ganze Masters-Feld pre-gerankt haben und Kaymer auf 51 und damit erstaunlich weit vorne sehen) und ESPN, die das Turnier in den Staaten live übertragen. Auch deutsche Seiten, wie golf.de oder die Golfpost berichten umfangreich.

Für meine Vorschau habe ich dieses Jahr eine Tabelle erstellt, in der die wichtigsten Daten zu jedem (!) Spieler (vollständig) sowie ein kleiner Text (ohne Anspruch auf diese Vollständigkeit) enthalten sind. Ich hoffe, es gefällt!



 

 
 
 

Matt Kuchar und die Australier - Teil 2



Der Rückblick auf das Golf-Wochenende erfolgt heute im Express-Tempo, denn die restliche Zeit brauche ich für meine diesjährige Masters-Vorschau.

Beginnen wir in Texas. Dort fanden die „australischen Wochen“ auf der PGA Tour ihre Fortsetzung. Nur eine Woche nach Steven Bowditch feierte mit dessen Landsmann Matt Jones erneut ein Spieler aus „Down Under“ seinen ersten PGA Tour-Sieg. Und wieder hieß der Leidtragende Matt Kuchar, der nun innerhalb von acht Tagen soviel Preisgeld „weggeschmissen“ hat, wie andere in ihrem ganzen Leben nicht verdienen. Schon letzte Woche, bei der Valero Texas Open, war der US-Amerikaner als Führender in den letzten Tag gegangen. Diesmal hatte er vier Schläge Vorsprung auf seinen Landsmann Cameron Tringale und den Spanier Sergio Garcia. Die zwei hatte Kuchar auch im Blick, doch von hinten kam Jones mit einer 66 angestürmt. Kuchar’s Vorsprung wurde immer kleiner, war zwischendurch sogar ganz aufgebraucht, doch auf die 18 ging er wieder mit einem Schlag Vorsprung. Doch es sollte einfach Jones’ Tag werden. Erst erzwang er mit einem 46-Fuß-Putt ein Stechen, welches er dann mit einem 38,5 m-Chip aus dem Semi-Rough für sich entschied. Jones brillierte und Kuchar staunte. Der Amerikaner dürfte sich während Jones’ Zaubervorstellung über einige Putts geärgert haben, die er insbesondere auf der Front Nine leichtfertig vergeben hatte. Olaf hat einfach recht: „Putten ist das Allerwichtigste!“ Oder liegt es möglicherweise daran, dass Kuchar ein Schönwettergolfer ist? Letzte Woche fegte ein mächtiger Wind über den Platz in San Antonio, gestern regnete es den ganzen Tag im Golf Club of Houston. Kuchar hofft auf gutes Wetter in Augusta, Matt Jones freut sich, dass er sich durch den Sieg als allerletzter Spieler für das Masters qualifiziert hat.

Für die deutschen Herren war es ein komplett gebrauchtes Wochenende. Martin Kaymer verpasste bei der Shell Houston Open den Cut. Besorgniserregend: besonders die kommende Woche in Augusta so wichtigen Annäherungsschläge funktionierten nach zuvor ordentlichen Drives überhaupt nicht. In dieser Form wird Kaymer Probleme haben, das Wochenende beim Masters zu erreichen. Nicht viel besser machten es Max Kieffer, Bernd Ritthammer und Marcel Siem auf der European Tour bei der NH Collection Open in Andalusien. Alle drei verpassten das Wochenende, Siem warf nach einer 84 sogar am Donnerstag Abend schon das Handtuch. Der Italiener Marco Crespi feierte in Sotogrande seinen ersten European Tour-Erfolg.

Zu guter Letzt noch ein Blick zu den Damen, die bei der Kraft Nabisco Championship ihre erste Major-Siegern des Jahres suchten. Und gefunden wurde mit Lexi Thompson eine erst 19-jährige Amerikanerin, die schon in der Vergangenheit durch ihre Erfolge in jungen Jahren Geschichte schrieb. So nahm sie bereits als zwölfjährige an der U.S. Womens Open teil, wurde mit 15 Profi und holte sich ihren ersten LPGA-Tour Titel (Navistar LPGA Classic 2011) als jüngste Spielerin aller Zeiten im Alter von 16 Jahren, sieben Monaten und acht Tagen. Auch sie nahm selbstverständlich dass bei der Kraft Nabisco Championship traditionelle Siegerbad im am 18. Grün verlaufenden Bach. Die deutschen Damen zeigten gutes (Caroline Masson, 11.) bzw. durchschnittliches (Sandra Gal, 34.) Golf.

Und nun auf zum Masters nach Augusta…

06.04.2014

Test 2

Test 2

31.03.2014

Mit Olaf wär das nicht passiert, Matt!

Die Masters-Vorschau ist schon in Arbeit, deshalb gibt's den Blick auf den Golfzirkus diese Woche in etwas kürzerer Form.

Bei der Valero Texas Open feierte der Australier Steven Bowditch seinen ersten PGA-Tour-Erfolg. Dem Australier reichte am Sonntag eine 76er-Schlussrunde. Der 30jährige, seit 2011 im Besitz einer Tourkarte, schrieb so unfreiwillig Geschichte: seit 30 Jahren war das die schlechteste Finalrunde eines Siegers eines regulären PGA-Tour-Turniers. Doch seine Verfolger machten es am Sonntag nicht viel besser, bei windigen Bedingungen brauchten fast alle Profis mehr Schläge als der Platzstandard. Dazu gehörte auch unter anderem auch Superstar Matt Kuchar, der sich bei seiner sonntäglichen 75 quer durch Rough, Dickicht und Bunker kämpfte, aber nur selten auf dem Fairway anzutreffen war. Nach unserem erfolgreichen Platzreife-Auftakt am Samstag kann ich ohne Umschweife behaupten, das ich bei der Übertragung den Eindruck hatte, dass Matt vielleicht eine Stunde Training mit Coach Olaf gut getan hätte. Give me Five! ;-) Aber im Ernst: Bowditch, nach Matt Every der zweite Überraschungssieger auf der Tour innerhalb von acht Tagen, freut sich über gut 1,1 Millionen Dollar, 500 FedExCup- und 40 Weltranglistenpunkte sowie die Einladung zum Masters und ein Paar neue Cowboystiefel - das traditionelle Siegerpräsent in San Antonio. 

Dem Masters in zehn Tagen droht nach Tiger Woods, der immer noch mit seiner Bandscheibenwölbung kämpft, der zweite prominente Ausfall: Phil Mickelson musste die Texas Open mit einer Bauchmuskelzerrung in Runde 3 aufgeben. Vor dem Masters legt die Tour kommendes Wochenende bei der Shell Houston Open einen weiteren Stop in Texas ein. Das Turnier findet im Houston Golf Club statt. Klingt neu, ist es aber nicht, der frühere Firestone Country Club wurde vom neuen Eigentümer umbenannt. Das Turnier ist glänzend besetzt, gleich elf der Top-20-Spieler der Welt haben gemeldet, darunter mit Phil Mickelson (dessen Start aber auf Grund seiner Verletzung mehr als fraglich ist), Henrik Stenson, Rory McIlroy, Sergio Garcia und Dustin Johnson gleich fünf Top-10-Spieler. Ebenfalls in Masters-Form wollen sich unter anderem Martin Kaymer, Matteo Manassero, Lee Westwood, Keegan Bradley, Ernie Els, Rickie Fowler, Charl Schwartzel, Webb Simpson, Ian Poulter, Louis Oosthuizen oder Luke Donald bringen. Titelverteidiger ist D.A. Points.

Die web.com-Tour pausiert in dieser Woche, die Louisiana Open am vergangenen Wochenende gewann Kris Blanks. Alex Cejka, der kurzfristig abgesagt hatte, verteidigte seine Führung in der Saisonrangliste. 

Auch bei den Damen gab es aus deutscher Sicht nichts zu berichten, bei der Kia Classic scheiterten Sandra Gal und Caroline Masson am Cut. Die Schwedin Anna Nordqvist feierte ihren zweiten Saisonsieg. Am kommenden Wochenende wartet auf die Proetten der erste Höhepunkt des Jahres: bei der Kraft Nabisco Championship suchen die Ladies ihre erste Major-Siegern 2014. Sandra Gal und Caroline Masson schlagen im Mission Hills Country Club in Rancho Mirage, Kalifornien ebenfalls ab.

Auf der European Tour vergeigten Europas Golfer beim EurAsiaCup eine 5:0-Führung nach dem ersten Tag und mühten sich gegen eine zweitklassige Asienauswahl, die nur drei Spieler aus den Top 100 der Welt im Aufgebot hatten, zu einem 10:10-Unentschieden. In dieser Woche besucht die European Tour bei der neu geschaffenen NH Collection Open im andalusischen Sotogrande erstmals ihren Heimatkontinent. Mit dem kleinen Turnier (600.000,- € Gesamtpreisgeld), dessen Feld sich je zur Hälfte aus Spielern der European und der Challenge Tour zusammensetzt, füllt die European Tour eine Lücke im Kalender. Zudem ist es ein, wenn auch kleiner Hoffnungsschimmer für das nach der Wirtschaftskrise arg gebeutelte spanische Golf. Gab es 2008 sechs spanische Turniere auf der Tour, war im vergangenen Jahr einzig die Open de Espana übrig geblieben. Mit Marcel Siem und Max Kieffer schlagen auch zwei Deutsche in Südspanien ab. Mit Bernd Wiesberger aus Österreich, Spaniens Alejandro Canizares oder Robert Rock aus England sind weitere ebenfalls bekannte Spieler am Start.

Zum Schluss noch der Blick auf die Top 10 der Weltrangliste, ein nettes kleines Feature der offiziellen OWGR-Seite. Martin Kaymer ist übrigens 60.


24.03.2014

Du hast ja keine Ahnung, wie cool das ist!



Am Wochenende beginnt endlich der Zipfelmützen-Platzreifekurs! Was sind dagegen schon die Valero Texas Open oder der erstmals ausgetragene EurAsiaCup auf der European Tour? Richtig, halbgare Veranstaltungen im Schatten DES Topereignisses im Golfclub „Drei Gleichen“ in Mühlberg. Aber gerade unser Platzreifekurs motiviert mich, wieder regelmäßiger über das internationale Golfgeschehen zu berichten. Also, auf geht’s!

Arnold Palmer Invitational (PGA Tour) Adam Scott spielte am Donnerstag eine sagenhafte 62, Adam Scott führte nach der zweiten Runde mit sieben und nach der dritten mit vier Schlägen. Wer wohl das Turnier in Orlando gewonnen hat? Matt Every! Denn Scott brach am Sonntag vollkommen ein, brauchte 75 Schläge und musste Every sowie dessen Landsmann Keegan Bradley passieren lassen. Für Every war es der erste Sieg auf der PGA-Tour. Den durfte er auch noch vor der Haustür feiern, denn der 30-jährige stammt aus Daytona Beach und seine ersten Kontakte zum Golfzirkus erlebte er (natürlich) beim Arnold Palmer Invitational. Every war von seinen Sieg so geplättet, dass er bei der Siegerehrung die Frage von Arnold Palmer (zur Einnerung: Arnie gewann in seiner Karriere sieben Majors und 62 Profiturniere), wie er sich fühle mit „Du hast ja keine Ahnung, wie cool das ist“ beantwortete. 2010 saß er mal kurzfristig im Knast, weil er gemeinsam mit zwei Kumpels von der Polizei wegen Drogenbesitzes festgenommen wurde. Das Dope gehörte (natürlich!) nur den Kumpels, die PGA-Tour sperrte ihn dennoch für 90 Tage. Every ist nun Achter im FedExCup, die Führung verbleibt bei Jimmy Walker. Erfreulich aus europäischer Sicht die starken Auftritte von Henrik Stenson und Francesco Molinari, die sich den fünften Platz teilten. Weniger stark die Performance anderer Stars: Westwood und Rose scheiterten am Cut, Bubba Watson gab nach einer 83 in Runde 1 auf. Tiger Woods erlebt ein bescheidenes Jahr (FedEx-Cup-189.) und ist momentan verletzt. Und in zwei Wochen ist Masters…

Panama Claro Championship (web.com-Tour) Der Mexikaner Carlos Ortiz feierte den ersten Profisieg seiner Karriere, Alex Cejka verteidigt als geteilter Elfter ganz locker seine Führung in der Saisonrangliste „The 25“.

Mississippi Gulf Resort Classic (Champions Tour) Jeff Maggert gewinnt im tiefen Süden, Bernhard Langer gelingt als geteilter Dritter erneut eine Superplatzierung. Keine Frage, dass der Anhausener seine Führung im Charles Schwab Cup, der Saisonrangliste der alten Herren, souverän verteidigen konnte.

JTBC Founders Cup (LPGA Tour) Karrie Webb holt bei der US-Premiere 2014 der LPGA Tour ihren zweiten Saisonsieg. Für die Australierin, die damit auch wieder die Führung im „Race to the CME Globe“ übernimmt, ist es der 41. LPGA-Erfolg ihrer Karriere. Caroline Masson wird geteilte Zwölfte, Sandra Gal geteilte 34. Bemerkenswert: die erst 16-Jährige Neuseeländerin Lydia Ko wurde Zweite, vor der Finalrunde hatte sie sogar noch geführt.

Nun aber zum bevorstehenden Wochenende. Im Schatten des Zipfelmützen-Platzreifekurses versucht die European Tour ihre Lücken im Kalender mit einem neuen Teamevent zu stopfen. Beim EurAsiaCup in Malaysia trifft Europa auf Asien. Der Waliser Jamie Donaldson sprach sogar schon vom Ryder Cup des Ostens, aber mal ganz ehrlich: davon ist die Veranstaltung weit entfernt. Die vier Millionen Dollar Preisgeld haben aber einige gute Namen, speziell im europäischen Team, angelockt, mit Graeme McDowell sogar einen Spieler, der hauptsächlich auf der PGA Tour spielt. Zudem schwingen mit Jamie Donaldson, Victor Dubuisson (FRA), Gonzalo Fernandez-Castano (SPA), Thomas Björn (DEN), Stephen Gallacher (SCO), Joost Luiten (NED), Pablo Larrazabal (SPA), Thorbjörn Olesen (DEN) und dem spielenden Kapitän Miguel Angel Jimenez (SPA) weitere (form-)starke Spieler für Europa den Schläger in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur. Ohne den vom Thailander Thongchai Jaidee angeführten Asiaten zu Nahe treten zu wollen: die Europäer sind auch ohne Top-Leute wie McIlroy, Stenson, Rose, Poulter & Co., die das Event nicht über den großen Teich locken konnte, klarer Favorit. Denn auch bei den Asiaten fehlen mit Matsuyama, Ishikawa, Choi oder Bae zahlreiche Top-Profis. Nur die Thailänder Jaidee und Schwergewicht Kiradech Aphibarnrat sind auf absolutem Topniveau. Prognose: Europa wird das Ding locker gewinnen! Und Ryder Cup-Feeling wird noch weniger aufkommen als beim Presidents Cup. Apropos Presidents Cup: Vielleicht könnte sich das Turnier zukünftig größer entwickeln, wenn man die Europäer gegen den Rest der Welt (ohne die USA) antreten ließe. Ein paar Südafrikaner oder Australier würden den Vergleich sicherlich etwas mehr auf Augenhöhe heben, auch wenn zum einen die Topleute wie Oosthuizen, Schwartzel, Scott oder Day kaum anreisen dürften und zum anderen die asiatischen Hauptsponsoren der Veranstaltung dieses Globalisierung möglicherweise gar nicht wollen.

Die PGA Tour gastiert vor dem Masters noch zweimal in Texas, diese Woche bei der Valero Texas Open in San Antonio. Diese Turnierwoche nutzen viele Stars, um vor dem Masters noch eine Pause einzulegen, „die Valero“ ist daher eher eines der kleineren regulären Turniere auf der Tour. Aber wie immer gilt, von dem, was auf der PGA-Tour „eher klein“ ist, kann die European Tour meist nur träumen. Mit Zach Johnson und Phil Mickelson, der letzte Woche kurzfristig zugesagt hat und zum ersten Mal seit über 20 Jahren bei dem Turnier antritt, spielen gleich zwei Spieler aus den Top 10 der Weltrangliste mit. Hinzu kommen u. a. der FedExCup-Führende Jimmy Walker, der 2012er-Open-Champion Ernie Els als einer von 13 ehemaligen Major-Siegern oder der Senkrechtstarter der letzten Saison, Jordan Spieth. Leider kurzfristig abgesagt hat der Spanier Sergio Garcia. Deutsche Spieler sind nicht am Start, im Vorjahr war Marcel Siem dank einer Sponsoreneinladung am Start und wurde geteilter Zehnter. Titelverteidiger ist der Schotte Martin Laird. Es geht wie immer um 500 FedExCup-Punkte und der Sieger erhält, soweit er noch nicht auf anderem Wege qualifiziert ist, natürlich eine Einladung zum Masters.

Nach den vier Turnieren in Lateinamerika macht die web.com-Tour diese Woche erstmals in den USA Station. Im Le Triomphe Golf & Country Club in Broussard wird die Louisiana Open ausgetragen. Alex Cejka wird versuchen, seine souveräne Führung in der Saisonrangliste auszubauen. Die Damen starten eine Woche vor ihrem ersten Major bei der Kia Classic im kalifornischen Carlsbad. Der Ort im Umland von San Diego ist wie geschaffen für ein Golfturnier, haben hier doch zwei Marktführer der Golfbranche, TaylorMade und Callaway ebenso ihren Sitz wie der Schlägerhersteller Cobra und die Bekleidungsfirma Ashworth. Caroline Masson und Sandra Gal, die das Turnier 2011 gewann, sind am Start.

Mit Material von golfpost.de

18.03.2014

Die gute 12



Nach vielen Monaten des Schweigens motiviert mich der erste feststehende Termin des Platzreifekurses mal wieder ein paar Worte über das aktuelle Golfgeschehen zu schreiben.

Die PGA Tour befindet sich momentan auf dem Florida-Swing. Sonntag Abend sicherte sich der Australier John Senden bei der Valspar Championship in Tampa Bay im zarten Alter von 42 seinen zweiten Tour-Titel. In einer reichlich merkwürdigen Finalrunde zeigte lange kein Spieler, dass er gesteigertes Interesse hat, das Turnier zu gewinnen. Die vor dem Schlusstag führenden Amerikaner Robert Garrigus und Kevin Na produzierten zunächst Bogeys in Serie, die beide schnell zurückfielen ließen. Immerhin konnte sich Slow-Player Na, der am Samstag so langsam spielte, dass er kurz vor einer auf der PGA-Tour unüblichen Bestrafung stand (die letzte hatte es 1995 (!) gegeben), zum Schluss wieder etwas fangen. Er hatte auf der 18 mit einem langen Putt zum Birdie sogar noch die Möglichkeit Senden in ein Stechen zu zwingen, verzog aber deutlich. Senden, der am Sonntag ebenfalls mit Problemen zu kämpfen hatte, drehte ausgerechnet in der sog. Snake Pit, den letzten drei Löchern, auf dem Copperhead Course auf. Das Finish ist statistisch nach dem Quai Hollow Club in Charlotte (wo im Mai immer die Wells Fargo Championship ausgetragen wird) das schwierigste auf der PGA Tour, doch ausgerechnet hier gelangen Senden mit einem eingelochten Chip aus dem Vorgrün auf der 16 und einem Mega-Putt auf der 17 die entscheidenden zwei Birdies. Senden freut sich nun neben einem Eine-Million-Dollar-Scheck und 500 FedEx-Cup-Punkten hauptsächlich über ein Ticket zum Masters in Augusta. Deutsche Spieler waren nicht am Start. Im FedExCup verteidigte Jimmy Walker in Abwesenheit seine Führung, aber das war auch schon vor dem Turnier klar. Denn Walker spielt die Saison seines Lebens. Deshalb möchte ich einen letzte Woche begonnenen, aber nicht zu Ende geschriebenen Artikel über ihn, hier einfügen.

Man stelle sich vor, der 1. FC Nürnberg wird deutscher Fußballmeister. Oder Mainz 05 qualifiziert sich für die Champions League. So oder so ähnlich ist das mit Jimmy Walker und seiner Saison. Jimmy Walker ist das Nürnberg der PGA Tour. Ähnlich wie die Franken oder Rheinhessen in der Bundesliga, war Walker seit 2001 immer irgendwie Mitglied der PGA Tour. Ohne weiter groß aufzufallen. Er spielte fleißig mit, sammelte regelmäßig genug Punkte und Dollars, um Tourmitglied zu bleiben. Aber Erfolge, Siege, Ausreißer nach oben? Fehlanzeige! Doch dann begann die Saison 2013/14. Und Walker siegte beim ersten Turnier der neuen Saison, der Frys.com Open in Kalifornien. Damals, im Herbst 2013, werteten die Experten das ganze noch als Ausrutscher. Und der geschah bei einem Turnier wie der Frys.com, die zu den kleineren der PGA-Tour zählt. Mit entsprechend übersichtlichem Starterfeld. Doch es sollte nicht bei diesem Ausrutscher bleiben. Der 35-jährige Walker fand Gefallen am Gewinnen, holte sich bei der Humana Challenge im Januar und dem Pebble Beach National Pro-Am im Februar zwei weitere Siege. Drei Erfolge innerhalb von acht Turnierstarts, dazu kamen bis heute fünf weitere Top 25-Platzierungen. Walker führt die FedExCup-Saisonwertung seit Wochen und Monaten überlegen an, ist in der Weltrangliste unter die Top 25 geklettert. Ein ewiger Mitläufer ist plötzlich ganz oben angekommen und hat beste Aussichten, im September in Schottland für die USA beim Ryder Cup abzuschlagen. Auch in der US Ryder Cup Points List führt er. Natürlich… Denn Walker ist jetzt ein Gewinner.

Wenn ich über die Valspar Championship spreche, muss ich auch ein Wort zu John Daly schreiben. DER Exzentriker auf der Tour, der dank einer Sponsoreneinladung in Tampa Bay abschlagen durfte, benötigte für seine Freitagsrunde nicht weniger als 90 Schläge. Für uns als blutige Anfänger wäre es sicher ein nettes Ziel, den Platz in Mühlberg mal mit 17 Bogeys und einem Doppel-Bogey zu spielen. Doch Daly verdankt seine Rekord-Runde (noch nie benötigte er in seiner ereignisreichen Karriere mehr Schläge für eine Runde) nicht etwa einer Bogey-Serie, sondern hauptsächlich der oben schon angesprochenen 16. Zunächst drivte er den Abschlag ins Wasser. Anschließend wollte er den Ball aus der Dropzone, die sich im Rough befand, über 250 Meter diret aufs Grün nageln, wobei er zwei weitere Bälle zum tauchen schickte. Nachdem er sich endlich dem Loch halbwegs genähert hatte, benötige er drei Chips um aufs Grün zu gelangen und den Putt zur 12 zu versenken. Kommentar von Daly: „Es war eine gute 12. Ich habe nur einen Putt gebraucht.“

Die European Tour gastierte in Marokko, wo auf dem königlichen Grundstück die Trophee Hassan II ausgetragen wurde. Neben Titelverteidiger Marcel Siem traten mit Max Kieffer, Marcel Schneider und Florian Fritsch traten noch drei weitere Deutsche an. Die beiden letztgenannten hatten sich durch gute Platzierungen auf der Pro Golf Tour, sozusagen eine von vier Touren der dritten Liga in Europa, das Startrecht für dieses Turnier erspielt. Und insbesondere Fritsch wusste zu überzeugen, wurde als geteilter 30. am Ende sogar bester Deutscher. Marcel Siem lag bis zu Beginn der dritten Runde hervorragend im Rennen, ehe er sich am Wochenende mit zwei 75er-Runden das Ergebnis verhagelte und 48. wurde. Doch Siem zeigte auf den ersten beiden Runden, dass er nach seiner Rücken-Operation Ende vergangenen Jahres wieder auf dem aufsteigenden Ast ist, die Konstanz wird auch wieder kommen. Max Kieffer wurde 56., Schneider verpasste den Cut. Den Sieg holte sich ganz souverän der Spanier Alejandro Canizares, der dadurch erstmals seit ewiger Zeit wieder unter die Top 100 der Weltrangliste kletterte. Im Race to Dubai, der europäischen Saisonwertung führt weiterhin der Waliser Jamie Donaldson vor Thomas Björn (Dänemark) und Sergio Garcia aus Spanien. Martin Kaymer ist als bester Deutscher 50.

Apropos Kaymer. Platz 50 im Race to Dubai, 134. im FedExCup, 55. in der Weltrangliste. Der Rheinländer sucht weiterhin nach seiner Form. Bei sechs Starts in diesem Jahr steht ein geteilter 31. Platz in Abu Dhabi als bestes Resultat, beim WGC-MatchPlay in Arizona schied er in der ersten Runde aus, bei den anderen Turnieren fand man ihn jenseits des 50. Platzes, bei der Honda Classic verpasste er sogar den Cut. So schnell ist noch kein ehemaliger Weltranglistenerster abgestürzt und die Performance von Kaymer macht nur wenig Mut auf Änderung. Seit er Anfang 2012 begonnen hat, an seinem Schwung zu basteln, bekommt er kaum noch ein Bein auf den Boden. Der Putt beim Ryder Cup war wohl nur ein kurzes Strohfeuer, schon seine Teilnahme verdankte er nur seinen starken Leistungen aus dem Jahr 2011. Seitdem geht es steil bergab und das Tempo wird rasanter. Nach unten. Klar, Golf ist ein schnelllebiges Geschäft, dass zeigten 2013 mit Rory McIlory (im negativen Sinne, er aber 2014 wieder auf dem Weg zu alter Stärke) und Henrik Stenson (im positiven Sinne) auch andere Profis, aber zur Zeit machen die Auftritte Kaymers nur wenig Hoffnung. Nächste Chance in 14 Tagen bei der Shell Houston Open, die er erstmals spielt. Und dann geht’s ja schon zum Masters.

Dort wird mit Bernhard Langer neben Kaymer auch ein zweiter Deutscher im Feld sein. Der zweifache Masters-Champion besitzt ja ein lebenslanges Spielrecht in Augusta. Und angesichts seiner Ergebnisse auf der Champions Tour wäre es auch ein Wahnsinn, wenn Langer sein Recht nicht wahrnehmen würde. Er spielte 2014 drei Turniere bei den Champions, gewann auf Hawaii, wurde Siebter in Boca Raton und belegte gestern bei der ACE Group Classic in Kalifornien den zweiten Platz. Er führt die Saisonwertung, den Charles Schwab Cup souverän an, zudem wurde er im Januar und Februar als Spieler des Monats ausgezeichnet. Und das Langer mit den jüngeren Spielern noch mithalten kann, zeigte er letztes Jahr in Augusta eindrucksvoll, als er zur Hälfte der Finalrunde eine realistische Siegchance hatte. Betrachtet man sich die Formkurven unserer Spieler, würde ich derzeit eher Geld auf Langer als auf Kaymer in Augusta setzen.

Ein anderer Deutscher, der uns derzeit viel Freude bereitet, ist Alex Cejka. Er spielt nach seinem Abstieg vor zwei Jahren auf der web.com-Tour, sozusagen der zweiten Liga unterhalb der PGA-Tour. Und das tut er 2014 ganz hervorragend. Cejka gewann den Saisonauftakt in Kolumbien und belegte gestern bei der Brasil Champions in Sao Paulo den zweiten Platz. Damit hat er nach drei Turnieren bereits soviel Preisgeld erspielt, dass ihm ein Platz unter den ersten 25 der Saisonrangliste und damit die PGA-Tour-Karte für 2015 nicht mehr zu nehmen ist. Bockstark, Alex!

Am kommenden Wochenende lädt Arnold Palmer auf der PGA Tour in seinen eigenen Club nach Orlando ein. Das Arnold Palmer Invitational ist die letzte Station des Florida Swings und gehört zu den bestbesetzten regulären Turnieren der Saison. Ein paar Namen gefällig? Tiger Woods, Masters-Champ Adam Scott, US-Open-Champ Justin Rose, FedExCup- und Race to Dubai-Champ Henrik Stenson, Zach Johnson, Graeme McDowell, Hunter Mahan, Bubba Watson, Lee Westwood, Brandt Snedeker, Keegan Bradley und und und. Wenn der große Arnold Palmer ruft, kommen die Stars. Allerdings keine Deutschen, Martin Kaymer pausiert erneut und bereitet sich auf das Masters vor. Auf der European Tour gibt’s kein Turnier, dafür schlagen die Frauen auf der LPGA Tour nach ihrem Besuch in Ostasien erstmals in den Staaten ab. Sandra Gal und Caroline Masson gastieren im Wildfire Golf Club in Phoenix zum RR Donnelley LPGA Founders Cup. Die web.com-Tour-Profis sind ebenfalls aktiv, gastieren bei der Panama Claro Championship in Mittelamerika. Alex Cejka ist auch am Start und nutzt sein Momentum hoffentlich für eine weitere Topplatzierung. Bernhard Langer hat ja bereits seit einigen Jahren ein Momentum auf der Champions Tour, er duelliert sich ab Freitag mit anderen junggebliebenen Ü50ern bei der Mississippi Gulf Resort Classic in Biloxi.

19.12.2013

WM-Kader 2014 - Die Offensive

Heute möchte ich meinen persönlichen WM-Kader endlich vervollständigen. Beginnen wir im defensiven Mittelfeld. Auf der sogenannten Doppel-Sechs war lange Zeit von einem Überangebot an Top-Spielern zu lesen. Und dann kam auch noch Pep Guardiola und ließ Phillip Lahm bei den Bayern auf der Sechs spielen. In der Nationalmannschaft erschien das angesichts des vermeintlichen Überangebots zunächst undenkbar, doch mittlerweile beschäftigt sich auch Löw angesichts der Verletzungsmisere mit der Frage, wo er Lahm in Brasilien aufstellen wird. Denn aktuell sind mit Bastian Schweinsteiger, Ilkay Gündogan, Sami Khedira und Sven Bender alle meine vier Nominierungen für die WM verletzt. Während die beiden Dortmunder bereits zu Beginn der Rückrunde wieder zurückerwartet werden, ist die Situation insbesondere bei Sami Khedira komplizierter. Er wird mit seinem Kreuzbandriss wohl bis mindestens April ausfallen, ob er bis zum Juni für die extremen Klimabedingungen in Brasilien wieder vollständig fit ist, ist mehr als fraglich. Dennoch lasse ich Khedira bis auf weiteres im WM-Kader, der Mann verkörpert absolute Weltklasse und bildet mit Bastian Schweinsteiger ein kongeniales Duo. Apropos Schweinsteiger. Der Bayern-Kapitän ist zur Zeit mal wieder verletzt. Mal wieder nicht schwer, aber mal wieder geht Zeit ins Land und so langsam macht mir die Verletzungsanfälligkeit Sorgen. Dennoch ist Schweinsteiger ebenso wie Khedira absolut gesetzt. Mit Gündogan und Sven Bender hat der Bundestrainer hervorragende Optionen, dazu kommen die auch auf der Sechs einsetzbaren Lars Bender und Phillip Lahm. Wenn wir unser defensives Mittelfeld verletzungsfrei und fit in Brasilien an den Start kriegen, ist die Qualität in Spitze und Breite beeindruckend.

In der offensiven Mittelfeldreihe stehen in meinem Kader sechs Tickets zur Verfügung. Das klingt zunächst viel. Allerdings fallen mir mit Kroos, Özil, Reus, Schürrle, Müller, Götze, Sam, Podolski, Draxler und Holtby spontan und ohne groß nachdenken zu müssen zehn Spieler ein, die für diese sechs Tickets in Frage kommen. Spielen wir also „sechs aus zehn“. Absolut gesetzt in meinem WM-Kader sind Kroos, Schürrle, Müller und Reus. Damit bleiben nur noch zwei Tickets übrig und ich habe (absolut bewusst und das werde ich auch gleich begründen) noch nicht einmal Götze und Özil, die gemeinsam für knapp 90 Millionen vor der Saison die Vereine gewechselt haben, im Kader. Warum tue ich mich bei den beiden so schwer? Sie verkörpern beide fraglos sportlich (!) absolute Weltklasse. Rein sportlich betrachtet gehören sie also ohne wenn und aber in den Kader. Aber, um es einfach auszudrücken, ich habe, wenn ich sie spielen sehe, nie das Gefühl, mit den beiden Jungs einen Krieg gewinnen zu können. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Mesut Özil gegen Brasilien im Maracana gegen 90 000 Zuschauer und bei fürchterlichen klimatischen Bedingungen für uns das Spiel gewinnen kann. Wenn ein Spiel läuft, wenn Räume da sind, dann ist Özil wahnsinnig gut. Dann spielt er Traumpässe, setzt seine Mitspieler in Szene, spielt sich in einen Rausch. Wenn es aber darum geht, die Mannschaft an einem schweren Tag zu führen, ein Spiel herumzureißen, sich in ein Spiel reinzukämpfen, sich gegen einen Gegner die nötigen Räume ersteinmal zu erarbeiten, dann ist Özil von Weltklasse weit entfernt. Oder, um es anders zu sagen: Özil geht mit der Mannschaft unter. Man sieht ihn an solchen Tagen nicht. Wie viele große Titel hat Özil gewonnen? Er ist einmal spanischer Meister geworden. Aber sonst? Champions League? In den großen Spielen gegen Bayern oder Manchester United, bei denen Real ausschied, war er nicht zu sehen. Nationalmannschaft? EM-Halbfinale gegen Italien? Alle Welt erinnert sich an die Muskeln von Balotelli. Aber an Özil? Erst am Sonntag beim Spitzenspiel in England war von Özil bei der Arsenal-Niederlage gegen Manchester City nichts zu sehen. Und das er sich nach dem Spiel verpissen wollte, anstatt sich in der Fankurve zu bedanken, sagt einiges über seinen Charakter. Ich hatte gehofft, dass er sich in England, was diese Defizite angeht, weiterentwickelt. Leider war die Zeit dafür wohl bisher zu kurz. Kommen wir zu Mario Götze. Ich bin zwar kein BVB-Fan, aber sein Wechsel zu den Bayern sagt für mich viel über ihn aus. Seine Vorstellung im Nike-Shirt dann den Rest. Ein großer Spieler hätte versucht, die Champions League mit Dortmund zu gewinnen. Ein Triumph in der Königsklasse in schwarz-gelb hätte ihn unsterblich gemacht. Bei Bayern ist er einer unter vielen, gewinnt von der Ersatzbank aus die Titel. Götze hat sich für den bequemen Weg entschieden. Genauso sehe ich ihn auch in der Nationalmannschaft. Ähnlich wie bei Özil geht mir das körperliche in seinem Spiel vollkommen ab. Wunderbar zu beobachten war dies zuletzt im Testspiel gegen Italien, als er sich von seinen italienischen Gegenspielern ohne große Gegenwehr abkochen ließ. Nach soviel Kritik erstaunt vielleicht meine Entscheidung, Götze und Özil dennoch zu nominieren. Man darf aber nicht vergessen, dass beide Spieler einfach eine wahnsinnige Qualität besitzen, an der ich für meinen WM-Kader einfach nicht vorbeikomme. Und bitte nicht vergessen: die von mir geäußerte Kritik war sicherlich „Jammern auf hohem Niveau“, aber wenn die beiden Spieler den nächsten Schritt gehen wollen, müssen sie an diesen Punkt arbeiten. Auch wenn ich das unter Berücksichtigung meiner Vorstellung von Fußball vielleicht zu kritisch sehe. Im Ergebnis müssten also Sam, Podolski, Draxler und Holtby zu Hause bleiben. Eigentlich ein absoluter Wahnsinn.

Wie würde Christian jetzt sagen: „Eigentlich“ impliziert immer das Gegenteil. Denn, auch nach einer Diskussion letztens mit ihm, bin ich doch noch etwas unschlüssig, ob ich mit Miroslav Klose, Mario Gomez und Max Kruse wirklich drei Stürmer mit nach Brasilien nehme, oder einen der drei Plätze noch einen der zu Hause gebliebenen Mittelfeld-Asse gebe. Oder lasse ich Sven Bender zu Hause? Mmmh… Schwierig. Während vor einem knappen Jahrzehnt Christian Ziege plötzlich auf seine alten Tage nochmal im EM-Kader von Rudi Völler für Portugal stand, muss dessen Nach-Nachfolger heute überlegen, welche der genannten, gestandenen Champions-League-Spieler, er zu Hause läßt. Und einen „neuen Odonkor“ habe ich da auch noch nicht berücksichtigt. Spieler wie Timo Werner vom VfB Stuttgart oder Kevin Volland aus Hoffenheim gehören in diese Kategorie. Aber zurück zum Sturm. Auch da blickte Jogi lange besorgt in die Krankenhäuser Italiens, denn Klose (der sich aber am Wochenende mit einem Doppelpack grandios wieder zurückgemeldet hat) und Gomez (fällt noch bis Januar aus) lagen bzw. liegen jeweils mehrere Wochen flach. Eine Lücke in die Max Kruse gestoßen ist, der bei seinen Länderspielauftritten als zentraler Stürmer durchaus zu gefallen wusste. Der Gladbacher präsentierte sich auf der Neun wesentlich stärker als ein Mario Götze. Das Experiment der „falschen Neun“ halte ich für grandios gescheitert. Ich mag diese Art Fußball nicht, dieses System nicht und mit Götze habe ich ja auch so meine Problemchen. Deutschland braucht einen starken zentralen Stürmer. Und weil eben „nur“ EIN Platz in der Startelf frei ist und wir mit Thomas Müller eine bärenstarke Alternative für die Neun haben, würde ich nun doch nur zwei zentrale Stürmer mitnehmen: Miroslav Klose (den ich dank seiner unermüdlichen Arbeit und seines Torinstinkts gottgleich verehre) und Max Kruse. Sollte Mario Gomez nicht eine formidable Rückrunde in Florenz spielen, wäre er bei mir nicht dabei. Statt ihm würde ich dann doch noch Julian Draxler ODER Lewis Holtby nominieren. Holtby kam nach einem schwierigen ersten Jahr unter Vilas-Boas in Tottenham zuletzt vermehrt zu Startelfeinsätzen und wusste dabei durchaus mit Toren und Vorlagen zu überzeugen. Draxler ist unumstrittener Stammspieler bei Schalke 04, wo er, wie aus meiner Sicht der ganze Klub, unter Jens Keller und seiner Abschiebung auf die linke Seite leidet. Draxler ist auf der Zehn stärker, Boateng würde ich auf die Sechs oder Acht stellen. Aber das ist Schalke und das würde zu weit führen. Stand heute würde ich Julian Draxler den Vorzug geben.

Alles in allem sieht mein WM-Kader damit so aus:


Manuel
Neuer
Roman 
Weidenfeller
Marc-Andre
ter Stegen
Marcell
Jansen
Phillip
Lahm
Mats
Hummels
Per
Mertesecker
Jerome
Boateng
Benedikt
Höwedes
Lars
Bender
Sami
Khedira
Bastian Schweinsteiger
Ilkay
Gündogan
Sven
Bender
Toni
Kroos
Mesut
Özil
Marco
Reus
André
Schürrle
Thomas
Müller
Mario
Götze
Miroslav
Klose
Max
Kruse
Julian
Draxler