09.04.2012

Ein Albatross macht noch keinen Sommer

Masters-Sonntag! Ich ermittelte um 20:54 Uhr noch in Leipzig am Tatort, als der Live-Ticker von www.spox.com mein iPhone erbeben ließ. Florian Regelmann, der Golf-Liveticker-Gott himself, meldete folgendes aus Augusta:

LOUIS OOSTHUIZEN! Albatross an der 2!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Ich werd bekloppt! Ich fass es nicht! Einer der größten Golfschläge ever. Oosthuizen locht seinen zweiten Schlag am Par 5 aus 235 Metern ein, erstes Double-Eagle an der 2 in der Geschichte des Masters. Der Ball landet perfekt Anfang Grün, nimmt den Break an und läuft dann wie von Magie geleitet den Hügel hinunter nach rechts in Richtung Loch - und nach einer gefühlten Ewigkeit fällt er schließlich. Ein Traum. Einfach nur ein Traum. Oosthuizen plötzlich bei -10 und in Führung. Dieser Schlag hat auf einen Schlag erst mal alles geändert.

Sollte ich wirklich bis dreiviertelzehn im Ersten bleiben oder pünktlich um neun nach Augusta zappen. Eine sensationelle Schlussrunde kündigte sich an. Dennoch entschied ich mich für den Tatort, weil der am heutigen Ostermontag fortgesetzt wird. Der zuständige ARD-Redakteur ahnte bei der Programmplanung wohl nix von der Dramatik, die sich zeitgleich in Augusta abspielen würde. Oder ist er etwa kein Golf-Fan? Nein, das kann nicht sein, denn was Bubba, Louis, Phil & Co. für eine Show boten, dass muss man einfach lieben. Bubba. Louis. Phil. Und was ist mit Martin, Tiger und Rory? Die waren, als ich nachm Tatort auf den Golfplatz wechselte, schon lange im Clubhaus. Für alle drei enttäuschend, doch wenigstens bei Martin Kaymer muss man einfach dran denken, dass er in Augusta zum ersten Mal den Cut geschafft hat, obwohl es von Jahr zu Jahr deutlicher wird, dass ihm der Platz, so schön er auch ist, einfach nicht liegt. Während sein langes Spiel sehr gut war, versagten ihm auf den Grüns die Nerven. Ein Putt nach dem anderen geriet zu kurz, zu lang oder sonstwas. Sein langes Spiel hätte ihm viele Möglichkeiten eröffnet, doch die Grüns verbauten ihm jede Chance auf eine Platzierung im Vorderfeld. Für Tiger, der nach seinem Sieg beim Arnold Palmer Invitational vor 14 Tagen in Amerika schon wieder gottgleich verehrt wurde, lief es das ganze Wochenende nicht und wie sich Rory McIlroy nach gutem Start (- 4 am Freitagabend) am Wochenende raus schoss, erinnerte an das Finaltags-Drama im vergangenen Jahr.

Verlierer sind auch die Engländer. Klar, mit Westwood (T3), Poulter (7) und Rose (T8) konnten sie drei in den Top Ten platzieren, aber insbesondere Westwoord kann sicherlich keine guten Platzierungen bei Major-Turnieren mal sehen. Lee würde sein mittlerweile 13 Top-Ten bzw. sieben Top-Drei-Platzierungen bei Major-Turnieren wohl sofort gegen einen Major-Sieg eintauschen. Westwood spielte wieder gut, sehr gut, aber wieder einmal war irgendwer stärker. Ein Drama! Und auch Englands Trumpfkarte, der Weltranglisten-Erste Luke Donald, stach nicht, er wachte erst am Sonntag auf, seine 68 reichte nur noch für eine Verbesserung auf Platz 32.

Bubba Watson gewann so sein erstes Major-Turnier, ein Triumph der den Long-Hitter aus Flordia, zu massig Freudentränen rührte. Und Louis Oosthuizen, der 2010 bei der Open Championship seinen ersten und einzigen Major-Sieg gefeiert hatte, blieb die Erkenntnis, dass ein Albatross allein noch keinen Sommer macht. Denn nach dem Albatross gelang Oosthuizen zu wenig, er spielte zwar einen glanzvollen Putt nach dem anderen, doch zu oft musste er mit diesen Traumputts vorherige Fehler ausbügeln und sich ins Par retten. Ihm gelang es nicht, dass ein oder andere Birdie einzustreuen, er lag zwar nach seinem Albatross den ganzen Abend über in Führung, proftierte dabei aber (zu) lange nur von den Fehlern der Anderen (Mickelson auf der 4 hinter die Tribüne, Kuchar mit Alptraum-Bogey auf der 16 nach Traum-Eagle auf der 15 usw.).

Viele weitere Informationen zum Masters hab ich Euch auf ein paar Links zusammengestellt, insbesondere der SPOX-LIVE-TICKER von gestern Abend ist mehr als nur lesenswert!

Endstand des Masters 2012

Stand im OFFICIAL WORLD GOLF RANKING nach dem Masters


PGA-TOUR Stand im FedExCup nach dem Masters

EUROPEAN TOUR Stand im Race to Dubai nach dem Masters


SPOX-Bericht zum Finaltag in Augusta

Die FAZ über Kaymer, im Bericht sind weitere Artikel verlinkt

Wirklich lesenswert ist immer auch die Par-10 von spox.com, die aber noch nicht online ist. Sobald das der Fall ist, findet Ihr sie auf einem der Spox-Links im grauen Balken (Tag 1 / Tag 2 / Tag 3 / Tag 4 / PAR-10 / Diashow).

04.04.2012

Das Masters - Golf im Garten

Am Osterwochenende findet das Masters statt - vier Feiertage für alle Liebhaber des Golfsports. Das Masters wird heute als das berühmteste Golf-Turnier des Planeten bezeichnet. Erstaunlich, denn es ist das jüngste der vier großen Major-Turniere. Zum ersten Mal wurde es 1934 ausgetragen. Die Open Championship sind schlappe 74 Jahre älter, sie fand erstmals 1860 statt.

Doch das ist nicht der einzige interessante Fakt zu diesem Turnier, dass alljährlich im Augusta National Golf Club im US-Bundesstaat Georgia ausgetragen wird. Auch das ist übrigens ein Alleinstellungsmerkmal. Denn während die anderen Major-Turniere von Jahr zu Jahr auf einem anderen Platz ausgetragen werden, findet das Masters immer in Augusta statt. Sicherlich macht auch dieser so traumhaft schöne Platz mit seinen majestätischen Bäumen und Blumenteppichen einen Teil des Mythos Masters aus. Wie sagte Martin Kaymer dieser Tage in einem Interview mit dem kicker: „Ich fühle mich hier wie in einem schönen Garten, in dem ich eine Runde Golf spielen darf.“

Der Platz gilt als der bestgepflegteste Golfplatz der Welt. Er ist nur wenige Monate im Jahr zum Spielen geöffnet (natürlich nur für die Mitglieder), der Rest des Jahres dient der Vorbereitung des Masters-Turniers im April. Der Perfektionismus des Clubs treibt dabei einige außergewöhnliche Blüten: Für das perfekte Bild im TV wird das Wasser blau und das Gras grün gefärbt. Der beige Sand in den Bunkern wird durch extra aus North Carolina herangeschafften, schneeweißen Quarzsand ersetzt. Mit UV-Lampen werden schattige Teile des Platzes bestrahlt, Magnolien und Rhododendron werden mittels Beheizung zeitgenau zur Masters-Woche zum Blühen „gezwungen“, die Grüns haben Rasenheizungen.

Veranstaltet wird das Turnier vom 1932 gegründeten Augusta National Golf Club (ANGC). Doch der Name täuscht, der Club ist keinesfalls ein Club für die ganze Nation. Zu jedem Zeitpunkt soll der Club etwa 300 Mitglieder haben, die einem elitären Zirkel aus Wirtschaft und Politik angehören. Wer genau zu diesem priviligierten Kreis gehört, darüber schweigt sich der ANGC aus. Alleine Geld reicht übrigens nicht aus, um Mitglied zu werden. Während man bei anderen Golf Clubs auf dessen Homepage den Antrag als pdf herunterladen kann, gibt es solchen neumodischen Schnickschnack in Augusta nicht. Es gibt auch keinen anderen offiziellen Aufnahme- oder Bewerbungsprozess, dem man sich stellen könnte. Vielmehr wählt der Club selbst aus, wem er eine Einladung zur Mitgliedschaft übermittelt. Laut Wikipedia wird eine solche Einladung nicht durch einen Telefonanruf oder Brief übermittelt, sondern durch das kommentarlose Zusenden der Rechnung über den Mitgliedsbeitrag. Zahle der Empfänger, so sei er lebenslänglich aufgenommen.

Im exclusiven Kreis der 300 Mitglieder war übrigens noch nie Platz für eine Frau. Zwar gibt es offiziell keine Regelung, die die Aufnahme von Frauen verbietet, es ist aber auch noch nie eine eingeladen worden. Deshalb haben einige Frauenrechtlerinnen den ANGC auf dem Radar. Eine ganz besonders Engagierte unter jenen startete Anfang des Jahrtausends eine Kampagne, bei der sie zur Widerwahl stehende Politiker um eine öffentliche Stellungnahme zu dieser Praxis bat. Da die gute Frau auch Protestkundgebungen am Masters-Wochenende organisieren wollte, erwirkte der ANGC kurzfristig bei der Stadtverwaltung Augusta mühelos eine drei Kilomter breite Demonstrationsbannmeile. Das zeigt die Stellung des Clubs in der Stadt, der Protest verpuffte. Der öffentliche Druck (auch die Werbepartner des ANGC waren Zielscheibe der tobenden Weiblichkeit) führte aber tatsächlich zum Rückzug zahlreicher Sponsoren des Masters, was widerrum zur Folge hatte, dass die TV-Übertragungen 2003 und 2004 ohne Werbeunterbrechungen liefen. An der Einladungspraxis hat sich bis heute allerdings nichts geändert.

Der Sieger des Masters erhält neben einem dicken Preisgeld das berühmte Grüne Sakko (Green Jacket). Zur Siegerehrung erhält der Gewinner das Sakko eines Mitgliedes des ANGC, anschließend wird er vermessen und erhält ein maßgeschneidertes. Das darf er dann ein Jahr behalten, anschließend wird es im Clubhaus verwahrt und steht dem Eigentümer bei seinen Besuchen im Club jederzeit zur Verfügung. Auch mehrfache Sieger bekommen also keine Platzprobleme im Kleiderschrank. Außerdem erhält der Sieger ein lebenslanges Spielrecht beim Masters-Turnier. So dürfte theoretisch auch Doug Ford, der Sieger des Jahres 1957, am Donnerstag antreten. Ford, der zur Zeit älteste noch lebende Masters-Gewinner, wird im August 90 Jahre alt und wird von seinem Recht wohl keinen Gebrauch machen. Im Gegensatz dazu wird Bernhard Langer, dessen Triumph 1985 der erste Sieg eines Deutschen in Augusta (und bei einem Major-Turnier überhaupt) war und den er 1993 wiederholte, auch 2012 spielen. Langer, der Mitte 50 ist, schaffte zuletzt 2005 den Cut, 2011 hatte erstmals seit 1983, verletzungsbedingt, gar nicht am Masters teilgenommen. Neben Langer tritt mit Martin Kaymer ein zweiter Deutscher an. Sein Ziel dürfte es sein, den Cut zu schaffen. Das ist ihm bei seinen vier bisherigen Auftritten in Augusta nicht geglückt. Während Kaymer bei den drei anderen Majors schon jeweils mindestens eine Top Ten-Platzierung erreicht hat, ist er mit dem Platz in Augusta noch nicht warm geworden. Das könnte auch daran liegen, dass der Platz genauso schwer wie schön ist. Zuletzt schaffte Zach Johnson (USA), als dritter Spieler der Masters-Geschichte, 2007 das Kunststück, das Turnier zu gewinnen, obwohl er nach vier Runden einen Schlag über Par lag.

Nun noch ein wenig Zahlensalat. Rekordsieger des Masters ist Jack Nicklaus, der zwischen 1963 und 1986 sechs grüne Sakkos gewann. Bei seinem Sieg 1986 war er mit 46 Jahren und 82 Tagen auch der älteste Masters-Sieger aller Zeiten. Der jüngste Champion war mit 21 Jahren und 104 Tagen 1997 Tiger Woods. Überhaupt legte Tiger 1997 einen geschichtsträchtigen Auftritt hin. Neben seinem Altersrekord gewann er nämlich auch mit dem besten Ergebnis der Turniergeschichte (- 18) und hatte den größten Vorsprung auf den Zweitplatzierten (12 Schläge). Der jüngste Teilnehmer aller Zeiten ist der Italiener Matteo Manassero, der 2010 im zarten Alter von 16 Jahren und 356 Tagen nicht nur teilnahm sondern auch den Cut schaffte. Der Südafrikaner Gary Player ist mit 52 Teilnahmen der Rekordhalter in dieser Kategorie. Player war 1961 auch der erste Nicht-Amerikaner der das Turnier gewann. Er beendete damit eine Serie von 24 Siegen für die US-Boys. Bis zum ersten Triumph eines Europäers dauerte es nochmal fast 20 Jahre länger, erst 1980, bei der 44. Ausgabe des Turniers holte Spaniens Golf-Legende, der im letzten Jahr leider viel zu früh verstorbene Seve Ballesteros, den Titel erstmals auf den alten Kontinent. Der letzte europäische Sieg liegt mittlerweile auch schon wieder 13 Jahre zurück: 1999 gewann der Spanier José María Olazábal. Insgesamt 16 Spieler haben das Turnier mehr als einmal gewonnen, darunter sind nur Fünf-Nichtamerikaner.

Werfen wir zum Schluss noch einen Blick auf die Insel: die Engländer, eine DER Golf-Nationen unseres Planeten, haben nicht nur bei Fußball-Turniere eine bemerkenswerte Dauer-Krise. Seit 16 Jahren, also seit 1996, als Nick Faldo in Augusta das Masters gewann, haben die Golfer aus dem Drei-Löwen-Staat kein einziges Major-Turnier mehr gewonnen. Sie haben unbegreifliche 63mal in Serie erfolglos versucht, einen Masters-Titel nach England zu holen. Umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die Engländer mit Lee Westwood, Ian Poulter, Luke Donald, Justin Rose oder Paul Casey (um nur die allerwichtigsten zu nennen) aktuell über eine europaweit einzigartige Dichte an absoluten Weltklasse-Golfern verfügen. Einen Major-Titel konnte aber bisher keiner dieser Spieler in seiner Karriere gewinnen. Die Engländer also in der Major-Krise. Und ob sich das ausgerechnet in Augusta ändern wird, ist fraglich. Schließlich ist Nick Faldo der einzige Engländer, der bisher das Masters gewinnen konnte.

Mit Material vom Kicker, Wikipedia, dem tollen Blog von Adrian Grosser, der FAZ und der Welt

30.03.2012

Ein Jahr auf der Tour

Im dritten Teil meiner Golf-Serie gibt's heut was für die Augen... Das Jahr auf der PGA- und der European Tour in einer grafischen Darstellung. Mit allen aktuellen Champions der Majors, WGC, Flagship-Events und des Tour-Finals. Zu FedEx-Cup und anderen Dingen gibts in Zukunft noch ein paar Details in weiteren Beiträgen, der angekündigte Beitrag über die wichtigsten Turniere folgt, ich hatte jetzt eher Lust, mich mal wieder im Word mit der Tabellenfunktion auszutoben.

Nächste Woche gibts dann ein paar Kuriositäten zum Masters, dem ersten Major des Jahres, welches ja am kommendem (Oster-)Wochenende stattfindet. Unter anderem beantworte ich die Frage, warum das Masters 2003 ohne Werbeunterbrechung im amerikanischen Fernsehen übertragen wurde und weshalb eine Frauenrechtlerin daran schuld war.

Jetzt aber erstmal die Grafik, die insbesondere das optisch darstellt, was ich im ersten Beitrag in dürre Worte gefasst hatte.



14.03.2012

Wer ist der beste Golfer der Welt?

Nach dem ein oder anderen Strauß Blumen für meinen ersten Golfartikel möchte ich heute mal die Frage aufwerfen, wer denn der beste Golfer der Welt ist bzw. ob man dies überhaupt seriös beantworten kann. Denn, wie im ersten Artikel geschrieben, konkurrieren ja mit der PGA und der European Tour zwei Turnierserien parallel und nahezu auf Augenhöhe. Dazu kommen noch zahlreiche kleinere Serien. Auf den ersten Blick könnte man also meinen, dass die Situation vergleichbar mit dem Profi-Boxen ist, wo man ja auch nur schwer sagen kann, wer momentan der beste Boxer der Welt ist, da jeder der großen Verbände seine eigenen Weltmeister krönt.

Während es im Profiboxen aber keine offizielle, einheitliche Weltrangliste gibt (es gibt nur sog. unabhängige Ranglisten), existiert eine solche im Golfsport: das OWGR, das Official World Golf Ranking, im Deutschen meist als Golfweltrangliste bezeichnet. Im OWGR fließen die Resultate der vier Major-Turniere und die Ergebnisse der anderen Turniere auf den Profi-Golftouren ein. Das OWGR basiert auf Punkten, die bei den Turnieren verteilt werden. Die Punkte richten sich nach verschiedenen Kriterien:

- Zugehörigkeit zu welcher Tour
- Art des Turniers
- Qualität der teilnehmenden Spieler

Für einen Sieg bei einem der vier Major-Turniere erhält ein Spieler 100 Punkte. Mehr Punkte kann ein Spieler nirgendwo erzielen, die Major-Turniere sind also entsprechend ihrer Bedeutung auch die für das OWGR wertvollsten Turniere.

Viele Punkte kann ein Spieler auch bei den vier WGC-Turnieren (siehe erster Artikel) sammeln, da ja auch hier die besten Spieler aller Touren gemeinsam antreten. So erhielten die Sieger der ersten beiden WGC-Turniere in diesem Jahr, Hunter Mahan und Justin Rose, 76 bzw. 78 Punkte für ihren jeweiligen Sieg.

Bei der dritten Kategorie, den regulären Turnieren, ist die Streuung der Punktzahlen sehr groß. Die Unterschiede liegen zwischen 20 (für den Sieg bei den „Africa Open“ auf der European Tour) und 80 Punkten für den Sieg bei der „Players Championship“ auf der PGA Tour, dem wichtigsten regulären Turnier im Golf. Auf den kleineren Touren gibt es teilweise noch weniger Punkte, weil die Qualität des Spielerfeldes oder einfach das Renomee der Tour insgesamt bedeutend schwächer ist.

Generell muss man sagen, dass die regulären Turniere auf der PGA-Tour etwas höher bewertet sind als die auf der European Tour. Das liegt auch daran, dass einige starke europäische und internationale Spieler häufiger (teilweise sogar fast ausschließlich) reguläre Turniere auf der PGA-Tour spielen als umgedreht US-Amerikaner bei regulären Turnieren in Europa anzutreffen sind. Der letztgenannte Fall ist sogar die absolute Ausnahme, die Amerikaner meiden Europa in der Regel.

Auf allen Turnieren erhalten die nächstplatzierten Spieler prozentual abgestuft weniger Punkte. Der Zweite erhält 60 % der Punkte des Siegers, der Zehnte 14 % und der 60. erhält immerhin noch 1,5 %.

Alle Punkte, die in den letzten zwölf Monaten erzielt wurden, werden zusammenaddiert und durch die Anzahl der gespielten Turniere geteilt. Der Quotient ergibt dann die Punkte in der Golfweltrangliste.

Keine Punkte (und übrigens auch kein Preisgeld) gibt es für Erfolge bei den Mannschaftswettbewerben. Hier spielen die Profis nur um Ruhm und Ehre für ihren Kontinent.

Zur Zeit ist der Nordire Rory McIlroy der Führende im OWGR. Vor zwei Wochen übernahm er die Führung vom Engländer Luke Donald und war damit der zweitjüngste Spieler (jünger war nur Tiger Woods), der jemals die Nr. 1 im OWGR war. Wenn ich schon einmal bei den Rekorden und Zahlen bin, will ich mit einigen noch um mich werfen. Bisher gab es 16 Spieler, die es an die Spitze der 1986 eingeführten Weltrangliste geschafft haben, mit Bernhard Langer (der sogar der allererste Erste war) und Martin Kaymer (der 2011 für acht Wochen die Nummer 1 war) waren auch zwei Deutsche darunter. Kein Spieler hat sich solange an der Spitze des OWGR gehalten wie Tiger Woods. Mit 623 Wochen wird er den Rekord noch sehr lange halten. Zum Vergleich: am zweitlängsten schaffte es Australiens Golf-Legende Greg Norman (331 Wochen), der beste noch auf der Tour aktive Spieler ist der Luke Donald (40 Wochen). Es wird also noch mindestens 583 Wochen (und damit mehr als elf Jahre) dauern, bis Woods dieser Rekord frühestens abgenommen werden kann. Und Woods spielt ja selber noch mit, ist zur Zeit 18. im OWGR. Realistisch ist, dass Woods diesen Rekord noch wesentlich länger halten wird.

Welche Aussagekraft hat das OWGR? Wie so viele Weltranglisten gibt es auch im OWGR einige Kuriositäten. So war der schon vierfache Major-Sieger Phil Mickelson (USA) noch nie die Nr. 1 der Welt, während Lee Westwood und Luke Donald (noch) nie ein Major gewonnen haben und trotzdem schon an der Spitze des OWGR standen. Da die Ergebnisse der letzten zwölf Monate einfließen, kann sich ein Golfer lange an der Spitze bzw. im Spitzenbereich behaupten, obwohl er keine Turniere spielt oder nur schlechte Ergebnisse einfährt. So war Tiger Woods noch bis Oktober 2010 die Nummer 1 der Welt, obwohl er, nach dem Bekanntwerden seiner Sexsucht im Herbst 2009 (Tigergate) im gesamten Jahr 2010 nur zwei geteilte vierte Plätze bei den ersten beiden Majors, aber kein einziges weiteres Top-10-Ergebnis aufweisen konnte. Dennoch ist das OWGR aus meiner Sicht ein relativ nützliches Werkzeug, um die Leistungen der Spieler vergleichbarer zu machen. Eines muss man aber bedenken: die Leistungsdichte im Golf ist wesentlich höher als in anderen Sportarten. Der derzeitige Fußball-Weltranglisten-72. Haiti dürfte wohl gegen Spanien nicht den Hauch einer Chance haben. Im Golf ist es dagegen vollkommen realistisch, dass ein Spieler aus diesem Bereich der Golf-Weltrangliste, ein Turnier gewinnt oder eine vordere Platzierung belegt.

Soviel zum OWGR, das jeden Montag frisch berechnet wird. Den aktuellen Stand gibt’s immer HIER.

Beim nächsten Mal stelle ich euch einige reguläre Turniere auf den beiden großen Touren (PGA und European Tour) vor. Einige Plätze, auf denen diese Turniere gespielt werden, habt ihr (okay, nur auf der PS3 ;-)) sogar schon selbst bespielt.

09.03.2012

Alles über Golf

Der PlayStation sei Dank - bei den Zipfelmützen grassiert das Golf-Fieber.

Nach Tonproblemen lag das Spiel zunächst wie Blei in meinem Wohnzimmerregal, sogar verkaufen wollte ich die Scheibe schon. Bei Sören lief das Spiel problemlos, bei Chrischi auch - also ein letzter Versuch, das Spiel im Hintergrund anlaufen lassen und siehe da - Audio! Seitdem duellieren wir uns auf legendären Golfplätzen vor der Kulisse atemberaubender Landschaften. Es wird Zeit, den Sport Golf im allgemeinen und das System des Profi-Golf etwas näher zu beleuchten. Damit Einsteiger den Überblick nicht gleich verlieren, möchte ich manches Detail hier bei dieser Einführung außer Acht lassen.

Die Touren

Die Golf-Saison läuft über das ganze Jahr. Sie beginnt im Januar und endet im Dezember. Zwei Organisationen dominieren das professionelle Golf und sind der "Spielplatz" für die besten Profis der Welt: Einerseits die nordamerikanische PGA-Tour und zum anderen die European Tour. Es gibt noch zahlreiche weitere Touren, die aber nur eine regionale Bedeutung haben, für Nachwuchsspieler aber durchaus interessant sind. Dazu gehören beispielsweise die Sunshine Tour in Südafrika, die Asian Tour oder die Japan Golf Tour.

Die Turniere

Wie oben bereits angesprochen möchte ich (noch) nicht zu sehr ins Detail gehen. Deswegen genügt es heute, wenn wir vier Arten von Turnieren
unterscheiden:

1. Reguläre Turniere
2. die vier Major-Turniere
3. die vier Turniere der World Golf Championship (WGC) 4. Mannschaftsturniere

Die regulären Turniere bilden den Schwerpunkt der Saison. Auf der PGA-Tour finden, je nach Zählweise zwischen 30 und 40 reguläre Turniere statt, einige, unbedeutendere, auch parallel zu den Major bzw. WGC-Turnieren. Mit wenigen Ausnahmen (Mexiko, Kanada, Puerto Rico) finden alle Turniere in den USA statt. Der Schwerpunkt liegt in den südlichen Bundesstaaten. Eine ähnliche Anzahl von regulären Turnieren wird auf der European Tour gespielt. Allerdings findet etwa die Hälfte der Turniere gar nicht in Europa statt. Die European Tour expandiert in den letzten Jahren immer stärker. Zum Auftakt im Januar wird eine Serie von Turnieren in Südafrika gespielt, anschließend geht es auf die arabische Halbinsel, wo in den letzten Jahren einige der Öl-Milliarden auch in Golfplätze investiert wurden. Später im Jahr folgen dann noch zwei längere Perioden in Südostasien. Nur im Frühjahr und Sommer wird die European Tour ihrem Namen gerecht, wenn zwischen Schottland und Spanien gespielt wird.

Höhepunkte der Saison sind die vier Major-Turniere. Hier (und bei der WGC) treffen sich die besten Profis beider Touren und spielen gemeinsam um die vier legendären Titel.

Den Auftakt bildet das Masters in Augusta im April. Beim bedeutendsten Golf-Turnier der Welt spielen die Spieler, neben einem fürstlichen Preisgeld, nicht um einen fetten Pokal, sondern um das legendäre Grüne Sakko (Green Jacket). Das Masters ist das einzige der vier Majors, welches immer auf dem gleichen Platz ausgetragen wird, nämlich in Augusta im US-Bundesstaat Georgia.

Das zweite Major sind die US Open, die alljährlich im Juni ausgetragen werden. Die Austragungsorte wechseln von Jahr zu Jahr. Typischerweise sind die Plätze sehr schwer, der Sieger gewinnt meistens mit nur wenigen Schlägen unter Par.

"The Open Championship" ist das dritte Major und das einzige, welches nicht in den USA, sondern in Großbritannien ausgetragen wird. Außerhalb des UK wird es deshalb oft auch als "British Open" bezeichnet. Das Turnier wird im Juli an wechselnden Orten in England und Schottland ausgetragen, immer aber auf einem sogenannten Links-Platz. Einen Links-Platz, der immer am Meer gelegen ist, zeichnen hohe Dünen, natürliche Sandkuhlen und karger Grasbewuchs aus. Bäume fehlen gänzlich, Unregelmäßigkeiten im Gelände werden belassen und meist peitscht ein starker Wind ? kurz gesagt: raues Küstenklima.

Den Abschluss der Majors bildet im August die PGA-Championship, die, wie auch die US Open, immer auf wechselnden, meist parkähnlichen Plätzen in den USA ausgetragen werden.

Weitere vier Turniere haben den Status "World Golf Championship", womit wir bei der dritten Art von Turnieren sind. Ähnlich wie bei den Majors stehen sich die Profis der PGA und der European Tour hier gegenüber - ein Umstand, der die Turniere, neben dem Preisgeld zu besonderen Höhepunkten im Jahr macht. Die Turniere finden im Februar in Arizona, im März in Florida, im August in Ohio und im November in China statt. Ab dem Jahr 2013 soll ein fünftes WGC-Turnier im Dezember in Südafrika veranstaltet werden.

Golf ist ein Individualsport, doch einmal im Jahr treffen sich die Stars zu Mannschaftswettbewerben.

In geraden Jahren duellieren sich Europa und die USA um den legendären Ryder Cup. Seit 1927 wird das Turnier alle zwei Jahre ausgetragen. Bis in die 70er Jahre war es ein Duell zwischen dem Vereinigten Königreich und den USA. Doch da die Spieler von der Insel regelmäßig verloren, holten sie sich zunächst die Iren und dann die Kontinentaleuropäer ins Team.
Mittlerweile hat sich der alte Kontinent eine Art Vormachtstellung erspielt, von den letzten acht Austragungen gewannen die Europäer sechs.
Auch bei der letzten Austragung 2010 in Wales gab es einen europäischen Sieg, der nächste Ryder Cup findet im September diesen Jahres in Illinois, also turnusgemäß in den USA, statt. Dann dürfte es wieder hoch her gehen, denn während es im vornehmen Golfsport ja ansonsten eher gediegen zugeht, herrscht bei den Ryder Cups oft eine aufgeladene Atmosphäre, manchmal geht es bei Duell der alten gegen die neue Welt zu wie auf einem Fußballplatz.

Neben dem Ryder Cup wird seit den 80er Jahren auch der Presidents Cup ausgetragen. In den ungeraden Jahren spielen die besten US-Amerikaner gegen den Rest der Welt (allerdings ohne die im Ryder Cup antretenden Europäer). Von den bisher neun Auflagen gewannen die US-Boys sieben, einmal gab es ein Unentschieden, 1998 siegten die Internationals. Mit den besten Golfern aus Australien, Südafrika und Südkorea stellt ?die Welt?
mittlerweile ein sehr schlagkräftiges Team.

Auf die Mannschaftswettbewerbe und viele andere Dinge möchte ich demnächst in weiteren Ausgaben eingehen. Es gibt nämlich noch viele Details und Geschichten, die in diesem ersten Überblick keinen Platz fanden.

08.02.2012

Aberglaube im Sport

Aberglaube scheint im Sport weit verbreitet, mir fallen da spontan Fußballspieler ein die sich nicht rasieren solange eine Siegesserie andauert, sogar Joachim Löw hat ein Zeit lang zu den Spielen der Nationalmannschaft immer den gleichen Pullover getragen - diese Liste lässt sich mit einem geringen Aufwand an Recherche quasi endlos fortsetzen, aber darum soll's hier jetzt nicht gehen.

Ich hatte als aktiver Sportler zu Turnieren auch immer ein Maskottchen dabei, halte ansonsten aber nichts von derartigem Aberglauben - nun hat's aber auch mich erwischt. Nach dem 12. Spieltag sah es nicht gut aus für Rot-Weiß, beständig rutschte man in der Tabelle immer weiter ab - bis auf Platz 15. Beim folgenden Auswärtsspiel gegen den Tabellenzweiten Saarbrücken habe ich in unserem privaten Tippspiel erstmals in dieser Saison gegen Erfurt getippt. Erfurt gewann das Spiel 2:0. Kurz darauf traf ich Nils Pfingsten-Reddig und habe ihm meinen "Fehltritt" gebeichtet, daraufhin bekam ich von ihm den Auftrag weiter gegen Erfurt zu tippen, es war ja schließlich erfolgreich. Also musste ich in Zukunft entgegen meiner Überzeugung tippen.

Erfurt blieb ungeschlagen, bei Heimspielen kam man zwar nicht über Unentschieden hinaus, aber auswärts entwickelte sich Rot-Weiß zur Macht. Erst am 20. Spieltag musste man wieder eine Niederlage einstecken, natürlich ein Heimspiel - und der Schiri hatte auch einen gewissen Anteil daran. Aber das nächste Auswärtsspiel stand ja sofort auf dem Spielplan. Derby gegen Jena - da kann ich doch nicht gegen Rot-Weiß tippen, widerwillig Tat ich das dann doch und bat unseren Tippspielverwalter Björn mein getipptes Ergebnis für die Auswertung des Tippspiels zu drehen. Björn meldete gleich sein Unwohlsein bei diesem Gedanken an - und wie ich herausstellt lässt sich das Schicksal nicht so leicht betrügen ;-) Erfurt verlor gegen den großen Rivalen.

Seitdem tippe ich wieder Schnörkels gegen Erfurt, ohne rumgetrickse. 7 Punkte hat das jetzt in 3 Spielen wieder gebracht, diese Jahr noch ungeschlagen. Gestern hat die Mannschaft ein fast schon verloren geglaubtes Spiel noch eindrucksvoll gedreht. Diesen Rückenwind gilt es jetzt in das nächste Heimspiel gegen den neuen Tabellenführer Aalen mitzunehmen. Gegen gute Mannschaften hat man ja diese Saison immer ganz gut ausgesehen. Ich persönlich werde wieder auf Niederlage tippen, auch wenn das jedesmal weh tut - der Blick auf die Tabelle entschädigt.

20.01.2012

RWE startet ins neue Jahr

Morgen beginnt das Fußballjahr 2012 für unseren FC Rot-Weiß. Rückrunde kann man ja nicht schreiben, denn den Start in selbige haben wir ja mit den beiden Niederlagen gegen Babelsberg und in Drackendorf schon aufs allerfeinste versaut. Die beiden Spiele haben eindrucksvoll gezeigt, warum RWE eben kein Aufstiegskandidat ist. Wir sind zu inkonstant, wir sind nicht bissig genug, um ganz oben anzugreifen. Letztes Jahr schmissen wir in Ahlen, gegen eine Mannschaft die damals mausetot war und heute weit abgeschlagen das Tabellenende in der sechsten (!) Liga ziert, eine 3:1-Halbzeitführung weg. Dieses Jahr hatten wir uns insbesondere durch unsere Auswärtsstärke grad in die Nähe der Aufstiegsränge gekämpft, als wir satt vom vermeintlichen Erfolg und benebelt von der vermeintlichen Stärke gegen die 03er und an der Saale die Füße hochnahmen und gegen zwei Teams aus dem unteren Tabellendrittel satte null Punkte einfuhren. Doch genug mit der Aufarbeitung des Dezembertraumas. Zu der aus meiner Sicht milden DFB-Strafe und der Problematik mit der KEF und/oder anderen Krawallmachern will ich mich nicht weiter äußern, hoffen wir dass diese nicht an den Verein sondern nur an ihre Selbstdarstellung denkenden Idioten nicht so weit gehen, dass alles, was in den letzten Jahren mit Weitsicht und Seriosität aufgebaut wurde, kaputt gemacht wird. LEUTE, ES GEHT UM DEN VEREIN UND NICHT UM EURE „INTERESSEN“!

Zum Sportlichen: In der Winterpause haben wir den Kader nur überschaubar verändert. Noch Anfang Januar wurde ja jeglichen Neuverpflichtungen kategorisch eine Absage erteilt, doch spätestens als der nun gestern nach Hause geholte Marco Engelhardt in den Testspielen gegen Gotha und Bayern München auflief, war klar, dass Marco zurückkehren wird. Einziger Abgang ist der bereits vor Weihnachten fristlos gekündigte Fikri El Haj Ali. Hoffen wir, dass der Verein den vermutlich anstehenden Arbeitsgerichtsprozess gewinnt und das Geld auch wirklich einsparen kann. Sportlich stellt die Kündigung keinen Verlust dar.

Im Tor hat Stefan Emmerling den Konkurrenzkampf neu ausgerufen. Andreas Sponsel hatte den sportlich überzeugenden Markus Rickert vor dem Saarbrücken-Spiel wegen der „Disco-Affäre“ abgelöst und diese Änderung aus disziplinarischen Gründen auch sportlich gerechtfertigt. Aus meiner Sicht gibt es daher keinen Grund, den Torwart erneut zu wechseln, Sponsel hat die Gunst der Stunde genutzt und sich das weitere Vertrauen redlich verdient.

In der Abwehr wechseln Licht und Schatten ab, darstellen kann man das am besten an unseren beiden Neuzugängen aus Babelsberg. Während Innenverteidiger Joan Oumari die mit Abstand beste Neuverpflichtung des Sommers ist, personifiziert der für die Außenbahn geholte Igor Jovanovic unsere Probleme dort. Oumari ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken und hat Bertram sowieso und auch Rauw in der Hierarchie klar überholt. Rauw wurde sogar nach rechts verschoben, weil keiner der dort getesteten Spieler gänzlich überzeugen konnte: Jovanovic hatte zunächst Integrationsprobleme, war später verletzt, Ofosu-Ayeh ist schnell und entsprechend gut in der Vorwärtsbewegung, offenbarte aber nach hinten Schwächen und ein Weidlich in guter Form wird in der Offensive benötigt. Die Notlösung Rauw ist zur Dauerlösung geworden, zwar kommt von ihm nach vorne recht wenig, wenn er es aber schafft, seine Position außen konsequent zu besetzen anstatt zu oft noch nach innen zu ziehen, ist er wohl die beste Variante.

Größte Baustelle ist die Linksverteidigerposition. Es wird immer deutlicher, dass Thomas Ströhl einfach kein Verteidiger ist. Je höher wir unsere Ansprüche in Richtung 2. Bundesliga formulieren, desto ernster müssen wir auf dieser Position personell nachlegen. Wegen der Schwächen Ströhl’s setzte Emmerling auf Olivier Caillas, der mir aber mit seinen Undiszipliniertheiten und ständigen Diskussionen um jede noch so kleine Kleinigkeit mittlerweile gehörig auf die Nerven geht. Olli, konzentrier dich aufs Fußballspielen! Für die linke Seite fällt mir als Alternative nur Marco Engelhardt ein, der dann aber für meine Überlegungen im Mittelfeld verloren wäre. Ströhl, Caillas, Engelhardt – bei jedem fällt mir etwas ein, was gegen ihn spricht. Warum also nicht mal Rhys Tyler ins kalte Wasser werfen? In Bremen ist Caillas sowieso gesperrt und Engelhardt wird möglicherweise von Emmerling im Vierer-Mittelfeld gebraucht.

Im defensiven Mittelfeld waren Rudolf Zedi und Nils Pfingsten-Reddig fast gottgleich gesetzt. Sind Stefan Emmerling die Alternativen zu jung (Baumgarten, Göbel, Paradies) oder zu schlecht (Humbert)? Humbert? Ja, der ist immer noch in Erfurt. Im Sommer dürfte aber niemand mehr irgendeine Option haben, um den Vertrag nochmals zu verlängern. Manchmal kommt es mir vor, als hätten die Franzosen Humbert 1945 in Deutschland vergessen, so lange wärmt der schon unsere Ersatzbank. Es fehlte definitiv an Alternativen auf der Doppel-Sechs und in manchen Spielen wirkten Rudi und Nils auch so, als wären sie sich ihrer Sache etwas zu sicher. Konkurrenz (durch Engelhardt) belebt das Geschäft! Nicht schlecht also. Und gegen Bayern zauberte Emmerling sogar ein 4-1-4-1 aus dem Hut, bei dem alle drei spielen könnten: Zedi defensiv und Engelhardt sowie Pfingsten als Doppel-Acht. Durch dieses System wäre unser Loch im offensiven Mittelfeld, welches in der Hinrunde insbesondere in Heimspielen bedenklich klaffte, zumindest quantitativ etwas gestopft.

Auf den offensiven Außenpositionen haben wir mit Manno, Drexler, Morabit und Weidlich (gegen Ende der Hinrunde mit aufsteigender Form) eine Menge Qualität und zahlreiche Alternativen und Möglichkeiten. Nirgendwo, außer vielleicht im Tor, ist der FC RWE so gut besetzt wie hier. Wenn insbesondere der Linksverteidiger seine Aufgabe ähnlich defensiv interpretiert wie Rauw auf rechts, dann haben die Außen den Rücken frei und können sich offensiv voll entfalten. Als gelernte Stürmer haben Morabit, Drexler und Manno zudem alle Möglichkeiten, die einzige Spitze im 4-1-4-1, Reichwein, ganz vorn zu unterstützen. Vorne sind wir also auf dem Papier sehr variabel aufgestellt. Von daher ist es fast nicht zu begreifen, warum wir mit diesen technisch starken Spielern in Heimspielen solche Probleme gegen kompakte Mannschaften hatten. Vielleicht ist die Lösung wirklich das 4-1-4-1 mit einem etwas offensiver agierenden Pfingsten-Reddig. Auch wenn Nils sicher alles andere als ein Spielmacher ist. Aber andere Alternativen sehe ich nicht, möglicherweise den jungen Göbel.

Genug überlegt, nun Butter bei die Fische, hier ist meine Startaufstellung für Bremen:

Reichwein
Morabit – Engelhardt - Pfingsten-Reddig - Weidlich
Zedi
Tyler – Oumari – Bertram - Rauw
Sponsel